Der ukrainische Regisseur Oleg Senzow bei seinem Prozess vor einem russischen Militärgericht. Foto: AFP PHOTO / SERGEI VENYAVSKY
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Oleg Senzow Ukrainischer Regisseur beginnt Hungerstreik in russischem Straflager

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Er will, dass alle Ukrainer aus russischer Haft entlassen werden. Deshalb trat Oleg Senzov in einem russischen Straflager in den Hungerstreik. Der Beginn seines Protests ist bewusst gewählt.

Der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow ist in einem russischen Straflager in den Hungerstreik getreten. Der 41-Jährige wolle erst dann wieder Nahrung zu sich nehmen, wenn alle ukrainischen Gefangenen aus russischer Haft freikommen, sagte sein Anwalt Dmitri Dinse am Mittwoch zu AFP. Der Hungerstreik habe "politische Gründe" und sei auch mit Blick auf die bevorstehende Fußball-WM in Russland begonnen worden.

Senzow war 2015 in Russland zu 20 Jahren Haft wegen "Terrorismus" verurteilt worden. Er befindet sich derzeit in einem Straflager in Labitnangi im arktischen Norden Russlands. Senzow war nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden. Russland beschuldigte ihn, einer ultranationalistischen ukrainischen Gruppierung anzugehören.

Die Krim war im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland ins eigene Staatsgebiet eingegliedert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sprechen von einer völkerrechtswidrigen Annexion und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Die EU und die USA verhängten wegen der Annexion Sanktionen gegen Moskau.

Poroschenko stellt sich hinter Senzows Forderung

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko stellte sich umgehend hinter die Forderungen des Hungerstreikenden. In einer Twitter-Botschaft rief Poroschenko die internationale Gemeinschaft auf, "Druck auf den Kreml auszuüben, damit die ukrainischen politischen Gefangenen so bald wie möglich zu ihren Familien zurückkehren können".

Die russische Nachrichtenwebseite Mediasona veröffentlichte einen handgeschriebenen Brief, in dem Senzow seinen Hungerstreik ankündigt. Seit dem 14. Mai nehme er keine Nahrung mehr zu sich, schreibt der Filmemacher. Das Schreiben beendete er auf ukrainisch mit den Worten: "Zusammen bis zum Ende! Ruhm der Ukraine!" Senzows Anwalt Dinse schätzt, dass derzeit etwa 64 Ukrainer als politische Gefangene in russischen Gefängnissen sitzen. (AFP)

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