Regulär - Irregulär. Moskau lässt das bei Militäreinsätzen gern einmal im Unklaren. Foto: Baz Ratner, Reuters
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Mord in Zentralafrika Russische Journalisten auf tödlicher Spur

Frank Herold
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Drei Reporter recherchierten zu Aktivitäten der russischen Söldnertruppe "Wagner". Ihr Tod soll Folge eines Raubüberfalls sein, doch Zweifel sind angebracht.

Die Zentralafrikanische Republik ist einer der gefährlichsten Plätze auf der Erde. Jetzt fielen der Gewalt drei russische Journalisten zum Opfer, sie wurden ermordet. Es soll sich um einen Raubüberfall von „neun Turban tragenden Banditen“ gehandelt haben, sagte Regierungssprecher Ange Maxime Kazagui am Donnerstag. So kann es tatsächlich gewesen sein, denn in dem Land herrscht seit Jahren Rechtlosigkeit, die Regierung kontrolliert nur wenige Regionen – und die sind nicht sicher.

Dieser Mord lenkt die Aufmerksamkeit jedoch in eine andere, für die russische Führung unangenehme Richtung. Der erfahrene Kriegsreporter Orchan Dschemal, sein Kollege Alexander Rastogujew und der Kameramann Kirill Radtschenko waren in Zentralafrika unterwegs, um den Einsatz russischer Söldner der „Gruppe Wagner“ zu recherchieren. Auftrag und Geld kamen von der Stiftung, die der im Exil lebende Putin-Gegner Michail Chodorkowski ins Leben gerufen hat.

Gold und Diamanten

Wagner-Söldner sind beispielsweise in Syrien aktiv. Ihr Geschäftsmodell: Die Privatarmee bietet wankenden Diktatoren an, sie vor ihren Gegnern zu retten. Dafür soll der Chef des Unternehmens, der Putin-Vertraute Jewgeni Prigoschin, in Syrien Konzessionen für die Förderung von Öl und Gas erhalten haben.

Das wurde von Journalisten der kreml-kritischen RBK-Mediengruppe detailliert recherchiert. Jetzt, da der Diktator Baschar al Assad in Damaskus wieder recht sicher im Sattel sitzt, zieht die „Gruppe Wagner“ offenbar weiter ins nächste Krisengebiet. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete im Juni, nach dem Rückzug Frankreichs aus Zentralafrika sei Russland an die Stelle des militärischen Ratgebers von Staatschef Faustin Archange Touadera getreten. Zentralafrikas Herrscher kann Gegenleistungen für die Dienste von Söldnern bieten: Prigoschin soll angeblich mit Bergbaurechten entlohnt werden. Es locken Gold und Diamanten.

Moskau wiegelt ab

Dieser Geschichte wollten die drei russischen Reporter offensichtlich auf den Grund gehen. Als ihr Tod in Moskau bekannt wurde, wiegelte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenamtes, sofort ab. Nichts von dem russischen Engagement in Zentralafrika sei geheim, behauptete sie. Ganz offen sei 2017 zwischen beiden Ländern eine Vereinbarung über die militärische Zusammenarbeit geschlossen worden, die dann im Dezember mit den Vereinten Nationen abgestimmt wurde. Die UN haben rund 12000 Soldaten in dem Land stationiert, um einen Völkermord zu verhindern. Waffenexporte nach Zentralafrika sind verboten. Im Januar 2018 Jahres flog jedoch eine russische Iljuschin-Transportmaschine mit Waffen und Munition nach Bangui, an Bord auch fünf militärische und 170 – angeblich – zivile Instrukteure.

Privatarmeen sind verboten

Dass der Tod der Journalisten damit im Zusammenhang steht, bezeichnete Sacharowa am Mittwoch als „Quatsch“. Die seien in einem Gebiet ermordet worden, in dem es gar keine russischen Instrukteure gebe, sagte sie. Die Erklärung der Sprecherin folgt einem Muster, das aus der Ostukraine und Syrien gut bekannt ist. So hat hat sich die russische Führung auch dort aus der Affäre zu ziehen versucht: „Nas tam njet.“ („Wir sind dort nicht.“) Später stellte sich heraus, dass das die Unwahrheit war.

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Offiziell hat die „Gruppe Wagner“ tatsächlich nichts mit dem Kreml zu tun. Privatarmeen sind nach russischem Recht verboten. Tatsächlich jedoch bestehen Verbindungen zwischen Wagner-Leuten und offiziellen Sicherheitsstellen. In Zentralafrika sollen die fünf militärischen Instrukteure Angehörige des militärischen Geheimdienstes GRU sein und die 170 „Zivilisten“ Wagner-Söldner. Das könnte jedoch nur der sichtbare Teil des russischen Engagements sein.

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