Diese Eiche war am 8. September in Gedenken an Enver Şimşek gepflanzt worden. Am 4. Oktober wurde sie abgesägt. Foto: Stadt Zwickau
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Exklusiv Update Ombudsfrau sieht „Alarmzeichen“ in Zwickau Auch Ersatz des abgesägten Gedenkbaums für NSU-Opfer zerstört

Eine Holzbank mit Inschrift sollte an Stelle des abgesägten Gedenkbaums an die NSU-Opfer erinnern. Nach der zweiten Tat ermittelt der Staatsschutz.

Wenige Tage nach dem Absägen eines Gedenkbaumes für das erste NSU-Opfer im sächsischen Zwickau ist auch ein ersatzweise aufgestelltes Gedenkzeichen zerstört worden. Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich die Tat in der Nacht zum Sonntag zwischen 22 Uhr und 2.30 Uhr.

Es handelt sich um eine Holzbank mit Inschrift zum Gedenken an die NSU-Opfer. Sie war an der Stelle am Schwanenteichgelände aufgestellt worden, an dem zuvor der Baum für Enver Simsek abgesägt worden war. Die Polizei sucht nun nach möglichen Zeugen der Tat. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenenfamilien und Opfer des NSU-Terrors, Barbara John, wertet es als „Alarmzeichen“, dass Unbekannte in Zwickau den Gendenkbaum für Enver Simsek, das erste von zehn Opfern der Neonazi-Terrorzelle, abgesägt haben. „Wir dürfen darüber nicht hinweggehen, das muss uns alle zutiefst beunruhigen“, sagte die frühere Ausländerbeauftragte Berlins dem Tagesspiegel.

Die Tat zeige nicht nur, dass rechtsextreme Kräfte und Netzwerke ein würdiges Gedenken an die NSU-Opfer verhindern wollten. „Die neuen Nazis demonstrieren damit auch, dass sie Mord als Mittel der Politik gutheißen.“ John appellierte an das Land Sachsen und die Stadt Zwickau, „alles zu unternehmen, um aufzuklären, wer hinter der Tat steht“.

Der Baum war erst am 8. September in Zwickau gepflanzt worden. Neun weitere sollten folgen. Zwickaus Stadtsprecher Mathias Merz sagte dem epd, die Stadt müsse „den Schock erst einmal verdauen“. Es sei jetzt offen, ob der Gedenkort wie geplant angelegt werde.

Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hatte die „ruchlose Tat“ angeprangert. Sie zeige, dass manche leider nicht begriffen hätten, „welch menschenverachtende Taten die Terroristen des NSU begangen haben“. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, die Tat sei „schlicht und einfach bestürzend“, müsse scharf verurteilt und aufgeklärt werden. An die Opfer der lange unerkannten Mordserie zu erinnern, sei man den Opfern, ihren Familien sowie dem Kampf gegen Rechtsextremismus schuldig, sagte Seibert.

Die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt - zuletzt in Zwickau. (mit epd)

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