Traurig und wütend. Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: imago images/penofoto
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Reaktionen auf die Tat von Halle "Traurig und wütend"

Der Angriff auf die Synagoge von Halle hat in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. Auch international kam es zu Protestbekundungen.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat die tödlichen Schüsse von Halle scharf verurteilt und den Angehörigen ihr Mitgefühl ausgesprochen. „Sollten sich die bisherigen Informationen bestätigen, dann galt der Angriff der jüdischen Synagoge“, sagte Kramp-Karrenbauer dem „Tagesspiegel“. „Ein solcher Angriff am höchsten jüdischen Feiertag ist ein Alarmzeichen, das niemanden in Deutschland unberührt lassen kann.“
Die Tat von Halle und alles was bisher bekannt sei, mache sie traurig und wütend. „Traurig und wütend, weil zwei Menschen sinnlos getötet worden sind und ihnen und ihren Familien gilt unser tiefes Mitgefühl.“ Bevor über politische Maßnahmen gesprochen werden könne, müssten die Tat und die Hintergründe zu möglichen Hintermännern aufgeklärt werden.

Deutschlandweit und auch international gab es zahlreiche Reaktionen. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat zu Solidarität mit den jüdischen Gemeinden aufgerufen. "Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer und den jüdischen Gemeinden überall in Deutschland, die ihren höchsten Feiertag nun in Angst erleben müssen", sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Vorfall vor der Synagoge zeige auch, "wie wichtig die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in Deutschland sind".

Der Regierungsbeauftragte betonte, Staat und Gesellschaft müssten "den jüdischen Gemeinden jetzt durch entschlossenes Handeln Solidarität demonstrieren". Es müsse klar sein: "Das ist ein Anschlag auf uns alle. Und das jüdische Leben gehört zu Deutschland."

Kirchenvertreter äußern Entsetzen

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat sich erschüttert geäußert. „Ganz klar ist, dass auch die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes jüdischen Glaubens sicher sein können, dass wir mit unserem ganzen Herzen bei ihnen sind und dass wir ihnen die ganze Solidarität übermitteln, die uns überhaupt möglich ist“, sagte Scholz am Mittwoch in Luxemburg vor Journalisten. „Das ist etwas, was jeden in Deutschland bedrücken muss.“ Es sei daher gut und wichtig, dass die Polizei alles unternehme, um die Tat aufzuklären, sagte Scholz weiter.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die Attacke von Halle scharf verurteilt. „Dass am Versöhnungsfest Jom Kippur auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz“, schreibt er auf Twitter. „Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat nach den tödlichen Schüssen in Halle sein Mitgefühl ausgesprochen. „Unsere Gedanken sind so kurz nach dem schrecklichen Geschehen zuallererst bei den beiden ums Leben gekommenen Menschen und ihren Angehörigen“, sagte Müller am Mittwoch. Angesichts des hohen jüdischen Feiertages und des Tatorts lägen nun „schlimmste Befürchtungen nahe“.

Zunächst gelte es jedoch, eine Beruhigung der Lage und die Ergebnisse der Ermittlungen der Sicherheitsbehörden auf Bundesebene abzuwarten. „Unsere Berliner Behörden treffen die in unserer Stadt notwendigen Maßnahmen“, betonte Müller.

Kirchenvertreter haben Entsetzen und Trauer geäußert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die Attacke von Halle scharf verurteilt. „Ich bin entsetzt und erschüttert über den feigen Anschlag“, erklärte er am Mittwoch in Bonn. Die Täter hätten offensichtlich gezielt die Synagoge von Halle ausgesucht, um am höchsten jüdischen Feiertag Blut zu vergießen.

„Wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Antisemitismus oder gar blinde Gewalt dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben“, sagte der Kardinal. „Wir sind den Juden in unserem Land, unseren Schwestern und Brüdern, gerade in diesen Stunden eng im Gebet verbunden.“

„Die Attacke auf die Synagoge in Halle ist abscheulich und unerträglich“, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, am Mittwoch in Magdeburg. Sein katholischer Amtskollege Gerhard Feige übermittelte von einer Konferenz in Bosnien-Herzegowina Bestürzung: „Es ist eine menschliche Katastrophe, dass Juden in Deutschland nicht in Frieden leben und den Versöhnungstag Jom Kippur feiern können.“

Auch wenn die Sachlage derzeit noch nicht geklärt sei, ließen die Aussagen der Polizei „schlimmes befürchten“, erklärte Feige. Die Katholiken seines Bistums trauerten mit den jüdischen Nachbarn. Der evangelische Bischof Kramer sagte, alle Menschen guten und friedlichen Willens seien aufgerufen, „einem Klima des Hasses und jeglicher Gewalt entgegenzutreten“.

UN-Generalsekretär Guterres ruft zum Kampf gegen Judenhass auf

UN-Generalsekretär António Guterres hat den Angriff scharf verurteilt. Die Attacke auf eine Synagoge am jüdischen Feiertag Yom Kippur sei ein weiterer tragischer Akt des Antisemitismus, erklärte Guterres am Mittwoch in New York. Der Generalsekretär rief zum entschlossenen Kampf gegen Judenhass auf. Er übermittelte seine Anteilnahme den Familien der Opfer, der Bundesregierung und allen Deutschen.

Auch die US-Botschaft in Berlin hat den Angriff "aufs Schärfste" verurteilt. Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur "kommen Menschen in Gotteshäusern zusammen, um über das vergangene Jahr nachzudenken", erklärte die Botschaft am Mittwoch. "Der heutige Anschlag war ein Angriff gegen uns alle, und die Täter müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden." Weiter hieß es: "Wir trauern um die Opfer dieses sinnlosen Gewaltakts."

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich schockiert geäußert. Es seien „entsetzliche Nachrichten über zwei Tote und einen Angriff auf eine Synagoge in Halle - heute an #JomKippur“, teilte Van der Bellen über Twitter mit. Sein Mitgefühl sei bei den Opfern, ihren Angehörigen und ihren Freundinnen und Freunden. „Wir müssen alles tun, damit Jüdinnen und Juden in Sicherheit leben können“, betonte der Bundespräsident. (Tsp/dpa/AFP/epd)

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