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Friedrich Merz. Foto: Odd Andersen/Pool via REUTERS
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Selbst CDU-Spitzenleute sprachlos Hinter Merz´ Ministerangebot steht eine Drohung

Friedrich Merz will das Wirtschaftsministerium übernehmen – und stellt damit die Machtfrage. Im Wahljahr kann das zerstörerische Kraft entfalten. Ein Kommentar.

Friedrich Merz gab sich ganz als leidenschaftlicher Diener der Partei. „Ich bin nicht in eine Vermittlungsagentur für Regierungsämter eingetreten!“ rief der Kandidat für den CDU-Vorsitz in seiner Bewerbungsrede. Eine Niederlage später gab er öffentlich eine Selbstbewerbung ab: Er habe dem neuen Parteichef Armin Laschet angeboten, jetzt sofort „das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen“, twitterte Merz.

Die Antwort kam postwendend von der zuständigen Stelle: Sie plane keine Regierungsumbildung, ließ Kanzlerin Angela Merkel durch ihren Sprecher ausrichten.

Damit wiederholt sich, was Merz schon nach seiner Niederlage gegen Annegret Kramp-Karrenbauer inszeniert hatte. Damals knallte er der neuen Chefin seine Forderung immerhin nicht sofort auf den Tisch. Aber so wie schon beim Hamburger Parteitag ignorierte er die Bitte selbst treuer Unterstützer wie Mittelstandschef Carsten Linnemann, sich in die Parteispitze einbinden zu lassen – Merz begründete das jetzt damit, er hätte bei einer Kandidatur womöglich eine Frau verdrängt, und mit einem Übergewicht von Nordrhein-Westfalen in der Parteispitze.

Im Wirtschaftsministerium wäre es ein Mann, den er zu verdrängen gedachte. Allerdings einer, dem Merkel wie Laschet aus alten Tagen verbunden sind. Peter Altmaier und der neue Vorsitzende kennen sich aus ihren ersten Jahren im Bundestag. Beide gehörten zu der Truppe Jungpolitiker, die Merkel in ihrer Zeit als Oppositionsführerin als Berater und Diskussionspartner begleitete.

Was auch CDU-Spitzenleute sprachlos macht, ist allerdings vor allem die Chuzpe, mit der Merz seinen Bezwinger herausfordert. Denn ein Angebot, von dem klar ist, dass es Merkel ablehnen würde, bevor Laschet auch nur mit ihr darüber reden konnte – ein solches Angebot ist gar keins.

Merz hat fast die Hälfte der Delegierten hinter sich

Merz stellt damit die Machtfrage an Merkel, an Laschet und an alle, die ihn nicht gewählt haben. Denn hinter dem „Angebot“ steht eine Drohung: Entweder folgt ihr mir – und Laschet setzt das gefälligst bei der Kanzlerin durch. Oder ich ziehe mich wie vor zwei Jahren zurück und nehme meine Fans mit in die innere Emigration.

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Doch was damals als Schachzug gelten konnte, um sich im Politikalltag nicht die Finger schmutzig zu machen und ein Comeback vorzubereiten, kann im Jahr der Bundestagswahl zerstörerische Kräfte freisetzen. Laschet hat deutlicher gesiegt als AKK. Doch hinter Merz stellte sich immer noch fast die Hälfte der Delegierten.

Laschet wiegelt unaufgeregt ab

Laschet federt die Herausforderung unaufgeregt ab. "Das steht heute nicht an", sagt der Frischgewählte im ZDF und legt bei der Gelegenheit offen, wie das Gespräch über das Angebot lief. "Ich habe ihm entgegnet: Ich will, dass du dabei bist", berichtet Laschet. Er habe Merz einen Sitz im Parteipräsidium angeboten. "Da wollte er nicht rein." Stattdessen dann also die öffentliche Bewerbung.

Richtig überraschen kann sein Alleingang allerdings auch nicht. Merz – Sohn eines Gerichtspräsidenten, erfolgreicher Jurist, Blitzkarriere im Bundestag, zuletzt Großverdiener – hat wenige Niederlagen erlebt. Aber die wenigen hat er immer persönlich genommen. Viele Männer sind an Angela Merkel gescheitert. Alle haben früher oder später ihren Frieden mit ihr gemacht. Merz ist jetzt 65 Jahre alt. Seinen Frieden hat er nicht.

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