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In den letzten Jahren wurden viele Nachtzüge abgeschafft Foto: promo
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Nachtzug zwischen Berlin und Brüssel Europaabgeordnete wollen nur noch einen Bruchteil CO2 ausstoßen

2020 werden mehr Regierungsangestellte zwischen Berlin und Brüssel pendeln. Aber womit? Vier Abgeordnete haben dazu eine Initiative gestartet.

Im Sommer 2020 übernimmt Deutschland die Ratspräsidentschaft in der EU. Das bedeutet auch: Ein halbes Jahr lang werden Politiker und Mitarbeiter aus den Bundesministerien und dem Kanzleramt regelmäßig zwischen Berlin und Brüssel hin- und herpendeln. Vier Berliner Europaabgeordnete haben deshalb eine parteiübergreifende Initiative gestartet und regen an, ab dem Juli nächsten Jahres einen Nachtzug zwischen beiden Städten wieder einzusetzen – als Zeichen einer „klimabewussten“ Ratspräsidentschaft. In einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin, den Verkehrsminister und den Bahn-Vorstand fordern sie ein „klimafreundliches Mobilitätsangebot“, mit dem die vielen Flugreisen, die im Rahmen des deutschen Vorsitzes anfallen werden, reduziert werden können.

Europäische Verkehrswende ist nötig

Wer mit dem Zug von Berlin nach Brüssel fahre, verbrauche 2,4 Kilogramm CO2, wer den Flieger nutze, 0,48 Tonnen. „Das ist das 200fache“, rechnen die Abgeordneten Hannah Neumann (Grüne), Hildegard Bentele (CDU), Gabriele Bischoff (SPD) und Martina Michels (Linke) vor. Bei regelmäßigen Dienstreisen summiere sich das schnell auf. Deutschland habe sich verpflichtet, die international vereinbarten Klimaziele einzuhalten. Der Start eines Nachzuges vom Berliner Hauptbahnhof am Abend des 30. Juni 2020 und die Ankunft am Brüsseler Zentralbahnhof am Morgen des 1. Juli 2020 wäre „ein starker Auftakt für eine klimabewusste Ratspräsidentschaft 2020“ und ein „wichtiges Signal hin zu der notwendigen europäischen Verkehrswende“, argumentieren die Parlamentarierinnen.

Wie umständlich es ist, mit der Bahn von Berlin nach Brüssel zu kommen, kennen sie aus eigener Erfahrung. „Viele nutzen das Flugzeug, weil sie mit den aktuellen Zugverbindungen der Deutschen Bahn AG für Reisen zwischen Berlin und Brüssel nur tagsüber reisen können, damit sechs bis acht Stunden Zeit verlieren und in der Regel einen Tag vorher anreisen müssen“, schreiben sie. Wer am Montagmorgen in Brüssel ausgeruht mit der Arbeit beginnen wolle, müsse bereits am Sonntag zur Mittagszeit in den Zug in Berlin steigen. Das sei „wenig praktikabel“, finden die Politikerinnen.

Zumal die Bahnfahrt schon wegen des Umsteigens oft nicht reibungslos funktioniert. Die Grünen-Politikerin Neumann, die in diesem Jahr ins Europaparlament gewählt wurde, versucht, „wo immer möglich“ den Zug zu nehmen. Nach Straßburg klappe das auch gut, weil es dort einen ICE gebe, der bis Offenburg durchfährt. „Von dort fahren wir alle gemeinsam mit dem Bus ins Parlament“, sagt sie. Die Berliner Abgeordneten träfen sich oft schon in Berlin am Bahnhof. Doch nach Brüssel ist es deutlich komplizierter. Mindestens einmal muss man umsteigen, das „Streckenchaos“ in und um Köln sei ziemlich groß, mit der Folge, dass es zu Verspätungen komme. Auf dem Heimweg am Ende einer Sitzungswoche strandete Neumann am Donnerstagabend auch schon mal unterwegs und kam nicht mehr nach Berlin.

Ein Nachtzug - "eingefärbt im Blau und Gelb der Europafahne"

Die Vorstellung, dass ab dem nächsten Sommer ein Nachtzug zwischen Berlin und Brüssel verkehren könnte, „eingefärbt im Blau und Gelb der Europafahne“, fände die Grünen-Politikerin eine positive Vision. „Das wäre ein Zeichen, dass wir es ernst damit meinen, auch unseren eigenen CO2-Andruck zu reduzieren“, sagt sie. Nicht nur für die vielen Regierungs-Mitarbeiter, die demnächst pendeln, wäre es aus ihrer Sicht angenehmer. Immer mehr Menschen wollten mit dem Zug statt mit dem Flieger unterwegs sein. „Wie viel schöner wäre es, man käme ausgeschlafen und gerade gefrühstückt in Berlin oder Brüssel an? Bereit in den Tag zu starten, sei es im Parlament, im Büro oder im Kiez.“ Bisher sieht die Realität noch anders aus. Wer über Nacht von Berlin nach Brüssel reisen will, muss in der Regel umsteigen - und womöglich Stunden auf einem der Bahnhöfe auf der Strecke verbringen.

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