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Jochen Homann ist Präsident der Bundesnetzagentur, die jetzt final die Kriterien für die Auktion der 5G-Frequenzen festgelegt hat. Foto: Kai-Uwe Heinrich
© Kai-Uwe Heinrich

Mobiles Internet Jochen Homann - Schiedsrichter der Digitalisierung

Paul Dalg

Der Präsident der Netzagentur hat den Weg zur Auktion der 5G-Frequenzen frei geräumt. Ein Porträt.

Jochen Homanns Job ist vergleichbar mit der Rolle des Schiedsrichters im Fußball: Ohne ihn geht es nicht, damit alles in geregelten Bahnen verläuft. Trotzdem ist nach dem Spiel häufig mindestens eine Partei unzufrieden – und oft genug machen auch alle gemeinsam den Unparteiischen als Schuldigen aus.
Insofern hatte der Präsident der Bundesnetzagentur am Montag einen guten Tag: Homann gelang es, die Zustimmung des Beirats der Behörde, bestehend aus Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen, für den finalen Entwurf über die Vergabe der neuen 5G-Mobilfunkfrequenzen zu bekommen. Der Frequenzauktion im kommenden Jahr steht nun nichts mehr im Wege und der 65-jährige hat offenbar einen für alle Beteiligten tragbaren Kompromiss gefunden.
Dabei hatten sich vorab erstmal alle beschwert: Telekom und Telefónica über Versorgungsauflagen, über das rechtlich zulässige Maß hinausgingen, Vodafone drohte gar mit „Spielabbruch“ per Klage. Regierung und Opposition ging Homanns Entwurf indes nicht weit genug: Sie forderten von der Behörde die flächendeckende Versorgung mit dem aktuellen Mobilfunkstandard und die Beseitigung von Funklöchern sicherzustellen.
In Situationen wie diesen hilft es Hohmann, dass er sich die typische niedersächsische Gelassenheit seit seiner Kindheit in Rotenburg an der Wümme erhalten hat. Mit Ruhe, Entschiedenheit, dickem Fell und der nötigen Expertise führt er die Behörde durch solche Diskussionen. Natürlich, über Funklöcher ärgert er sich auch, erklärt aber unmissverständlich: „Die jetzt zur Vergabe anstehenden 5G-Frequenzen sind für eine weiter gehende Flächenversorgung nicht geeignet.“
Homann ist es gewohnt, dass andere bei den Themen seiner Behörde mitreden wollen, schließlich ist er bereits seit 2012 deren Präsident. Zuvor war er Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und von 1991 bis 2001 Leiter des Grundsatzreferats für Wirtschafts- und Finanzpolitik im Kanzleramt.
Sein Schiedsrichterjob scheint Homann zu gefallen. Das hört man, wenn er die Rolle seiner Behörde definiert: „Die Netzagentur versteht sich nicht als Schutzpatron bestehender Marktpositionen oder bestimmter Geschäftsmodelle, sondern als Wettbewerbsbehörde mit dem Ziel, moderne Infrastrukturen im Interesse von Bürgern und Wirtschaft zu fördern.“ Das wäre für Deutschland gerade im digitalen Bereich überfällig.

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