Futuristisch: Blick in Pekings neuen Flughafen Daxing Foto: AFP/STR
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Pekings neuer Flughafen Daxing Vier Jahre Bauzeit, 100 Millionen Passagiere

Ning Wang

China verdoppelt die Zahl seiner Flughäfen, in Peking eröffnet ein Mega-Airport. Warum ging der Bau so schnell? Und was bedeutet das fürs Klima?

Im Spätsommer 2015 haben die Bauern in dem rund 50 Kilometer südlich von Peking gelegenen Ligezhuang noch ihre Felder abgeerntet, am gestrigen Mittwoch um 16.22 Uhr donnerte dort ein Airbus A380 der Fluglinie China Southern Airlines über eine neu angelegte Betonpiste. Innerhalb von nur vier Jahren haben die chinesische und die Pekinger Regierung mit Peking-Daxing (PKX) einen Flughafen der Superlative aus dem Boden gestampft. Eine Diskussion darüber, was die Eröffnung dieses neuen Flughafens für das Klima bedeutet, findet in der chinesischen Öffentlichkeit kaum statt.

Was macht den Flughafen so besonders?

Der Flughafen ragt nicht nur mit seiner kurzen Bauzeit und seiner aufsehenerregenden Architektur heraus – er ist geplant von der 2016 verstorbenen Architektin Zaha Hadid und sieht aus wie ein vergoldeter überdimensionaler Seestern. Vor allem beeindruckt er durch seine Größe. Der weltgrößte Terminal überspannt eine Fläche von 700.000 Quadratmetern, verspricht aber dennoch kurze Fußwege.

45 Millionen Passagiere sollen in Peking-Daxing bis 2021 jährlich abgefertigt werden, später soll die Zahl auf 100 Millionen Passagiere steigen. Das ist auch deshalb so bemerkenswert, weil zu dieser Kapazität noch der Flughafen Peking Capital Airport im Osten der Stadt hinzukommt. Dort werden schon heute jährlich 100 Millionen Passagiere durchgeschleust. Nur der Flughafen in Atlanta fertigt mit 107 Millionen Passagieren (2018) weltweit noch mehr Menschen ab; Frankfurt meldet „nur“ 69 Millionen.

Eine 160 Stundenkilometer schnelle Express-Bahn verbindet den Süden Pekings mit dem neuen Terminal, die Fahrt dauert 19 Minuten. Der Flughafen liegt an der Grenze zur Provinz Hebei und ist Teil der Metropolenregion Jing-Jin-Ji (Peking-Tianjin-Hebei). Der Boardingvorgang wird papierlos durch Gesichtserkennungstechnologie abgewickelt, vom Terminal bis zum Einstieg soll diese Technologie das Einchecken schneller machen. Um den Flughafen herum soll ein neues Technologie- und Start-Up-Zentrum entstehen.

Warum ging der Bau so schnell?

China hat Erfahrung mit Großprojekten, auch dauerte der Landerwerb für das fast 47 Quadratkilometer große Flughafengelände in dem autoritär regierten Land kürzer als in Demokratien. Elf Dörfer sind nach Informationen der „New York Times“ dem Erdboden gleichgemacht worden, in 24 Dörfern mussten Menschen aus Lärmschutzgründen ihre Wohnungen verlassen. Insgesamt wurden 20.000 Chinesen umgesiedelt. „Es gab keine Diskussion“, sagte ein Dorfbewohner der „New York Times“. Die Bewohner erhielten neue Wohnungen, eine Kompensation von zirka 140.000 Euro pro Familie sowie Zahlungen von 275 Euro pro Monat, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Viele Bauern verloren mit dem Land auch ihre Lebensgrundlage.

Welche Rolle spielt China in der weltweiten Flugindustrie?

In China verzeichnet die Flugindustrie die größten Wachstumsraten. In den nächsten drei Jahren werden die Volksrepublik die USA als größten Markt für Flugreisen überholt haben. Im Jahr 2035, so schreibt „CNN.com“, werden wohl ein Viertel aller Flugpassagiere weltweit in China fliegen. Die Zahl der chinesischen Flughäfen soll bis dahin von derzeit 235 auf 450 angewachsen sein. In den nächsten Jahren will China mit dem heimischen Flugzeughersteller Comac und seinem C919 den etablierten Herstellern Airbus und Boeing Konkurrenz machen.

Ein Grund für die vielen Flughäfen in China ist auch die dominante Rolle des Militärs. Dieses sperrt einen Großteil des Flugraumes über China, weshalb nur sehr enge Korridore der zivilen Luftfahrt zur Verfügung stehen. Bei schlechtem Wetter oder Smog stehen den Piloten kaum Ausweichrouten zur Verfügung, weshalb sie erst gar nicht starten oder landen können. Mehr Flughäfen geben den Piloten mehr Möglichkeiten, direkt die erlaubten zivilen Flugkorridore zu erreichen.

Wird die Klimaschädlichkeit des Fliegens auch in China diskutiert?

China ist laut Transportation Council schon jetzt nach den USA das Land, in dem die meisten CO2-Emissionen durch den Flugverkehr ausgestoßen werden. Doch im Gegensatz zu Europa gibt es in Asien noch keinerlei Anzeichen von „Flugscham“. Vielmehr sind chinesische Manager es gewohnt, innerhalb Chinas von Stadt zu Stadt zu jetten. Bei Flugpreisen von umgerechnet 100 bis 200 Euro für Flüge bis zu 2000 Kilometern (Peking nach Guangzhou) liegt die Hemmschwelle sehr niedrig. Dazu kommt die Masse an Flugpassagieren aus der Mittelschicht, die gerne günstig reisen will.

Auch deshalb verweigert China die Mitarbeit an einer UN-Vereinbarung, die die CO2-Emissionen der Flüge begrenzen soll. „Der Vorschlag würde Entwicklungs- und Schwellenländer auf unfaire Weise bestrafen, weil er die Kosten nach oben treibt“, argumentiert die chinesische Regierung laut „South China Morning Post“. Die zweitgrößte Volkswirtschaft versteht sich weiterhin als Schwellenland. Der kommerzielle Luftverkehr ist für rund 2,5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, doch ohne eine Mitwirkung Chinas könnte die UN-Vereinbarung scheitern. Die „South China Morning Post“ berichtet, dass es in China immerhin Pläne gebe, die Emissionen der Fluggesellschaften zu senken. Sie könnten beispielsweise gezwungen werden, von Umweltprojekten CO2-Kreditpunkte zu kaufen.

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