Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Ein Mann tippt an einer beleuchteten Tastatur. Symbolbild: Nicolas Armer/dpa
© Symbolbild: Nicolas Armer/dpa

Sorge vor russischen Vergeltungsaktionen G7 helfen Ukraine im Cyberspace

Oliver Voss Johannes Steger

Digitalminister beraten über stärkere Zusammenarbeit ihrer Länder. Russische Aggressionen sollen auch im Netz bekämpft werden.

Freier Datenfluss, Nachhaltigkeit und die Rahmenbedingungen für digitale Technologien waren eigentlich die Topthemen für das Digitalministertreffen der G7 am Dienstag und Mittwoch in Düsseldorf.

Der Krieg in der Ukraine hat das Programm umgeworfen: „Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und deren digitale Infrastruktur hat bewirkt, dass die G7 das Thema nicht nur auf die Agenda des Digitalministertreffens in Düsseldorf gesetzt haben, vielmehr stehen wir vereinter als zuvor in unseren gemeinsamen Anstrengungen, unsere kritische Infrastruktur vor äußeren Feinden zu schützen“, sagt Digitalminister Volker Wissing (FDP) Tagesspiegel Background.

[Wenn Sie die wichtigsten News aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Dazu soll es eine gemeinsame Erklärung zur Cyberresilienz digitaler Infrastrukturen geben, deren Entwurf Tagesspiegel Background vorab vorlag. Die G7 sichern darin zu, dass sie auch weiterhin die Ukraine bei der Verteidigung ihrer Netzwerke helfen werden.

Wie dies konkret aussieht – dazu hält man sich bedeckt. Trotzdem könnte diese Unterstützung auch einer der Gründe sein, weshalb große digitale Schäden in der Ukraine bislang ausgeblieben sind. Laut Expert:innen hätten einige Länder Teams zur Unterstützung in die Ukraine geschickt. Gleichzeitig hat das Land schon aufgrund früherer Attacken die eigenen cyberdefensiven Fähigkeiten massiv ausgebaut.

Ukrainischer Digitalminister wird zugeschaltet

Die russische Aggression gegen die Ukraine hätte die Abhängigkeit vernetzter Gesellschaften von digitaler Infrastruktur, besonders Telekommunikation und den entsprechenden Vulnerabilitäten deutlich gemacht, heißt es in der Erklärung: „Wir unterstreichen die Wichtigkeit des Schutzes der digitalen Infrastrukturen freier Gesellschaften gegen schadhafte Einmischung und Beeinflussung durch autoritäre Regime.“ Man applaudiere der Ukraine dafür, die Kommunikationsnetzwerke unter schwersten Bedingungen aufrecht erhalten zu haben.

Geplant ist, den ukrainischen Digitalminister Mykhailo Fedorov bei dem G7- Ministertreffen zuzuschalten. Er soll über die aktuelle Lage und die Aktivitäten im Cyberkrieg berichten.

Es hatte zahlreichen Versuche der russischen Regierung gegeben, mit gezielten Cyberoperationen die digitalen Infrastrukturen der Ukraine zu beschädigen oder abzuschalten.

Sicherheitsforschende von Microsoft veröffentlichten vor Kurzem einen Bericht über die russische Cyberkriegsführung in der Ukraine: Sie beobachteten eine Verstärkung der Angriffe am Vorabend der russischen Invasion, als die dem russischen Militärgeheimdienst zugeordnete Einheit 74455, die Schadsoftware Hermetic Wiper einsetzte, um etwa 300 Systeme in mehr als einem Dutzend Unternehmen und Einrichtungen der Ukraine zu zerstören.

Angriffswelle im Cyberspace

Laut Microsoft war das nur eine von vielen Attacken – der Schwerpunkt der Angriffswelle war die erste Woche des Krieges mit einer Vielzahl von so genannten Wipern. Software, die Daten vollständig zerstört und damit Rechner unbenutzbar macht. Doch die G7-Staaten sehen weiterhin die Notwendigkeit verstärkter Alarmbereitschaft.

Auch westliche Staaten stehen im Fokus, gerade haben prorussische Akteure Cyberangriffe auf die Websites deutscher Sicherheitsbehörden, Ministerien und Politiker gestartet und diese zeitweilig unerreichbar gemacht. Nach „Spiegel“-Informationen richteten sich die Attacken unter anderem gegen die Bundespolizei sowie mehrere Landespolizeibehörden.

Auch der Bundestag, das Bundesverteidigungsministerium und die SPD-Website von Bundeskanzler Olaf Scholz zählten zu den Zielen der Kampagne, wie das Magazin unter Berufung auf ein internen Behördenbericht schreibt. Einige der Internetseiten seien wegen der Überlastangriffe vorübergehend nicht aufrufbar gewesen. Verantwortlich soll die prorussische Aktivistengruppe „Killnet“ sein. Sie bekannte sich auf Telegram zu den Attacken.

Zur Startseite