Friedrich Merz bei seinem Auftritt in der Bundespressekonferenz vor einer Woche, als er seine Kandidatur erklärte. Foto: imago/Reiner Zensen
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Parteienforscher zu Durchsuchung bei Blackrock „Merz ist schwer angeschlagen“

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Nach den Durchsuchungen bei Blackrock sieht der Parteienforscher Elmar Wiesendahl einen enormen Image-Schaden für Friedrich Merz.

Friedrich Merz, Aufsichtsratsvorsitzender des Blackrock-Konzerns in Deutschland, will CDU-Vorsitzender werden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Blackrock wegen „Cum-Ex“-Geschäften. Wie gefährlich ist das für Merz’ Kandidatur?

Für ihn ist der Image-Schaden enorm. Die ganze Sache lässt ihn als Mann des Finanzkapitals erscheinen, als Vertreter der gierigen Finanzindustrie, und nicht – wie es für einen CDU-Vorsitzenden wichtig wäre – als Wirtschaftsfachmann. Merz ist schwer angeschlagen.

Auch dann, wenn nichts dran ist an den Vorwürfen?

Ja, auch dann. Er hat erst 2016 den Aufsichtsratsposten bei Blackrock übernommen. Dennoch wird er sich der Debatte über die „Cum-Ex“-Geschäfte nicht entziehen können. Der Bundesparteitag der CDU ist schon in wenigen Wochen. So schnell wird Merz das Thema nicht los. Er ist das Opfer von Entwicklungen, die er nicht steuern kann. Es kann zwei Jahre dauern, bis die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen abgeschlossen hat. Bis dahin steht Merz’ Integrität in Zweifel. Da kann er sich auch nicht mit einer Ehrenerklärung aus der Affäre ziehen. So kurz vor dem Parteitag hat er aber auch einfach Pech mit dem Timing.

Werden seine Unterstützer in der CDU jetzt von Merz abrücken?

Die Vorbehalte gegen ihn wachsen. Das heißt nicht zwingend, dass Jens Spahn das Rennen macht. Die CDU wird sich fragen: Wer von den Kandidaten ist solide und bleibt im gewohnten Rahmen der Partei?

Elmar Wiesendahl (73) ist Politikwissenschaftler und Parteienforscher. Seit 2010 leitet er als Geschäftsführer und Gesellschafter die Agentur für Politische Strategie in Hamburg. Foto: picture alliance/dpa/Ulrich Perrey
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Also profitiert Annegret Kramp-Karrenbauer?

So ist es.

Von „Cum-Ex“-Geschäften hat sich Merz distanziert und bei Blackrock totale Transparenz angeordnet. Nützt ihm das noch?

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Das sind alles Rettungsmanöver, die den Image-Schaden nicht wettmachen können. Das kann auch gegen ihn gewendet werden, sodass es am Schluss heißt: Merz geht in die Defensive.

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