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Impfen - eine Frage der Solidarität? Die Geschwister-Impflinge Hugo (12 Jahre) und Urs (13 Jahre) blättern vor ihrer Impfung am Impfzentrum in ihren Impfbüchern. Foto: dpa/Swen Pförtner
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Rufe nach Solidarität in der Pandemie Wird das Impfen zu einer Frage der Moral?

Impfen sei ein Gebot der Solidarität, sagen Mediziner, Politiker und die Stiftung Patientenschutz gleichermaßen. Bei den Adressaten aber unterscheiden sie sich.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wirft den jüngeren Generationen in Deutschland eine mangelnde Impfbereitschaft vor. „Obwohl mittlerweile Impfstoff für täglich zwei Millionen Menschen bereitsteht, werden nur 500.000 Dosen abgerufen, denn der Impffortschritt dümpelt in der jungen und mittleren Generation nur so vor sich hin“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung.

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, rief die erwachsene Bevölkerung insgesamt zum Impfen auf, um die Pandemie einzudämmen und Kindern und Jugendlichen weitere Einschränkungen zu ersparen.

„Das Risiko ist groß, dass am Ende Kinder und Jugendliche wieder die Fußabtreter sind“, sagte Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Politik sollte da auch mehr Druck machen“, forderte er und nannte als Beispiele „kein Urlaub ohne Quarantäne, kein Theater-Besuch ohne PCR-Test“.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte den Funke-Zeitungen: „Gerade jetzt, wo die Infektionszahlen wieder ansteigen, sollten sich möglichst alle Erwachsenen mit den Kindern und Jugendlichen solidarisch zeigen, indem nicht geimpfte Personen die Impfangebote wahrnehmen.“ Je weniger das Virus unter den Erwachsenen zirkuliere, desto weniger könne es auch für die Jüngeren zu einer Gefahr werden, für die teils keine Impfstoffe zugelassen seien oder Impfungen nicht empfohlen würden.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte Donnerstag dem Tagesspiegel gesagt, sie „betrachte es eigentlich als moralische Selbstverpflichtung eines jeden Berliners und einer jeden Berlinerin, zum Impfen zu gehen: Zum Eigenschutz, zum Schutz der Mitmenschen und zum Erhalt der gemeinsam gegen Covid-19 erkämpften Freiheiten“. Ob Spontanimpfen, Terminimpfen im Corona-Impfzentrum, Impfen beim Arbeitgeber, bei den niedergelassenen ÄrztInnen oder den diversen Angeboten in den Bezirken -„nie war es so einfach und schnell möglich, sich impfen zu lassen“, sagte die SPD-Politikerin.

Hans fordert: Impfverweigerer anders behandeln als Geimpfte

Patientenschützer Brysch wiederum sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ bezogen auf alle Erwachsenen, immer wieder sei beklagt worden, die Jungen müssten zugunsten Älterer auf ihre Freiheit verzichten. Dass die Impfbereitschaft bei ihnen nun so gering sei, zeige, „dass an dem Vorwurf nichts dran war“.

Die über 60-Jährigen hingegen würden „mit erwartbarer fast 90-prozentiger vollständiger Impfquote ihren Teil zur Pandemiebekämpfung beitragen“. Schon jetzt hätten 85 Prozent dieser Altersgruppe das Impfangebot angenommen.

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Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“, Impfverweigerern sollten künftig nicht die gleichen Freiheitsrechte zurückgegeben werden wir Geimpften. „Sie müssen zum Beispiel für Schnelltests zahlen oder können nicht an jeder Veranstaltung teilnehmen“, sagte er. Es könne nicht sein, „dass sich für Geimpfte nichts ändert, nur weil die Gesellschaft dauerhaft Rücksicht auf die Verweigerer nehmen muss“.

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Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sprach sich dafür aus, die Bürgerinnen und Bürger klüger zum Impfen zu motivieren. „Ich vermisse in Deutschland eine Kommunikation, die motiviert durch positive Botschaften und nicht immer nur auf Katastrophenalarm setzt“, sagte er dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.

Derzeit sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. 48,5 Prozent haben den vollständigen Schutz, für den bei den meisten Vakzinen eine zweite Impfung notwendig ist. Die sogenannte Herdenimmunität ist nach Schätzung des RKI bei einer Impfquote von mehr als 80 Prozent erreicht. (epd/Tsp)

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