In Geschäften sind Masken noch überall Pflicht. Felix Kästle/dpa
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Politbarometer zum Coronavirus Fast 90 Prozent wollen Maskenpflicht im Handel beibehalten

Sollen Mund und Nase beim Einkauf weiter bedeckt werden müssen? Die Deutschen haben eine klare Meinung. Und ein Politiker profitiert von der Pandemie besonders.

Viele empfinden die Schutzmaske als nervig, auch Wissenschaftler sind sich über Sinn und Nutzen nicht einig. Die Bundesbürger haben in der Debatte um die Maskenpflicht aber dennoch eine klare Meinung, wie das aktuelle Politbarometer von ZDF und Tagesspiegel zeigt: 87 Prozent aller Befragten finden es richtig, dass es weiterhin eine Maskenpflicht beim Einkaufen gibt. Nur zwölf Prozent finden das nicht richtig. Bei Anhängern der Union, SPD, Linken und Grünen liegen die Zustimmungswerte bei weit über 80 Prozent. Lediglich bei AfD-Symphatisanten (58) und FDP-Wählern (72) liegen die Zahlen niedriger.

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Generell sind 73 Prozent der Meinung, dass die vorgeschriebenen Mund-Nase-Bedeckungen sehr viel oder viel helfen, wenn es darum geht, die Verbreitung von Coronaviren zu verringern. 26 Prozent erwarten davon nicht so viel oder überhaupt nichts.

Eine Aufhebung der Maskenpflicht hatte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe angesichts sehr niedriger Infektionszahlen für sein Land angeregt. Der Vorstoß wurde fast ausschließlich ablehnend kommentiert. Die 16 Gesundheitsminister der Länder einigten sich am Montag darauf, die Maskenpflicht nicht aufzuheben.

Unter anderem der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologie Karl-Lauterbach hatte den Plan, die Maskenpflicht im Handel aufzuheben, harsch attackiert. „Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus. Es wäre das völlig falsche Signal, diese Pflicht jetzt schon wieder aufzuheben“, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Schafft eine Landesregierung die Maskenpflicht ab, experimentiert sie mit der Gesundheit der Menschen und erhöht das Risiko für eine zweite Infektionswelle.“

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit kritisierte Lauterbach am Donnerstag dafür. Masken hätten nur dort Sinn, wo Menschen auf engem Raum längere Zeit zusammen seien. „Wenn ich den Zugang so regele, dass entsprechend wenig Leute im Geschäft sind, die die Abstände dann einhalten, ist eine Maske auch nicht sinnvoll“, sagte Schmidt-Chanasit dem „Hamburger Abendblatt“.

Schmierinfektionen, vor denen Lauterbach warne, seien auch nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung keine große Gefahr. „Solche Äußerungen führen zu einer Dauer-Aufgeregtheit und können zu einer Corona-Müdigkeit führen. Und das ist hochgefährlich“, meinte Schmidt-Chanasit.

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Das Politbarometer zeigt allerdings, dass von einer weit verbreiteten Pandemie-Müdigkeit in Deutschland noch nicht die Rede sein kann. Für 64 Prozent aller Befragten ist Corona weiterhin das wichtigste politische Problem. Danach kommt mit weitem Abstand die ökonomische Lage im Land (17 Prozent). Und dies, obwohl trotz immer wieder lokal aufflackernder Infektionsherde nur 40 Prozent der Befragten ihre Gesundheit durch das Coronavirus gefährdet sehen. 60 Prozent machen sich diesbezüglich keine Sorgen. Allerdings befürchten 69 Prozent, dass die Reisen jetzt im Sommer wieder zu deutlich höheren Infektionszahlen in Deutschland führen werden, 28 Prozent glauben das nicht.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kommt derzeit gut an. Foto: Sven Hoppe/dpa Vergrößern
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kommt derzeit gut an. © Sven Hoppe/dpa

Die Pandemie hat auch das Urteil über die Fähigkeit verschiedener Politiker, das Amt des Bundeskanzlers auszufüllen, deutlich stark verändert. Profitiert hat davon vor allem der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder. Waren im März nur 30 Prozent aller Befragten der Meinung, dass sich der Bayer für das Amt des Bundeskanzlers eignet (51 Prozent sahen das nicht so), so führt er inzwischen das Ranking klar an: Jetzt sagen 64 Prozent aller Befragten und 78 Prozent der Unions-Anhänger, dass Söder das Zeug zum Bundeskanzler hat, während 27 Prozent (Unions-Anhänger: 17 Prozent) die Auffassung vertreten, dass er sich dafür nicht eignet.

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Nach Söder wird mit 48 Prozent am ehesten noch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) attestiert, für das Kanzleramt geeignet zu sein, 42 Prozent sehen das nicht so. Allen anderen abgefragten Politikern wird mit klarer Mehrheit eine Eignung für das Kanzleramt abgesprochen: den Kandidaten für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz (ja: 31 Prozent; nein: 55 Prozent), Armin Laschet (ja: 19 Prozent; nein: 64 Prozent) und Norbert Röttgen (ja: 14 Prozent; nein: 59 Prozent) und auch den Grünen-Chefs Robert Habeck (ja: 29 Prozent; nein: 54 Prozent) und Annalena Baerbock (ja: 17 Prozent; nein: 65 Prozent).

Wie gut Söder derzeit ankommt, zeigt sich auch, wenn es um die Beurteilung nach Sympathie und Leistung der zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker geht. Bei der Frage („Was halten Sie von?“), liegt Kanzlerin Angela Merkel weiter unangefochten auf Platz eins. Auf der Skala von +5 bis -5 erhält sie einen Durchschnittswert von 2,7 (Juni II: 2,6). Aber dann folgen Söder mit 2,0 (Juni II: 1,9) und Scholz mit ebenfalls 2,0 (Juni II: 1,8).

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, gäbe es im Vergleich zu Ende Juni nur geringfügige Veränderungen: Die Union käme auf 39 Prozent (minus eins), die SPD auf 15 Prozent, die AfD auf neun Prozent, die FDP auf fünf Prozent, die Linke auf sieben Prozent (alle unverändert) und die Grünen auf 20 Prozent (plus eins). Die anderen Parteien zusammen lägen bei fünf Prozent (unverändert). Damit hätte eine Koalition aus CDU/CSU und Grünen ebenso eine Mehrheit wie eine aus CDU/CSU und SPD.

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