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Eingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf Foto: imago images/Chris Emil Janßen
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Patienten in Hamburger Klinik infiziert Covid-19 auf der Krebsstation

Am Universitätsklinikum Eppendorf wurden rund 40 Menschen im Bereich der Onkologie positiv auf Covid-19 getestet – darunter Leukämie-Patienten.    

Besonders gefährlich wird eine Coronavirus-Ausbreitung dort, wo das Virus auf geschwächte Menschen trifft – etwa in Altenheimen oder Pflegeeinrichtungen. Nun wurde eine weitere Infektionswelle in einer sensiblen Einrichtung bekannt. Am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) haben sich in den vergangenen Wochen auf deiner Krebsstation etwa 20 Patienten und 20 Mitarbeiter mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

Der erste bekannte Fall sei ein Pfleger gewesen, berichteten Vertreter des UKE bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Eine Häufung auf der entsprechenden Station sei am 5. April spätabends deutlich geworden, mit dem positiven Testergenis von sieben Patienten. 

Diese Patienten, zum Teil mit Leukämieerkrankungen, seien noch an dem Abend vorsorglich auf die Intensivstation verlegt worden, berichtet UKE-Vorstandsmitglied Joachim Prölß, Direktor für Patienten- und Pflegemanagement. "Patienten mit Leukämie und Lymphdrüsenkrebs brauchen eher Beatmung als andere“. 

Erstes öffentliches Fazit zehn Tage später: Drei der rund 20 betroffenen Patienten befinden sich noch auf der Intensivstation, in einem eigenen, extra eingerichteten Bereich für Krebspatienten mit Covid-19. Von diesen drei werde einer noch künstlich beatmet, die beiden anderen bekämen zusätzlichen Sauerstoff, atmeten aber selbstständig. 

15 Patienten seien wieder auf Normalstationen, ebenfalls in einem eigenen Bereich für Krebspatienten.

Acht der Patienten werden mittlerweile wieder onkologisch behandelt, wie Professor Carsten Bokemeyer, Direktor der II. medizinischen Klinik und Poliklinik, berichtet. Für Brokemeyer stecken in der Behandlung dieses Ereignisses einer Covid-Häufung einige Erfolgsgeschichten. 

"Der positivste Verlauf liegt etwas weiter zurück“, berichtet er. Das sei ein Patient gewesen, bei dem gleichzeitig Leukämie und Ovid-19 diagnostiziert worden sei. "Die Leukämie war noch völlig unbehandelt." Nun sei beides unter Kontrolle. 

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Brokemeyer betont: "Die Kombination Covid und Krebs wird noch viel häufiger vorkommen.“ Gerade aufgrund des bei Krebspatienten geschwächten Immunsystems. Es sei wichtig, vorbereitet zu sein. Am UKE habe man sich in der Onkologie seit Mitte März besonders die Daten aus China ansehen. "Wir haben uns immer wieder Gedanken gemacht, welche Therapien macht man eigentlich in einer Pandemie, welche kann man auch mal verschieben?“ 

Gerade für Leukämie-Patienten ist das Risiko bei einer Corona-Infektion hoch: Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) stuft sie als besonders gefährdet ein, sich mit Covid-19 anzustecken und daran schwer zu erkranken. Für Personen mit chronischem Krebs und gut beherrschter Erkrankung gebe es laut DHGO kein erhöhtes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung.

Zu spät kommuniziert? UKE weist Kritik zurück

Kritik an der Kommunikationsstrategie in diesem Zusammenhang weist Prößl zurück. Die Infektionsfälle waren bereits letzte Woche bekannt - zu diesem Zeitpunkt erklärte das UKE noch, dass die Lage in Hamburg "stabil" sei. Die Lage sei tatsächlich stabil gewesen, sagte Prößl nun. "Wir haben erstmal versucht, das Gesehen schnell zu beherrschen. Ich sehe keinen Mangel an Information“, sagte er. Man sei in den ersten Tagen ganz damit beschäftig gewesen, die Situation in den Griff zu bekommen.Das UKE habe das Gesundheitsamt über alle Fälle und auch über die Häufung der Fälle informiert. Vier Tage nach dem ersten positiven Test habe sich das Amt dann auch vor Ort informiert. „Wir haben aus unserer Sicht die Situation gut gemanagt“ so Prölß.Hygienemaßnahmen verstärkt

Man habe die betroffenen Patienten sofort isoliert und die betroffenen Mitarbeiter nach Hause geschickt. Zudem seien alle Patienten auch der anderen Krebsstationen - insgesamt etwa 350 - mehrfach auf Corona getestet worden. Hier habe man keine weiteren Fälle diagnostiziert.

Die Hygienemaßnahmen im Krankenhaus seien zudem noch einmal verstärkt worden. Jeder ankommende Patient werde getestet, alle Angestellten noch einmal geschult, vor allem bei der Symptomerkennung - so sei jemand positiv getestet worden, der von sich selbst dachte, er habe nur seinen üblichen Heuschnupfen. Auf Nachfragen habe dieser Mitarbeiter erkannt, dass etwas doch anders war als sonst: Der Geruchssinn sei weggewesen. 

Auf den Krebsstationen arbeite das Personal nun zudem nur noch mit FFP-2-Masken statt mit einfachen Mund-Nase-Masken, um eine mögliche Ansteckungsgefahr noch weiter zu verringern, berichtet Professor Brokemeyer. Außerdem würden Krebspatienten bis auf Weiteres in Einzelzimmern untergebracht.

Professor Johannes K.M. Knobloch, Leiter der Krankenhaushygiene, erklärte zudem, wie die Infektionskette nachverfolgt worden sei: "Wir haben insgesamt weit über 300 Leute identifiziert und gehen streng nach den Vorgaben des RKI vor“. Das heißt, wer als direkte Kontaktperson eingestuft wird, wird obligatorisch getestet, anderen wird der Test auf freiwilliger Basis angeboten.“

 

Die Virologie des UKE untersuche nun, ob die Fälle tatsächlich alle von einer einzigen Person ausgingen, oder ob es verschiedene Übertragungsfälle sind. "Das werden die Sequenzierungsansalyen in zwei bis drei Wochen ergeben."

Ende Februar war der erste Corona-Fall am UKE bekannt geworden. Ein Arzt der Kinderklinik wurde positiv auf das Virus getestet. Es handelte sich um den ersten bestätigten Corona-Fall in Hamburg. Derzeit werden laut UKE dort 50 Covid-Patienten behandelt, davon 23 auf der Intensivstation.

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