Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, spricht mit CDU-Kanzlerkandidat und dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Foto: dpa
© dpa

Schwere Vorwürfe gegen CDU-Kanzlerkandidaten „Laschet lügt oder ist falsch informiert“

Laschet sagte im ZDF-Interview, Umweltverbände hätten Deutschlands späten Kohleausstieg 2038 vorgeschlagen. BUND und Greenpeace weisen das zurück.

Dem Union-Kanzlerkandidaten Armin Laschet machen Umweltverbände nach dessen Aussagen zum Kohleausstieg im ZDF-„Sommerinterview“ schwere Vorwürfe. BUND sowie Greenpeace kritisierten zu Wochenbeginn, CDU-Politiker Laschet habe falsche Angaben zur Arbeit der Kohlekommission gemacht.

„Armin Laschet lügt oder ist falsch informiert, wenn er behauptet, BUND und Greenpeace hätten in der Kohlekommission 2038 für den Kohleausstieg vorgeschlagen“, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt am Montag.

Laschet hatte in dem Interview am Sonntag ein Vorziehen des bisher für 2038 geplanten Kohleausstiegs abgelehnt. „Ich finde, Politik muss verlässlich sein“, sagte er. „Wir haben eine Kohlekommission gehabt mit Wissenschaftlern, mit Greenpeace, mit dem BUND“, argumentiert er. „Und die haben das Datum 2038 vorgeschlagen.“

Laschet war am Sonntag im Sommerinterview des ZDF mit Aussagen von CSU-Chef Markus Söder konfrontiert worden. Söder hatte angekündigt, sich dafür einsetzen zu können, schon 2030 den Kohleausstieg zu ermöglichen. Laschet sagte daraufhin, Nordrhein-Westfalen gehe beim Kohleausstieg voran und könne das bis 2030 schaffen. Den entsprechenden Ausschnitt aus dem ZDF-Interview mit Armin Laschet können Sie hier sehen.

Dem widerspricht der BUND-Vorsitzende Bandt deutlich: „Ganz im Gegenteil: Wir haben immer klargemacht, dass ein so spätes Ausstiegsdatum für ernsthaften Klimaschutz viel zu spät ist und deshalb auch in einem Sondervotum einen Kohleausstieg bis spätestens 2030 gefordert“, sagte Bandt. Dies sei auch öffentlich im Abschlussbericht der Kohlekommission nachzulesen.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und zum Wahlkakmpf live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

„Wir erwarten von Armin Laschet, dass er seine falsche Darstellung richtigstellt“, erklärte Bandt weiter. „Aber vor allem fordern wir, dass er sich vor den Konsequenzen der neuen Klimaschutzziele nicht weiter wegduckt und endlich für einen Kohleausstieg bis 2030 eintritt.“

„Für einen, der Kanzler werden will, ist das unwürdig“

„War Laschet falsch informiert oder hat er im Sommerinterview gelogen?“ fragte auch Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser, der selbst damals der Kohlekommission angehörte. „Beides ist für einen, der Kanzler werden will, unwürdig“, warf Kaiser weiter dem Unions-Kandidaten vor. Auch er betonte, Greenpeace habe seinerzeit „den Kohleausstieg 2030 vorgeschlagen und gegen 2038 votiert“.

Auch Kaiser verlangte von dem CDU-Chef eine Entschuldigung für falsche Angaben in dem Interview. Die damalige Vertreterin der Klima-Allianz in dem Gremium, Antje Grothus, bestätigte die Darstellungen von BUND und Greenpeace.

Die an der Kohlekommission beteiligten Umweltverbände hatten zu den Empfehlungen des Gremiums Anfang 2019 ein Sondervotum veröffentlicht, auf das BUND und Greenpeace noch einmal hinwiesen. Darin trugen sie zwar das Gesamtergebnis mit, um den Einstieg in die Abkehr von der Kohle nicht zu gefährden. Sie distanzierten sich aber ausdrücklich von dem Enddatum 2038.

Diese Enddatum sei „nicht tragbar“, hieß es in dem Sondervotum der Kommissionsmitglieder von Greenpeace, BUND, Deutschem Naturschutzring (DNR) und Klima-Allianz. „Im Sinne des Klimaschutzes notwendig wäre ein Ausstieg bis 2030“, betonten dagegen bereits damals die Vertreterinnen und Vertreter der Umweltverbände.

Armin Laschet war bisher für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Umweltverbände nicht zu erreichen. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer nannte es auf Twitter „unerhört“, dass Laschet nicht nur ebenso wie die Bundesregierung zentrale Punkte der Kommissionsempfehlungen nicht umgesetzt habe, sondern jetzt auch noch die Umweltverbände für das von diesen abgelehnte Enddatum 2038 „instrumentalisiert“. (AFP/dpa)

Zur Startseite