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Ein Klimaaktivist hält ein Plakat während eines Protestes Foto: Aryan Dhimal/ZUMA Press Wire/dpa
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Nicht das Ego entscheidet, sondern das Ethos Für die Ampel geht es um nichts Geringeres als die Weltrettung

Die Ampel-Koalitionäre müssen nicht viel vereinbaren – sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren. Allem voran den Klimaschutz. Ein Kommentar.

Diese sich am Ende doch überraschend mühselig findende Koalition ist mit Sicherheit schon jetzt eines: die erste, die mit keinerlei Ausflüchten mehr davonkommt. Denn sie ist, wenn sich nicht alle Experten weltweit täuschen, die letzte Bundesregierung, die helfen kann, den Klimawandel aufzuhalten.

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Also geht es logischerweise um nichts Geringeres als die Weltrettung. Wenn diese These stimmt, und nichts außer notorischen Leugnern spricht dagegen, muss sie das Handeln bestimmen.

Und zwar gleichsam wie von selbst. Großes muss nicht erst groß geredet werden – Großes muss geleistet werden. Allein schon beim Klimaschutz. Von Corona ganz zu schweigen. Oder der Digitalisierung. Oder der Fortentwicklung demokratischer Partizipation, ob durch Beteiligung vom Bürgerräten oder die Senkung des Wahlalters auf 16. Oder der Modernisierung der Infrastruktur. Oder einer wetterfesten Energiewende.

Das alles zusammengenommen erfordert Willen und Führung. Aber zugleich auch eine Erkenntnis dessen, was in der Not notwendig ist: Selbstbescheidung. Eine jedes einzelnen Partners, jede:r an seinem Platz, um reibungsarmes Handeln möglich zu machen.

Die Ampel muss nicht viel vereinbaren - sondern Großes

Auf einen Begriff gebracht: „Ego folgt Ethos“ – das ist, was die Ampel verwirklichen muss. Sie muss nicht Vieles vereinbaren, in vielen Spiegelstrichen auf 150 Seiten in einem Koalitionsvertrag, der ohnedies von der Wirklichkeit überholt wird – sondern Großes. Sechs Vorhaben, an der Spitze die Rettung des Klimas bei gleichzeitiger Sicherung der Grundlagen einer der größten Industrienationen. Dafür reichen vielleicht 20 Seiten. Konzentration statt Konfrontation, es sei denn mit der Realität.

[Lesen Sie auch: Wer soll welchen Posten in der Ampel-Koalition bekommen? (T+)]

Die Ampel muss sich schon deshalb zwangsläufig von ihren jüngsten Vorgänger-Regierungen unterscheiden, den großen Koalitionen, die mit der Zeit immer kleiner wurden, nicht nur stimmenmäßig. Die Geschehnisse nahezu jeden Tag lassen Abwarten und „Führen von hinten“ nicht mehr zu.

Weniger reaktiv, mehr pro-aktiv

Das war, was Angela Merkel gut konnte: reaktiv zu entscheiden, weniger pro-aktiv. Zum Kanzler in spe Olaf Scholz passt das nicht: „Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie auch.“ Ein Satz, der ins Heute passt. Die veränderten Zeiten kommen ihm entgegen. Das Tun zeigt das Wollen. Das Verwirklichen wird das „New Normal“.

Olaf Scholz will die Ampel-Koalition führen - Handeln ist angesichts der Mammutaufgaben gefragt. Foto: Kay Nietfeld/dpa Vergrößern
Olaf Scholz will die Ampel-Koalition führen - Handeln ist angesichts der Mammutaufgaben gefragt. © Kay Nietfeld/dpa

Aber es geht ja nicht um Scholz allein. Weil sie gemeinsam groß im Handeln werden müssen, gilt: Verzichte darauf, dich selbst wichtiger zu nehmen als die Sache. Und den Versuch des Durchsetzens von Partikularinteressen nicht zu dulden, ist auch Führung. Wohlverstanden könnten davon alle profitieren. Wenn sie dann alle mittun.

Das erfordert zunächst auf den letzten Metern der Koalitionsverhandlungen ein gerüttelt Maß an Selbstreflexion und Bereitschaft, anzuerkennen, welche Aufgaben anstehen. Es geht eben nicht zuvorderst um die Besetzung des Finanz- oder des Außenministeriums. Nicht um die unbedingte Befriedung und Befriedigung des je eigenen Wählerklientels. Das soll mal keine:r persönlich nehmen. Diese Form der Geschmeidigkeit sollten alle beherrschen, die in Deutschland vier Jahre regieren wollen.

Vielmehr geht es im Hier und Jetzt vor allem um das: Nicht das Ego entscheidet, sondern das Ethos. Das wird sich im Handeln erschließen. Auch in der Hinsicht gibt es keine Ausflüchte.

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