Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Eine Gruppe von Polizisten in Sichtweite von Schloss Elmau (im Hintergrund) beobachtet eine Demonstration. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
© dpa/Philipp von Ditfurth

Scholz' G7-Show in Schloss Elmau Es braucht solche Gipfel – aber nicht so

170 Millionen Euro an Kosten, 18.000 Polizisten, Hunderte Hubschrauberflüge in den Alpen: Ein G7-Gipfel geht auch sparsamer – gerade jetzt. Ein Kommentar.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Solche Gipfel müssen sein, gerade jetzt, gerade in dieser Phase, in der Russland Krieg führt und die alte Ordnung zerbrochen ist. Der persönliche Austausch, zwei Tage Zeit, mal in Ruhe nachzudenken, das ist ungleich ergiebiger als Videoschalten.

[Alle aktuellen Nachrichten zum russischen Angriff auf die Ukraine bekommen Sie mit der Tagesspiegel-App live auf ihr Handy. Hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen.]

Doch die Tage von Elmau haben zugleich gezeigt. So soll ein Gipfel nicht organisiert werden, Kanzler Olaf Scholz (SPD) und seine Regierung predigen gerade Verzicht – unten im Tal ist bei erzürnten Bürgern immer wieder der „Wasser predigen, Wein trinken“-Vergleich zu hören. So teuer war noch nie ein G7-Gipfel in Deutschland, bei den 170 Millionen Euro an Kosten für die Steuerzahler wird es nicht bleiben, an Luxus und Komfort wurde nicht gespart. 2015 war der Gipfel hier zwar von der Logistik her schon ähnlich kompliziert, aber zumindest auch einiges günstiger.

Die G7-Chefs auf Schloss Elmau demonstrieren Geschlossenheit - und gute Laune. Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
Die G7-Chefs auf Schloss Elmau demonstrieren Geschlossenheit - und gute Laune. © Michael Kappeler/dpa

Es passt zudem hinten und vorne nicht zum sozialdemokratischen Anspruch von Scholz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit voranzubringen, wenn es Hunderte Hubschrauberflüge gibt, mit entsprechendem Dauerlärm, lange Fahrzeugkolonnen sich durch die malerische Naturlandschaft schlängeln und 18.000 Polizisten hin- und hergekarrt werden müssen, um diesen Gipfel im Luxusschloss zu schützen.

Leidtragende sind vor allem die Einwohner vor Ort: Schülerinnen und Schüler, die nicht zur Schule können, über Monate eingeschränkte Sportmöglichkeiten, etwa weil Sicherheitskräfte seit Februar das Eisstadion für den Gipfel in Beschlag genommen haben. Dazu geschlossene Freizeitmöglichkeiten, viele Einzelhändler klagen über Umsatzeinbußen.

Elmau lässt sich gut schützen, aber der Aufwand ist zu groß

Sicher, die Gegend um Elmau lässt sich wunderbar abriegeln und schützen, aber der Ort ist für diesen Gipfel eben der falsche. Er erfordert sehr viel Transportaufwand. Die Bilder fröhlicher Staats- und Regierungschefs vor malerischer Alpenkulisse sind sicher ikonisch, aber passen sie zur Weltlage, gerade wenn sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenkyj aus dem Kriegsgebiet zuschalten lässt?

Zudem müssen jeden Tag Hunderte Journalisten aus dem fast 20 Kilometer entfernten Garmisch-Partenkirchen zum Schloss gefahren und teils auch mit Hubschraubern hingeflogen werden, um über die Statements und Auftritte der Staats- und Regierungschefs zu berichten. Nichtregierungsorganisationen klagen über völlig intransparente Entscheidungsprozesse, da vom Schloss wenig rausdringt. Die US-seite informiert weitaus umfassender über die Verhandlungen und den Gipfelablauf als das Scholz-Lager.

Es gibt besser geeignete Orte - und es geht günstiger

Beim G20-Gipfel in Rom traf man sich im Oktober in einem großen, schmucklosen Messezentrum, dadurch waren die Wege kurz, alles war einfacher und auch klimafreundlicher zu organisieren. In einer Großstadt ist sicher die Gefahr von Demonstrationen mit Ausschreitungen größer, Scholz ist da seit Hamburg 2017 ein gebranntes Kind.

Aber es gibt auch viele andere Orte, wo sich so ein Gipfel unkomplizierter und günstiger organisieren ließe. Auch wenn dann die Alpenkulisse fehlt.

Selbst Polizisten sprechen von „Irrsinn“

Sicher geht es etwas kleiner, auch Polizisten sprechen vor Ort von einem „Irrsinn“ - und haben Bauchschmerzen mit Blick auf die Sorgen und Nöte vieler Bürger. Und nachhaltig ist das bei aller Show und Gipfelerklärungen nicht. Scholz‘ Umfeld wischt Einwände zur Größe, dem CO2-Ausstoß und den Kosten mitunter fast arrogant weg.

Aber gerade in diesen fragilen Zeiten sollte das Gespür der Bürger nicht unterschätzt werden. Sie sollen infolge des russischen Krieges Energie sparen und werden den Gürtel enger schnallen müssen. Wenn die Politik sich dagegen in einer teuren Parallelwelt verschanzt, verstärkt das nur Vorurteile und Verdruss. Etwas mehr Bescheidenheit als Vorbild wäre angebracht.

Zur Startseite