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Geht doch auch nicht! EU-Kommissarin knipst, Minister Wissing mahnt. Foto: Oliver Berg/dpa
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Nicht so viel Essen fotografieren! Digitalisierungsminister Wissing verdirbt den Appetit

Food-Fotos verbrauchen nutzlos viel Energie, moniert der Minister. Er hat zwar keine Zahlen, aber recht. Und es ist ja noch schlimmer. Eine Nachbelichtung.

Unter den zahlreichen umweltschädlichen und sinnlos energieverbrauchenden Neigungen der Menschen findet sich auch jene, ihr Essen zu fotografieren. Darauf hat Bundesdigitalisierungsminister Volker Wissing (FDP) völlig zurecht hingewiesen und zwar am Ende eines Treffens von G7-Digitalisierungsministern in Düsseldorf.

Hat mal jemand mit analoger Kamera seine Klöße geknipst?

Das war deshalb der richtige Ort, weil deren Ressort für die Essensbilder-Mode politisch zuständig ist, denn die hängt zu 100 Prozent mit der digitalen Fotofunktion von Smartphones zusammen. Das ist eine Behauptung, die ungeprüft aufgestellt wird, weil sich ihre Richtigkeit aus dem Umkehrschluss ergibt. Oder hat je jemand zu Renommierzwecken mit einer analogen Kamera Klöße, Kassler und Kompott abgelichtet, den Film zur Drogerie gebracht, eine Woche später die Bilder abgeholt und die dann Freunden gezeigt? Bitte nicht.

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Diese digitale sogenannte Food-Foto-Erzeugung frisst (sic!) nun viel Strom, worüber Wissing zufolge kaum jemand nachdenke. Der Energieverbrauch sei so enorm, dass er selbst erschrocken sei, als er die Zahl gehört habe. Leider konnte Wissing die Zahl nicht nennen. Aber selbst wenn: Damit hört die Klimaschädlichkeit des Food-Fotos doch längst nicht auf. So ein kulinarisches Motiv löst ja, wenn es durchs digitale Netzwerk gepostet wird, etwas aus. Sehnsucht oder Neid, wenn es klimaneutral bleibt, aber im schlechteren Fall: Appetit.

Und dann werden womöglich Menschen, die eben noch ein Knäckebrot kratzdünn mit Margarine bestrichen als Abendmahl für ausreichend gehalten hatten, angestachelt, stattdessen Klöße, Kassler und Kompott zu konsumieren, die sie unter Einsatz von Herd, Pfanne und Ofen zubereiten müssen. Alles letztlich energiepolitisch rundweg abzulehnen.

Im Auto zum Supermarkt? Katastrophe perfekt

Und womöglich fahren sie sogar extra noch im Auto zum Supermarkt, um fehlende Zutaten zu kaufen, womit die Katastrophe perfekt wäre, auch ohne, dass man hier von den massentierhalterischen Ökobilanzschweinereien (nochmal sic!) überhaupt nur angefangen hätte.

Die Redaktion bekennt sich in diesem Zusammenhang schuldig, dem Ministerium von Volker Wissing eine Anfrage gemailt zu haben, was auch nicht ohne Energieverbrauch vonstatten ging, um die erschröckliche Zahl nachzufragen, die dem Minister bei seinem Statement nicht zugegen war. Dass es bis zur Textabgabe dieser Zeilen darauf keine Antwort gab, wertet sie als globusschonende Anstrengung der Regierung, ihren Anteil am Trend zu nutzwertloser Energieverbrauchseskalation zu reduzieren.

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