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Aserbaidschanische Soldaten beim Einsatz. Foto: dpa
© dpa

Serbische Waffen an Armenien und Aserbaidschan Belgrads Arm im Kaukasus-Krieg

Serbien beliefert im Konflikt um Berg-Karabach beide Seiten mit Waffen. Was es damit auf sich hat. Eine Analyse.

Serbiens Präsident widerspricht sich selbst. „Es gibt dort keine serbischen Waffen, nichts aus serbischer Produktion“, dementierte Präsident Aleksandar Vucic in dieser Woche Berichte, dass neben russischen und türkischen Waffen auch Granaten und Raketen aus serbischen Waffenschmieden im wieder aufgeflammten Krieg um Bergkarabach zum Einsatz kommen: „Wir wollen Frieden. Das sind zwei befreundete Nationen“, fügte er mit Blick auf Armenien und Aserbaidschan hinzu.

Im Kaukasus gingen derweil den vierten Tag in Folge die schweren Kämpfe weiter. Beide Staaten haben den Kriegszustand offiziell erklärt.

Mitte August hatte Vucic auf die aserbaidschanische Kritik an serbischen Waffenlieferungen an Armenien noch eine ganz andere Botschaft verkündet. Serbien habe an Aserbaidschan „zehn Mal mehr Waffen“ als an Armenien verkauft, versicherte er damals.

Wenn Serbien eine Rüstungsindustrie wolle, müsse sie deren Produkte auch an jemanden verkaufen, auch wenn man damit „immer irgendjemanden“ vor den Kopf stoße. „Mich interessieren nur unsere Fabriken und unsere Rüstungsindustrie“, betonte Vucic.

Zwar sind Aserbaidschan und Serbien seit 2013 durch ein Abkommen über strategische Partnerschaft verbunden. Doch bereits Mitte Juli hatte Bakus Außenministerium verärgert Serbiens Botschafter einbestellt, nachdem das Dorf Agdam von armenischen Streitkräften mit Granaten serbischer Fertigung beschossen worden war.

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Private Waffenhändler unterwegs

In dieser Woche empörte sich das aserbaidschanische Militärportal azeridefence.com erneut über den Beschuss mit Luftbodenraketen serbischer Fertigung in der Region Füzuli: „Die Armenier trafen unsere Siedlungen mit Raketen, die von Serbien gekauft wurden“, schrieb das Portal.

Serbiens geschäftsführender Handelsminister Rasim Ljajic bestätigte bereits im Juli eher verlegen die Genehmigung von Waffenexporten nach Armenien: Da das Land unter keinerlei UN-Sanktionen stehe, habe sich Belgrad „formalrechtlich“ keinerlei Fehler erlaubt.

Drastischer drückt sich nun das Belgrader Webportal nova.rs aus: „Armenier und Aserbaidschaner töten sich mit den Waffen der Waffenhändler von Vucic.“

Russland, die Türkei und Israel gelten als Hauptlieferanten des Kriegsgeräts, das derzeit den Konflikt auf dem Kaukasus befeuert. Doch ob in Syrien, Jemen, Afghanistan oder Nigeria: Vermehrt gelangen die Billig-Granaten und Raketenwerfer von Serbiens zumeist staatlichen Rüstungsschmieden auch über Drittländer in Spannungsgebiete – so wie jetzt im Kaukasus.

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Belgrad verweist zwar darauf, dass Exportgenehmigungen keineswegs für Kriegsgebiete erteilt werden. Doch auffällig ist, dass private Waffenhändlerfirmen aus dem Dunstkreis der Regierungspartei SNS das lukrative Exportgeschäft in den letzten Jahren weitgehend von der staatlichen „Jugo-Import“-Gesellschaft übernommen haben.

Ist der Präsident schlecht informiert?

Laut der Zeitung „Danas“ sind Serbiens Waffenlieferungen an Aserbaidschan direkt von den Produzenten und diejenigen an Armenien fast alle über die Firmen des Waffenhändlers Slobodan Tesic abgewickelt worden. Den hat das US-Finanzministerium wegen korrupter Geschäftspraktiken als unerwünschte Person auf seine Sanktionsliste gesetzt.

In den letzten Jahren habe Serbien beide Seiten des Karabach-Konflikts mit Waffen beliefert und es gebe keinerlei Zweifel, dass diese in dem jetzigen Krieg auch genutzt würden, so der Belgrader Militäranalyst Vlada Radulovic.

Entweder sei der Präsident „schlecht informiert oder er spricht die Unwahrheit“, kommentiert derweil nova.rs dessen Behauptung, dass Kriegsgerät serbischer Fertigung auf dem Kaukasus keineswegs im Einsatz sei: „Die Tatsachen dementieren Vucic: Unsere Waffen knallen in Karabach.“

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