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SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Nach Enthüllungen zu Geschäftspraktiken SPD-Chefin pocht auf Facebook- und Instagram-Aufklärung in der Schule

Millionen Deutsche nutzen Facebook und Instagram. Die neuen Enthüllungen führen zu einer Debatte, wie gerade junge Menschen besser geschützt werden können.

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken pocht nach den jüngsten Enthüllungen zu den Geschäftspraktiken von Facebook auf eine bessere Aufklärung in der Schule, um Jugendliche für Falschnachrichten zu sensibilisieren.

Der Umgang mit digitalen Medien und mit krankmachenden Schlankheitsidealen, die durch soziale Plattformen wie die Facebook-Tochter Instagram transportiert werden, „müssen dringend Bestandteil schulischer Bildung sein“, sagte Esken dem „Tagesspiegel“. „Das muss auch die weiterführenden beruflichen Schulen und Universitäten umfassen.“ Jugendliche dürften in einer sehr sensiblen Phase ihrer Entwicklung mit den Gefahren auf keinen Fall allein gelassen werden, so Esken.

Die Enthüllungen der früheren Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen zeigten, wie wichtig für die Politik der Kampf gegen Hass und Hetze, Diskriminierungen und Gewalt in sozialen Netzwerken sei. „Solange Facebook sein Geschäftsmodell nicht ändert, mit Echokammern und Viralität Geld zu verdienen, können keine substantiellen Erfolge erreicht werden“, sagte Esken.

Die SPD verwies auf Nachfrage auch auf die gerade in Verhandlung befindlichen europäischen Regelungen, mit denen Daten über die Funktionsweise der Algorithmen für mehr Transparenz sorgen sollen – gerade mit den Algorithmen werden oft problematische Inhalte und Hassnachrichten besonders stark weiterverbreitet.

Die Sozialdemokraten streben im Falle einer Regierungsbildung an, dass Angebote zur Aufklärung von Eltern, Jugendlichen, Lehrpersonal und Pädagogen über den Umgang mit Social Media, Datenschutz, Hassnachrichten und Cybermobbing, gestärkt werden, auch über bundesweit vernetzte Kompetenzzentren für digitales Lehren und Lernen.

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Soll die Bundesregierung weiter Facebook nutzen?

Kritisch sieht die Partei auch die von Ministerien bei Facebook betriebenen Seiten. Es könne nicht sein, dass Facebook über die auf den Seiten der Bundesregierung erhobenen personenbezogenen Daten bestimme. „Die Bundesregierung sollte der Empfehlung des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) folgen und bis Ende 2021 ihre Facebook-Seiten abschalten – sofern Facebook keine entsprechenden Zugeständnisse macht“, betonte ein Sprecher auf Tagesspiegel-Anfrage.

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Auch in den USA dreht sich der Wind - gegen Facebook

Nach dem stundenlangen Ausfall aller Facebook-Dienste weltweit haben die schweren Vorwürfe der ehemaligen Angestellten Frances Haugen weltweit die Kritik an dem US-Konzern. Bei einer Kongressanhörung sagte die frühere Facebook-Managerin in Anspielung auf die Panne der Online-Dienste: "Mehr als fünf Stunden lang wurde Facebook nicht dazu genutzt, um Risse zu vertiefen, Demokratien zu destabilisieren und dafür zu sorgen, dass sich Mädchen und Frauen in ihrem Körper schlecht fühlen". Demokraten und Republikanern werfen in den USA Konzernchef Mark Zuckerberg Profitstreben auf Kosten von Nutzern vor und forderten ein härteres Vorgehen gegen die Praktiken von Facebook und seinem Dienst Instagram, über den Fotos und Videos geteilt werden können.

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