SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht eine rot-rot-grüne Koalition als Option. Foto: dpa/Carsten Koall
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Rot-Rot-Grün im Bund Die Hoffnung, die keine bietet

Immer mehr SPD-Spitzenpolitiker machen den Linken Avancen. Die Genossen reden, als wäre es ihre letzte Hoffnung. Dabei ist es doch keine. Ein Kommentar.

SPD öffnet sich an ihrer Spitze für Rot-Rot-Grün auf Bundesebene - jetzt, Jahre zu spät. Ja, als Linke und Grüne noch zugestimmt hätten, damals; als der Linke Oskar Lafontaine auf Sigmar Gabriel zuging, den seinerzeitigen SPD-Vorsitzenden und Vizekanzler - da hätte es geschehen können. Und Gabriel wäre heute, möglicherweise, mit dieser anderen Mehrheit Bundeskanzler. Das ist vorbei.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht eine solche Koalition dennoch als Option. Malu Dreyer, eine von drei Interimsvorsitzenden, SPD-Vize Ralf Stegner, Klingbeil, immer mehr Spitzenpolitiker der SPD äußern sich positiv über ein Bündnis mit Grünen und Linken. Machen Avancen. Dienen sich geradezu an. Wie anders die Zeiten geworden sind.

Die Genossen reden, als wäre es ihre letzte Hoffnung. Dabei ist es doch keine. Die Sozialdemokraten sind länger schon zu schwach, die Grünen zu stark, die Linken zu wenig berechenbar. Und die SPD, die sich immer noch als Volkspartei sieht, müsste unter einem grünen Kanzler dienen. Denn das wäre das Ergebnis von Neuwahlen; anders als vor Jahren ist ein Wechsel in der Legislaturperiode keine Option mehr.

Grün-Rot-Rot also - es würde, wenn überhaupt, dann knapp. Und die SPD höchstens wieder Juniorpartner, auch diesmal von Parteien, die sich nicht mehr zwangsläufig grün sind. Das finden Dreyer und Klingbeil und Stegner verlockend? Desorientiert, fast verzweifelt, wirkt diese älteste aller Parteien, die immer so stolz auf ein zu allen Zeiten sicheres politisches Urteil war.

Wenn die SPD sich doch nur an diesen guten alten Rat halten wollte: Politik beginnt mit dem Betrachten der Realität. Das hat Kurt Schumacher gesagt, immerhin SPD-Vorsitzender, der erste nach 1945. Die Realität, heute: Nicht nur die Kandidatensuche für den Parteivorsitz ist eine Farce, die umgehend beendet werden muss - der gesamte Umgang mit der Lage ist es.

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