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Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), rechts, enthüllt den Schriftzug "Wir". Potsdam ist dieses Jahr Gastgeber der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
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Political Animal Uns geht’s doch gold

Andere Länder hätten gern Deutschlands Probleme – Gedanken zur Einheit. Ein Kommentar.

Heimat – der Ort, wo noch niemand war. Sagte, beziehungsweise schrieb, Ernst Bloch. Bei 30 Jahre Deutsche Einheit kann einem diese Idee, dass wir Heimat gemeinsam schaffen sollten, schon kommen, oder?

Behaust zu sein bezieht sich nicht nur auf Stein. Es geht eigentlich doch viel mehr um Gedankengebäude, recht betrachtet. Schon gar, wer Rechts betrachtet. Will sagen: Wer etwas auf sich hält, der überlässt den Begriff und wie er zu füllen ist nicht den Rechten.

„Wir sind das Volk“ – das hatte seinerzeit nichts Tümelndes, und so muss es sein. Das Glücksgefühl hatte auch damit zu tun, dass die Deutschen – die sich nach Nietzsche ja immer fragen, wer sie sind – ganz beieinander waren. Ost und West waren Himmelsrichtungen, keine Zuweisungen oder Zuschreibungen von irgendwas. Und der Ruf war ohne Attitüde. So muss es bleiben!

„Wir sind ein Volk“

„Wir sind ein Volk“, dieser Ruf, der dann folgte, also wir als ein einig Volk, war auch nicht bloß einer nach der D-Mark. Wir müssen uns nur daran erinnern (wollen). Über Studien hinweg, die uns sagen, dass mehr als 30 Prozent in West- wie in Ostdeutschland der Auffassung sind, Ostdeutsche seien noch nicht richtig im heutigen Deutschland angekommen. Was umgekehrt auch so gedeutet werden kann: Die Mehrheit denkt das schon.

Ja, es mag sein, dass das jetzt manchen zu gewollt positiv gedacht ist. Aber auf positivem Denken lässt sich besser aufbauen. Die Mauer in den Köpfen … Dass die wegmuss, ist immer noch der überwölbende Auftrag. Sie zu übersteigen, kann aber häufiger gelingen: allen, die bundesdeutsche Realität anerkennen. Selbst in diesen Corona-Zeiten geht es uns doch gold in diesem Land, in jedem Fall im Vergleich, ob europa- oder weltweit.

Plakat am Haus des Lehrers, das im vergangenen Jahr an den Mauerfall und die Demonstration am Alex erinnerte. Foto: imago/Ulli Winkler Vergrößern
Plakat am Haus des Lehrers, das im vergangenen Jahr an den Mauerfall und die Demonstration am Alex erinnerte. © imago/Ulli Winkler

Unsere Probleme hätten viele gerne. Eine stabile Wirtschaft, ein starkes Sozialsystem, eine Demokratie, die nicht infrage steht; dazu die Bereitschaft zur Selbstvergewisserung und zur Verbesserung bestehender Verhältnisse bis ins Detail.

Man schaue sich nur mal die Anstrengungen in der Koalition an. Die ist, aufs Ergebnis gesehen, nicht nur groß im Kleinen.

Neue Gründerzeit

Kein Anlass für Resignation, keiner für Ohnmachtsbekundungen zum Teil radikaler Art. Keiner außerdem für einen Rückzug in überkommene deutsche Innerlichkeit, dagegen aller Anlass für einen Aufbruch. Die Rede von der neuen Gründerzeit, übrigens von einer ostdeutschen Kanzlerin, kann die Agenda für mehr als ein Jubeljahr sein.

Nennen wir sie darum: Agenda 2030. Bis dahin werden sich Teilhabe und Repräsentation in der sich beständig wandelnden Bundesrepublik weiter geändert haben. Unser Land, ein Land, „und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir’s. Und das liebste mag’s uns scheinen so wie andern Völkern ihrs“. Schrieb Bertolt Brecht. Zu Recht.

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