Malgorzata Kidawa-Blonska. Foto: Wojtek Radwanski/AFP
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Parlamentswahl in Polen Abkehr von den grimmigen Männern

Kurz vor der Wahl verzichtet Polens unpopulärer Oppositionsführer Schetyna auf die Spitzenkandidatur und nominiert eine umgängliche Frau. Ein Kommentar.

Die parteipolitische Auseinandersetzung in Polen wird seit Jahren härter und polemischer. Die Parteiführer haben aber offenbar ein Gefühl dafür bewahrt, dass die Spaltung der Gesellschaft vielen Wählern missfällt. Diese hilft lediglich, die eigene Basis zu binden und zur Stimmabgabe zu motivieren.

Sechs Wochen vor der Parlamentswahl am 13. Oktober überrascht Polens Oppositionsführer Grzegorz Schetyna mit dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur. Regierungschefin soll Malgorzata Kidawa-Blonska werden, falls die "Koalicja Obywatelska" (KO, Bürger-Koalition) die Wahl gegen die regierende PiS gewinnt, verkündete er in Breslau. Die 62-jährige Soziologin ist stellvertretende Parlamentspräsidentin und tritt verbindlicher und freundlicher auf als der kantige Schetyna.

Die Opposition kopiert die Erfolgsstrategie der PiS

Ein Blick in die aktuellen Umfragen dürfte den Schwenk befördert haben: Die nationalpopulistische PiS liegt mit 46 Prozent weit vor dem Oppositionsbündnis KO (29 Prozent) und der Linken (11 Prozent). Es gilt als wahrscheinlich, dass die PiS die Wahl gewinnt und ihre absolute Mehrheit im Parlament verteidigt. Entsprechend selbstbewusst tritt sie gegenüber der EU und Deutschland auf.

Schetyna folgt damit dem Beispiel des PiS-Parteichefs Jaroslaw Kaczynski. Er war 2015 weder als Präsidentschaftskandidat noch als potenzieller Regierungschef vor die Wähler getreten, sondern hatte Andrzej Duda und Beata Schydlo als freundliche Gesichter auf den Wahlplakaten vorgeschickt. Mit Erfolg: Die PiS gewann im Frühjahr 2015 überraschend die Präsidentschaftswahl und im Zuge dieser Dynamik auch die Parlamentswahl im Herbst 2015. Kaczynski wusste, dass die eigene Partei seine Autorität anerkennt und ihm loyal folgt, die breitere Wählerschaft aber Vorbehalte gegen seinen aggressiven Ton hat. Auch 2019 bleibt er im Hintergrund.

Ihre Urgroßväter waren Staatspräsident und Premier

Nun wendet sich auch die Opposition von ihrem grimmigen Frontmann Schetyna als Spitzenkandidaten ab. Die PiS hat noch nicht entschieden, ob Premierminister Mateusz Morawiecki sein Amt nach der Wahl 2019 behalten soll.

Kidawa-Blonska arbeitete viele Jahre als Filmregisseurin und Produzentin. Sie ist mit dem Regisseur Jan Kidawa-Blonski verheiratet. 2005 wurde sie in den Sejm gewählt. 2014/15 war sie Pressesprecherin der Regierungschefs Donald Tusk und Ewa Kopacz. Kurz vor dem Regierungswechsel zur PiS wurde sie für einige Monate zur Parlamentspräsidentin gewählt. Das Amt fiel nach dem Wahlsieg der PiS zu, Kidawa-Blonska wurde Vizepräsidentin des Sejm.

Einer ihrer Urgroßväter, Wladyslaw Grabski, war in der Zwischenkriegszeit Regierungschef, ein anderer, Stanislaw Wojciechowski, Staatspräsident.

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