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Die drei Kandidaten für den Bundesvorsitz der CDU: Norbert Röttgen (l), Armin Laschet (M) und Friedrich Merz (r). Foto: Michael Kappeler/dpa-pool/dpapa
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Schluss-Spurt im CDU-Vorsitzrennen Mit Merkels Mitteln ab in die Mitte

„Asymmetrische Demobilisierung“ galt als Angela Merkels Erfolgsrezept. Kurz vor dem Parteitag entdecken es ihre potenziellen Erben. Ein Kommentar.

Als es in der CDU noch chic war, Angela Merkel blöd zu finden, kleideten die Kritiker ihren Unmut oft in die Formel, es müsse Schluss sein mit dieser asymmetrischen Demobilisierung. Auch ihre potenziellen Nachfolger mäkelten gerne mal an der Methode herum, politische Konkurrenten zu entwaffnen, indem man ihre Positionen zu den eigenen macht.

Umso putziger ist es zu sehen, wie die Drei im Schlussspurt vor dem Wahltag plötzlich die Vorzüge dieser Taktik entdecken.

Da präsentiert sich der freundliche Außenpolitiker Norbert Röttgen im letzten CDU-Talk vor dem Parteitag als Mann der harten Hand: Islamistische Gefährder nach Syrien abschieben, Bürgerkrieg hin oder her! Kurz darauf preisen Armin Laschets Gefolgsleute den landesväterlichen Rheinländer als Garanten fürs Durchgreifen gegen Clans und andere Schurken.

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Friedrich Merz hält sich an dem Punkt mal raus, weil seine Anhängerschaft in sowieso als Mann der harten Ansagen zu kennen glaubt. Dafür freut er sich demonstrativ über die „große Unterstützung“, die er von Frauen erfahre. Kurz vorher hatte die Frauen-Union wissen lassen, dass der Ex-Fraktionschef in ihren Reihen eben diese Unterstützung eher nicht hat.

Jeder will irgendwie für alles stehen

Man findet leicht weitere Beispiele. Von der Klimafrage über Zuwanderung bis zur Wirtschafts- und Weltpolitik schwebt über dem CDU-Wahlkampf ein allgemeines „Ich auch!“

Bei Merz fällt das besonders auf, eben weil er als Kantiger ins Rennen ging und, je länger es dauert, immer ungefährer geworden ist. Zum Lockdown etwa forderte er, kleinere und mittlere Firmen müssten da „möglichst schnell“ raus. Nicht „schnell“, nur „möglichst“ – so was hieß früher „merkeln“.

Wurde oft für ihre Methode, politische Konkurrenten zu entwaffnen, kritisiert: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
Wurde oft für ihre Methode, politische Konkurrenten zu entwaffnen, kritisiert: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). © Michael Kappeler/dpa

Diese mutwillige Konturenverwischung hier und die Konturenverbreiterung dort hat natürlich einen Grund. Keiner weiß, was beim Parteitag am Samstag passiert. Alle ahnen, dass es auf jede Stimme ankommen könnte.

Da drängt man sich selber besser dorthin, wo noch die meisten zu holen sein könnten – in der Mitte der Partei, bei Delegierten, die nicht als Flügelstürmer von vornherein festgelegt sind.

Vielleicht entscheidet sich ja ein unschlüssiger Konservativer doch für Laschet? Vielleicht stimmt eine Frau doch für Merz? Vielleicht versammelt der Ex-Fraktionsvorsitzende Wirtschaftsflügel und Lockdown-Erschöpfte gleichermaßen hinter sich, ohne die Befürworter harter Corona-Einschränkungen zu verprellen?

Der Wahlkampf um den CDU-Vorsitz wirkt folgerichtig so gepflegt langweilig und unkonturiert wie viele Wahlkämpfe der Partei. Für wen sich das auszahlt, wird man sehen.

Nur Merkel kann sich jetzt schon sagen: Wenn es um das eigene Fortkommen geht, dann lernen ihre alten Kritiker das Siegen nur zu gern von ihr.

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