Joachim Herrmann (CSU), Innenminister von Bayern, wertet Ausländer ab. Dennoch gibt es wenig Rassimus-Vorwürfe. Foto: Peter Kneffel / dpa
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Rassismus in Deutschland Tönnies lässt einen Pups, Herrmann versprüht Giftgas

Clemens Tönnies hat zurecht den Platzverweis erhalten. Noch schlimmer ist Bayerns Innenminister, der Ausländer pauschal zu Kriminellen stempelt. Ein Kommentar.

Der Fußballfabrikant Und Fleischfunktionär Clemens Tönnies hat für seine Bemerkungen über Afrikaner, die, sobald es dunkel wird, Kinder produzierten, zurecht einen Platzverweis erhalten. Allerdings muss man fragen, ob der Vorwurf „Rassismus“ berechtigt ist. Nicht jeder Pups ist eine Giftgaswolke. Rassismus galt mal als Vorstufe zum Holocaust. Mittlerweile ist die Diagnose inflationär. Wenn alle Rassisten sein sollen, freut es die, die es wirklich sind. Sie fühlen sich dann als Teil einer Masse. Es stärkt sie.

Zudem verstellt das scharfe Verdikt den Blick auf Wesentliches. Ein Beispiel dafür liefert der Umgang mit dieser Aussage des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) über Migranten: „Jetzt kommen unübersehbar Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in deren Heimat die Gewaltlosigkeit, wie wir sie pflegen, noch nicht so selbstverständlich ist“. Aha. Fremde kommen zu uns, die gewalttätig sind, weil dies zu ihrer Kultur gehört. Die dazulernen müssen, um unsere Entwicklungsstufe zu erreichen. Es kommen Rückständige, die uns prügeln.

Herrmann blieb verschont

Wenn das kein Rassismus ist, was dann? Herrmann blieb einigermaßen verschont. Dabei hat er Menschen anderer Ethnien durch seine Worte vermutlich stärker abgewertet als Tönnies. Der hält anderen vor, zu viele Kinder zu zeugen. Herrmann wirft ihnen jedoch pauschal vor, schlechte Menschen zu sein.
Bei Tönnies war Kritik am Ton angebracht. Hermann verdient sie in der Sache. Zwar trifft es zu, dass Flüchtlinge und Migranten häufiger kriminell werden. Doch das hat viele Gründe. Ein paar davon: Es kommen überwiegend junge Männer, die ohnehin eher zu Gewalt neigen als Ältere und Frauen. Sie befinden sich, ohne Arbeit und mit viel Langeweile, in Lebenssituationen, die Straftaten begünstigen. Nicht zuletzt: Weil dies alles so ist, werden sie von der Polizei auch schneller verdächtigt, was sich wiederum in der Statistik niederschlägt.

Wer ist gewalttätiger? Asiaten oder Afrikaner?

Ein bedeutender Zusammenhang zwischen Kultur/Ethnie und Kriminalität ist nicht erwiesen. Herrmann hätte nur einen Blick in den aktuellen Lagebericht des Bundeskriminalamts zu Migrantenstraftaten werfen müssen. So fallen etwa Menschen aus dem kriegsgeschüttelten Afghanistan seltener auf als aus den Maghreb-Staaten. Prügeln sie in Afghanistan weniger als in Marokko? Welches Land, welcher Kontinent hat mehr von Herrmanns zurückgebliebener Gewalt-Kultur? Asien oder Afrika?

Eine Ursache könnte sein, dass Migranten aus Nordafrika, anders als aus Bürgerkriegsländern, schlechte Bleibeperspektiven haben. Mit eindeutigen Erklärungen tut sich die Kriminologie schwer. Doch eine Einsicht ist stabil: Dass Herkunft an sich nichts ist, das zu Kriminalität führt. In der Klimadebatte ist Wissenschaft das Maß der Dinge. In der Diskussion um Kriminalität zählt sie: nichts.

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