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Der Wahlkreis in Schleswig-Holstein ist das deutsche Wahl-Orakel. Foto: Imago
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Richtige Vorhersagen seit 68 Jahren Was sagt das Orakel von Pinneberg zur Kanzlerfrage?

Wer im Wahlkreis Pinneberg das Direktmandat holt, stellt den Kanzler. Für wen sieht es demnach gut aus? Und wer schafft es nicht einmal direkt in den Bundestag?


Pinneberg weiß immer, wer Bundeskanzler wird. Der Wahlkreis in Schleswig-Holstein ist das deutsche Wahl-Orakel. Die Partei, die in Pinneberg das Direktmandat holt, war in den vergangenen 68 Jahren immer die Partei, die am Ende den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin gestellt hat.

Die CDU, die in den vergangenen Jahren immer das Direktmandat für sich gewinnen konnte, erlebte in Pinneberg ein Desaster. Direktkandidat Michael von Abercron, der 2017 noch die Nase vorn hatte, holte 13,6 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Bundestagswahl. Ähnlich wie im Bund, in dem die CDU historisch schlechte Umfragewerte erzielte. Viel besser sieht es in Pinneberg für die SPD aus: sie gewann im Wahlkreis bei den Erst- und Zweitstimmen. Ralf Stegner, der frühere schleswig-
holsteinische SPD-Landesvorsitzende, Minister und Fraktionschef zieht damit zum ersten Mal für die SPD in den Bundestag ein.

„Wer den Wahlkreis gewinnt, dessen Partei erobert auch das Kanzleramt“, sagte Stegner vor dem Wahltag. Das solle auch 2021 mit Olaf Scholz als Kanzler gelingen. „Also will und muss ich den Wahlkreis gewinnen.“ Am Tag nach der Wahl schrieb Stegner auf Twitter: „Wie seit 1953 immer gilt auch 2021: Wer Direktmandat im Wahlkreis Pinneberg holt, dessen Partei stellt den Kanzler oder Kanzlerin. Pinneberg hat einmal mehr geliefert - zuverlässig wie seit fast 70 Jahren. Pinnebergerinnen+Pinneberger sind schlau: Olaf Scholz muss Kanzler werden!“

Ein Blick zurück in die Geschichte des Wahlorakels

Ausgerechnet der Parteilinke macht Scholz also Hoffnung für den Koalitionspoker. Seine persönliche Vorhersage vor einiger Zeit, mit Scholz an der Spitze würde es nicht reichen, stimmte dagegen nicht.

Ein Blick zurück in die Geschichte des Wahlorakels: 1953: in Pinneberg holt Wilhelm Goldhagen für die CDU das Direktmandat, Konrad Adenauer (CDU) bleibt Bundeskanzler. 1969 liegt die SPD bei der Bundestagswahl nur auf Platz zwei hinter der Union. Trotzdem stellt sie mit Willy Brandt den Kanzler. Und Pinneberg? Hat es vorausgesagt.

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Hier holte Hans-Ulrich Brand von der SPD das Direktmandat. Ähnlich 1976. Die SPD wird bei der Bundestagswahl nur zweitstärkste Kraft nach der Union, aber Helmut Schmidt bleibt Kanzler. In Pinneberg holt Reinhard Ueberhorst für die SPD das Direktmandat. Die vergangenen 16 Jahre waren dann eher unspektakulär. Die CDU gewann bei jeder Wahl das Direktmandat, seit 2005 mit Ole Schröder, 2017 dann durch Michael von Abercron. Merkel blieb Kanzlerin.

Nun, wo Merkel geht, muss sich auch Pinneberg neu sortieren.

Der Norden rot, der Süden Schwarz mit etwas Grün

Auch in vielen anderen Wahlkreisen kam es durch den Absturz der Union zu überraschenden Ergebnissen. Der Norden rot, der Osten mit viel AfD-blau, der Süden Schwarz mit etwas Grün, der Westen gemischt – die Karte mit den 299 Wahlkreisen zeigt ein sehr diverses Bild, vor allem die CDU verliert wichtige Köpfe wie den Außenpolitiker Jürgen Hardt. Die Bundesminister Julia Klöckner (gegen Joe Weingarten, SPD), Peter Altmaier (gegen Außenminister Heiko Maas), und Annegret Kramp-Karrenbauer (gegen Josephine Ortleb, SPD), verloren ihre Wahlkreise. Auch Kanzleramtschef Helge Braun (gegen Felix Döring, SPD) und Nachwuchshoffnung Philipp Amthor (hier gewann Erik von Malottki, SPD) verloren im Rennen um ein Direktmandat, alle konnten aber über die Landesliste einziehen.

CDU-Vorstandsmitglied Serap Güler konnte nach ihrer Niederlage in Köln/Leverkusen gegen Karl Lauterbach über die Landesliste erstmals in den Bundestag einziehen – Hans-Georg Maaßen wird dagegen nicht dem neuen Bundestag angehören, nach seiner Niederlage gegen SPD-Kandidat Frank Ullrich. Eine kleine Sensation gelang der 27-jährigen Anna Kassautzki von der SPD, die der seit 1990 von Kanzlerin Angela Merkel immer direkt gewonnen Wahlkreis Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I holte und dabei den CDU-Kandidaten Georg Günther schlagen konnte.

Bei der SPD schafften neben Parteivize Kevin Kühnert viele Jusos den Sprung in das Parlament, auch Juso-Chefin Jessica Rosenthal oder die Aachnerin Ye-One Rhie, die koreanischeWurzeln hat. Für die bayerischen Grünen zieht die Transgender-Frau Tessa (Markus) Ganserer ein. Für die bayerischen Grünen zieht die trans Frau Tessa Ganserer ein, aus NRW die trans Frau Nyke Slawik. Dutzende Abgeordnete sind zudem unter 30. Die jüngste Abgeordnete wird Emilia „Milla“ Fester von den Grünen sein, die Hamburgerin ist 23 Jahre alt.

Der Dienstälteste bleibt Wolfgang Schäuble (79), er ist seit 1972 Mitglied des Deutschen Bundestags – wegen der Niederlage der Union wird er aber das Amts des Bundestagspräsidenten wohl verlieren. Der älteste Abgeordnete mit 80 Jahren wird dann der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland sein.

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