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Im Jahr 2014 besuchte der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow noch einmal das Brandenburger Tor. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
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Michail Gorbatschow feiert 90. Geburtstag Gescheitert, isoliert und verehrt

Michail Gorbatschow scheiterte mit der Perestroika, dennoch wirkt seine Politik nicht nur in der Protestbewegung nach. Jetzt wird er 90 Jahre alt.

Um Michail Gorbatschow ist es einsam geworden. Seit vielen Wochen lebt der Friedensnobelpreisträger in strenger Isolation. Wenn er am Dienstag seinen 90. Geburtstag begeht, dürfen nicht einmal seine engsten Angehörigen zu ihm. Der Jubilar halte sich streng an die Ratschläge seiner Ärzte, gab der Sprecher der Gorbatschow-Stiftung kürzlich bekannt. Gesundheitlich angeschlagen ist Gorbatschow schon länger, jetzt kommt auch noch Corona hinzu. „Treffen sind derzeit unmöglich“, sagt sein Sprecher.

Fast auf den Tag genau 35 Jahre ist es her, dass Gorbatschow Ende Februar 1986 in Moskau auf der Bühne des 27. Parteitages der sowjetischen Kommunistischen Partei sein politisches Programm verkündete. Glasnost und Perestroika wurden zu Schlagworten für einen Umbau der gesamten sowjetischen Gesellschaft, die Gorbatschow nach einem Jahrzehnt der Stagnation plante. Doch er wollte noch mehr, er wollte eine andere Welt – ohne Kalten Krieg.

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Gorbatschow war damals 55 Jahre alt. Es schien als sollten ihm viele Jahre bleiben, um dieses Programm zu verwirklichen. Tatsächlich wurden es nur sechs. Es begann eine furiose Zeit. Die ganze sowjetische Epoche stand in der Kritik: die stalinschen Repressionen, der Machtmissbrauch und die Stagnation unter den Generalsekretären Breschnew, Andropow und Tschernenko. Schließlich ging es auch um das heiligste Kapitel der kommunistischen Geschichtserzählung: die Oktoberrevolution.

Nicht nur um die Geschichte ging es. Gorbatschow versuchte eine Öffnung der Planwirtschaft hin zu mehr Markt. Doch gerade das brachte keine Erfolge, die positive Wende zu mehr Wohlstand gab es nicht, stattdessen eine ernste Versorgungskrise. Der Optimismus der ersten Gorbatschow-Jahre verflog und mit ihm der Glaube an eine bessere Sowjetunion.

Gorbatschow hat die internationalen Beziehungen tatsächlich verändert

Auf der Weltbühne hat Gorbatschow dagegen viel erreicht. Er zog die sowjetischen Truppen aus Afghanistan zurück, ermöglichte den Fall der Berliner Mauer und damit die deutsche Einheit und er handelte mit den USA Verträge zur Kontrolle und zum Abbau von Nuklearwaffen aus. Gorbatschow hat die internationalen Beziehungen tatsächlich verändert. Das erklärt die Faszination, die von dieser Persönlichkeit noch drei Jahrzehnte nach dem Ende seiner Macht von ihm ausgeht.

Im Herbst 1990 erhielt der Politiker den Friedensnobelpreis. Ein knappes Jahr später war er gescheitert. Mit einem Putsch wurde er abserviert von den eigenen Leuten, von denen er viele persönlich in den Führungskreis geholt hatte. Wenig später war dann auch die Sowjetunion am Ende.

Drei Jahrzehnte sind seither vergangen. Seine erzwungene Selbstisolation in jüngster Zeit hält Gorbatschow nicht davon ab, sich zu aktuellen politischen Vorgängen zu äußern. So unterstützte er im September vergangenen Jahres den Aufstand gegen den belarussischen Herrscher Alexander Lukaschenko. Der Protest sei großartig, sagte er. Gerade erst zeigte er sich erfreut, dass der letzte verbliebene russisch-amerikanische Vertrag über die Kontrolle strategischer Atomwaffen nun doch verlängert wird.

Glasnost und Perestroika gehören nicht zum Programm der gegenwärtigen russischen Führung. Die Mannschaft um Wladimir Putin hat vielmehr die Fenster, die Gorbatschow geöffnet hatte, längst wieder geschlossen.

Aber dennoch, die wenigen Gorbatschow-Jahre sind nicht spurlos vorübergegangen. Immer wieder flammen Protestbewegungen auf. Die Protestbewegung im Umfeld des Kremlkritikers Alexej Nawalny ist die sichtbarste. Wichtiger noch ist das Engagement Tausender in der Provinz, die sich für mehr Umweltschutz oder gegen die Willkür lokaler Behörden wehren. Dass es dieses Selbstbewusstsein der Zivilgesellschaft immer noch gibt, ist auch ein Verdienst der Ermutigung durch Gorbatschows Versuch eines Aufbruchs.

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