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Donald Trump trägt eine Maske mit dem Siegel des US-Präsidenten. Foto: Imago Images/Zuma Wire/Chris Kleponis
© Imago Images/Zuma Wire/Chris Kleponis

Neuer Höchstwert an Neuinfektionen US-Präsident Trump lässt sich erstmals mit Maske fotografieren

Bisher hatte es Trump vermieden, mit Mund-Nasen-Schutz gesehen zu werden. Beim Besuch einer Klinik sagt er nun: „Ich finde es großartig, eine Maske zu tragen.“

US-Präsident Donald Trump hat in einem seltenen Schritt eine Maske bei einem öffentlichen Auftritt getragen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Trump im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Bethesda bei Washington einen blauen Mund-Nasen-Schutz mit dem Siegel des Präsidenten trug.

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Die Bilder waren allerdings nicht die ersten, bei denen Trump eine Maske trug - bei einem Fabrik-Besuch im Mai allerdings hatte Trump beim Rundgang zwar teilweise eine Maske getragen, sie aber, wie die „New York Times“ berichtete, abgenommen, als er Reporter sah, um damit nicht damit fotografiert zu werden (was dem Bericht zufolge einen Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen des Werkes darstellte).

Vergangenen Monat weigerte sich Trump der NYT zufolge bei dem Besuch einer Fabrik in Maine, die Coronavirus-Teststäbchen herstellt, eine Maske zu tragen. Der Hersteller sei daher gezwungen gewesen, die Produkte zu entsorgen, die während einer Demonstration für den Präsidenten hergestellt worden waren. Und im Mai habe er bei einem Besuch in einer Maskenfabrik in Phoenix (Arizona) keine Maske getragen, obwohl im Gebäude Schilder angebracht waren, die Besucher und Arbeitnehmer aufforderten, dies jederzeit zu tun.

Nach Angaben des Weißen Hauses wollte Trump in dem Krankenhaus verwundete Soldaten und deren Angehörige treffen. Er wollte zudem mit medizinischem Personal zusammenkommen, dass sich in der Coronavirus-Krise um Erkrankte kümmert. Trump sagte vor dem Besuch vor Journalisten: „Ich werde wahrscheinlich eine Maske tragen, wenn Sie das wissen müssen.“ Er fügte hinzu: „Ich finde es großartig, eine Maske zu tragen. Ich war nie gegen Masken, aber ich glaube, es gibt eine Zeit und einen Ort dafür.“ In dem Krankenhaus, in dem manche Verwundete gerade erst operiert worden seien, sei eine Maske angebracht.

Trump hatte im April Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC verkündet, nach denen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen wird. Er hatte aber umgehend deutlich gemacht, dass er selber keine Maske tragen werde. Trump und das Weiße Haus begründen das damit, dass der Präsident regelmäßig auf das Coronavirus getestet werde. Trump wird dennoch vorgeworfen, durch sein Auftreten ohne Maske ein schlechtes Vorbild in der anhaltenden Pandemie abzugeben. Medienberichten zufolge beugte er sich nun dem Druck seiner Berater, die den Präsidenten seit Wochen dazu gedrängt hätten, die Empfehlung seiner Regierung zum Tragen von Masken umzusetzen.

Die USA verzeichneten unterdessen die meisten Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie an einem Tag. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität (JHU) vom Samstag lag die Zahl der am Vortag registrierten Neuansteckungen bei 66.627. Erst am Donnerstag war die Zahl auf einen Rekordwert von 63.247 gestiegen.

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Die Zahl der Neuansteckungen in den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, hat seit Mitte Juni im Zuge der Lockerung der Corona-Auflagen deutlich zugenommen. Seit Beginn der Pandemie haben die Forscher der JHU insgesamt mehr als 3,2 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Mehr als 134.000 Menschen starben. Die Zahl der täglich verzeichneten Toten liegt zwar weiterhin niedriger als zum Höhepunkt der Krise, hat aber wieder zugenommen. Am Freitag registrierte die JHU-Statistik 802 Tote.

Ein großer Teil der Neuinfektionen wird derzeit aus den südlichen und westlichen Bundesstaaten gemeldet – darunter Florida und Kalifornien. In Florida meldeten die Behörden am Samstag mehr als 10.000 Neuinfektionen an einem Tag. Gouverneur Ron De Santis – der wie Trump der Republikanischen Partei angehört – wies Vorwürfe zurück, er habe die Schutzmaßnahmen in Florida voreilig wieder gelockert.

Hintergrund-Informationen zum Coronavirus:

Trotz der steigenden Fallzahlen in Florida öffnete der Freizeitpark „Walt Disney World“ am Samstag seine Türen wieder für Besucher. „Der Magic Kingdom-Park und der Disney's Animal Kingdom-Park sind jetzt geöffnet“, hieß es auf der Webseite des Freizeitparks nahe Orlando. Am Eingang werde die Körpertemperatur gemessen und Abstands- und Hygieneregeln müssten eingehalten werden.

Normalerweise kommen fast 60 Millionen Menschen jedes Jahr in den Freizeitpark in Florida, der wegen der Coronavirus-Pandemie seit März geschlossen war. Ab dem 30. Juli will auf dem Gelände des Vergnügungsparks auch die nordamerikanische Profi-Basketballliga NBA ihre wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochene Saison in einem geschlossenen System ohne Kontakt zur Außenwelt fortsetzen.

Ein ebenfalls vom US-Unterhaltungsriesen Walt Disney betriebener Vergnügungspark im US-Westküstenstaat Kalifornien blieb zunächst weiter geschlossen, nur ein angeschlossenes Einkaufszentrum öffnete in der vergangenen Woche. Eine zunächst für den 17. Juli angekündigte Wiedereröffnung des Vergnügungsparks musste pandemiebedingt wieder abgesagt werden. Für den Entertainment-Giganten ist das Geschäft mit Vergnügungsparks, Ferienresorts und Kreuzfahrten eine der wichtigsten Erlösquellen. Die Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie im März haben bereits Kosten in Milliardenhöhe verursacht. (dpa, AFP, Tsp)

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