Nichts wie weg: Rund 300 Deutsche warteten Ende März auf dem Flughafen Ninoy Aquino in Manila auf den vom Auswärtigen Amt gecharterten Lufthansa-Flug.  Foto: picture alliance/dpa
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Nun kommt die Rechnung Rückgeholte müssen bis zu 1000 Euro zahlen

Mit Charterflügen hat das Auswärtige Amt fast 70.000 Deutsche gerettet. Nun sollen sie sich an den Kosten beteiligen - in moderater Weise.

Die meisten der rund 240.00 Deutschen und Europäer dürften sehr erleichtert gewesen sein, als sie sich nach dem Corona-Lockdown mit der Rückholaktion des Auswärtigen Amtes (AA)in ihre Heimat retten konnten. Denn vielerorts waren die Grenzen dicht, die Flugverbindungen eingestellt, die Flughäfen geschlossen. Dieser Tage erhalten einige der Rückkehrer nun amtliche Post mit der Aufforderung, sich an den Kosten zu beteiligen.

Ende dieser Woche hat das Außenministerium die ersten rund Tausend Bescheide verschickt. Sie gingen an Deutsche, EU-Bürger und Drittstaatler, die aus Australien, Marokko, den Philippinen, Indien, Bolivien und aus dem Togo ausgeflogen worden waren. Mit eigens gecharterten Flügen wurden rund 67.000 Personen aus 65 Ländern zurückgebracht. 

Darunter waren rund 52.000 Deutsche, 8000 EU-Bürger und 4000 Bürger anderer Länder. Die meisten der in der Rückholaktion Geretteten hatten ihre Tickets dagegen direkt bei Fluggesellschaften bezahlt.

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Bevor die Gestrandeten in die gecharterten Maschinen steigen durften, mussten sie unterschreiben, dass sie einen Teil der Kosten nach dem Konsulargesetz zurückzahlen werden. Das ist nun die Rechtsgrundlage für die Forderung.

Bis zu 1000 Euro müssen Rückgeholte zahlen

Astronomische Summen will das AA nicht in Rechnung stellen, aber je nach Entfernung wurden nun Pauschalen festgelegt. Flüge von den Kanaren und aus Nordafrika schlagen mit 200 Euro zu Buche, solche aus dem südlichen Afrika und der Karibik mit 500 Euro, aus Südamerika und Asien mit 600 Euro sowie aus Neuseeland und Australien mit 1000 Euro. Die Summen orientieren sich an der Entfernung, durchschnittlichen Ticketpreisen und auch den Kosten vergleichbarer Rückholaktionen von EU-Staaten.

Gekostet habe die Rückholaktion mit Charterflugzeugen bislang rund 94 Millionen Euro, heißt es aus dem AA. Damit ist die Summe von 100 Millionen Euro nicht ganz ausgeschöpft, die der Bundestag der Regierung zur Verfügung gestellt hatte, um die Charterflüge vorzufinanzieren. 

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40 Prozent der Kosten sollen von den Reisenden kommen

Auch dank der Rückzahlungen wird die Belastung des Bundeshaushalts geringer ausfallen. Knapp 40 Prozent der Gesamtkosten, so erwarten die Diplomaten, werden die Geretteten beisteuern. Da sich auch die EU mit Zuschüssen beteiligt, weil EU-Bürger profitierten, könnte der Bund am Ende ein Viertel der Kosten (rund 23 Millionen Euro) tragen.

Trotz der erfreulichen Entwicklung der Zahlen gilt weiter, was Außenminister Heiko Maas (SPD) mehrfach unmissverständlich klar gemacht hat: Die Rückholaktion für Zehntausende von gestrandete Deutsche, die das AA und seine Diplomaten an die Grenze ihrer Möglichkeiten führte, soll auf keinen Fall wiederholt werden. 

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