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Habeck auf Heimatbesuch im Norden. Foto: Imago
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„Schlafmützigkeit und Bräsigkeit“ abschütteln Habeck macht Druck beim Ausbau von Flüssiggas-Terminals

Um unabhängig von Russland zu werden, soll Deutschland schnell Flüssiggas-Terminals bekommen. Normale Genehmigungen will der Wirtschaftsminister nicht abwarten.

Robert Habeck kommt zu Fuß zum Antrittsbesuch bei Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Vorstellen muss sich der Vizekanzler in Kiel nicht. Als Landwirtschaftsminister war er fast sechs Jahre im Jamaika-Kabinett, den Ministerpräsident nennt er „Daniel“. Und so kommen der Grünen-Bundesminister und der CDU-Landesvater direkt zu den drängenden Fragen.

Der Ukrainekrieg hat der Bundesregierung die Notwendigkeit der Energiewende brutal vor Augen geführt. Verzweifelt versucht der Wirtschaftsminister aktuell, die Republik aus der Energie-Abhängigkeit von Russland zu befreien. Schleswig-Holstein spielt dabei eine zentrale Rolle in Habecks Plan.

Das Land habe seine Hausaufgaben beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Stromnetze gemacht, lobt er. Doch nur mit Windrädern wird sich Deutschland zunächst nicht von Putins Gas, Kohle und Öl trennen können. Flüssiggaslieferungen sollen kurzfristig helfen, doch bislang hat Deutschland nicht einmal ein eigenes sogenanntes LNG-Terminal.

In Brunsbüttel, an der Mündung der Elbe, will Habeck das schnell ändern. Ein Terminal, das jährlich acht Milliarden Kubikmeter Gas beziehen kann, soll dort zeitnah gebaut werden. Die Bundesregierung beteiligt sich an dem Projekt, das bei Umweltschützern umstritten ist, über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu 50 Prozent. Betreiberin des LNG-Terminals wird das niederländische Staatsunternehmen Gasunie, am Nachmittag führte Habeck Gespräche vor Ort.

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Zuvor sichert auch Günther seine Unterstützung zu, man werde Planung, Genehmigung und Bau „maximal“ beschleunigen. „Wir werden unseren Teil leisten“, verspricht Günther. Für ihn ist es eine gute Gelegenheit sich im Landtagswahlkampf zu profilieren. Ausgerechnet die Grünen im Norden sehen das LNG-Terminal kritisch, im Wahlprogramm hat man sich dagegen ausgesprochen.

Habeck: "Das muss schneller gehen"

Habeck bremst das nicht. „Tesla-Geschwindigkeit“ brauche es jetzt, um unabhängig von Russland zu werden. Bislang war man von mehr als fünf Jahren bis Inbetriebnahme des Terminals ausgegangen. „Das muss schneller gehen“, sagt Habeck in Kiel, legt sich aber nicht genauer fest. Gemeinsam mit einem zweiten LNG-Terminal in Stade oder Wilhelmshaven hofft sein Ministerium, 20 Prozent des deutschen Gasbedarfs zu decken.

Doch der Bau eigener LNG-Terminals ist nur ein Schritt zur Diversifizierung der Energieeinkäufe. Nicht nur Deutschland versucht nun verstärkt LNG einzukaufen. Weltweit ist die Nachfrage gestiegen, die Konkurrenz ist groß. Zudem sind die großen Anbieterländer mit den USA, Katar und Nigeria überschaubar und liegen weit entfernt von Zentraleuropa. Es braucht mehr Schiffe, die das auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlte LNG transportieren können.

Verhängen Deutschland oder Putin doch noch ein Energie-Embargo könnte die Lage im kommenden Winter kritisch werden. Im Wirtschaftsministerium wird bereits an Plänen gearbeitet, um den privaten und industriellen Gas-Verbrauch zu reduzieren. Im Sommer sollen zudem die Gasspeicher vollgemacht werden. Wo er kann, macht Habeck in diesen Tagen Druck. Die deutsche „Schlafmützigkeit und Bräsigkeit“, sagt er in Kiel, müsse man jetzt abschütteln.

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