Donald Trump (links) und Wladimir Putin bei ihrer Pressekonferenz in Helsinki. Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa
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Nach dem Gipfel von Trump und Putin Das bessere Verhältnis auf Kosten der Wahrheit

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Nach dem Gipfeltreffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Helsinki verstehen selbst viele Republikaner US-Präsident Donald Trump nicht mehr. Ein Kommentar.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um bei den Bildern aus Helsinki ins Grübeln zu kommen. Gute zwei Stunden saßen Donald Trump und Wladimir Putin zusammen, ohne Berater, nur mit den beiden Dolmetschern, die aber zum Schweigen verpflichtet sind. Was um Himmels willen haben die beiden so lange miteinander besprochen? Es gibt keine Abschrift des Gesprächs, die Öffentlichkeit wird es wohl nie erfahren.

Und das ist das Problem: Dieses Setting lädt geradezu ein zu Spekulationen wie denen, dass der Kremlchef den US-Präsidenten in der Hand habe, ihm diktieren könne, was dieser bei der anschließenden Pressekonferenz zu Protokoll gibt. Das mag absurd sein. Aber klar ist auch: Mit den Vorbereitungen seines Teams zumindest, das einen deutlich härteren Ton gegenüber Russland empfohlen haben soll, hatten die öffentlichen Äußerungen von Trump am Montag in Helsinki nicht viel zu tun, wie nun berichtet wird.

Es geht um einen Angriff auf die Demokratie

Der Eindruck, der bleibt, ist verheerend: ein US-Präsident, der es unterlässt, eine von den eigenen Geheimdiensten, von der US-Justiz belegten Attacke auf die Demokratie – und um nichts anderes geht es bei Hackerangriffen auf eine Wahl – klar zu benennen und zu verurteilen. Ein US-Präsident, der dem Ex-KGBler Putin mehr Vertrauen schenkt als den eigenen Geheimdiensten.

Die Kritik zuhause an Trump ist laut, eindeutig und parteiübergreifend. Auch viele Republikaner halten es für einen schweren Fehler, dass er im Ausland öffentlich sein eigenes Land schlecht redete, nur um sich gut mit dem Erzrivalen zu stellen.

Spät erst, nach seiner Rückkehr nach Washington, knickt Trump ein und erklärt auf einmal, sich in Helsinki missverständlich ausgedrückt zu haben. Er akzeptiere die Erkenntnis seiner Geheimdienste, dass sich Russland in die Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt habe. Und nun?

Selbst der eigene Geheimdienstchef widerspricht

Trump ist so besessen von der Vorstellung, dass sein Wahlsieg angezweifelt werden könnte, dass er nicht hören will, was die US-Ermittler herausgefunden haben. Er sehe keinen Grund, Russland hinter den Cyberangriffen zu vermuten, hatte er in Helsinki erklärt. Sein Geheimdienstkoordinator Dan Coats widersprach coram publico. Russland habe 2016 interveniert und unternehme „weiterhin anhaltende, umfassende Anstrengungen, unsere Demokratie zu unterminieren“. Russland sei der „aggressivste ausländische Akteur“ bei Cyberattacken - noch vor China und Nordkorea.

Ob Trumps Schadensbegrenzung wirkt? Oder distanzieren sich wichtige Teile der Republikanischen Partei dauerhaft von ihrem irrlichternden Präsidenten? Schwer zu sagen. Seine Dominanz über die Partei ist groß, die Basis, die mehr an guten Wirtschaftsdaten interessiert ist als an demokratietheoretischen Fragen, verehrt ihn.

Und dennoch: Vielen Republikanern fällt es zunehmend schwer, Trumps Worte und Taten noch zu erklären.

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