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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Feier zum 31. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung in Halle (Saale) im Oktober 2021. Foto: Jan Woitas/REUTERS
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Merkel wünscht sich Nina Hagen zum Abschied Die Kanzlerin outet sich am Ende nochmal als Ostdeutsche

Mit Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ wünscht sich Angela Merkel ein Ost-Lied zum Zapfenstreich – und holt DDR-Musik damit aus der Ostalgie-Ecke.

Wenn die Popkultur eines Landes so bedeutsam für die Identität von Menschen ist, wie es oft behauptet wird, dürfte der kommende Donnerstag für 16 Millionen Deutsche ein historischer Tag werden.

Wie der „Spiegel“ berichtet, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Musikauswahl für den traditionellen Großen Zapfenstreich getroffen. Zur Erinnerung: Dafür bestellte Gerd Schröder das schwülstige „My Way“ und Thomas de Maizière das eher ulkige „Life is Life“.

Die Kanzlerin entschied sich nun für „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef und das – ökumenische – Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“. Als Drittes wird das Stabsmusikkorps der Bundeswehr „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen trompeten.

Das Lied wurde 1974 in der DDR geschrieben. Den Text kann angeblich noch immer fast jeder zweite Ostdeutsche auswendig („Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön's hier war, ha ha“). Mit der Auswahl eines Songs, den viele eher bei Onkel Hardys runden Geburtstagen vom Küchentisch mitgrölen, beweist die Kanzlerin mal wieder ihren feinen Humor.

Mit der Adelung der politisch und wohl auch persönlich eher speziellen Nina Hagen zeigt sie ihre, nun ja, fast bundespräsidial anmutende Inklusionsbereitschaft – über alle Haarfarbengrenzen hinweg. Dankbar darf man sein, dass niemand ihr deshalb bislang „Ostalgie“ unterstellt hat.

Die gesamte DDR-Musik wurde an einen Autohändler verscherbelt

Auch zum 31. Jahrestag der Wiedervereinigung ist die Entscheidung – ja, wirklich! – bemerkenswert. In Hitparaden und TV-Shows wird deutsche Kultur- und speziell Musikgeschichte auch heute noch vor allem westdeutsch erzählt. Kaum ein älterer Einwohner von Magdeburg, Gera oder Cottbus findet die Musik seiner Jugend dort wieder.

Als es 1990 mit dem Mauer-Staat vorbei war, wurde das gesamte OEuvre des staatlichen Musiklabels Amiga an einen Autohändler verkauft, auch „Du hast den Farbfilm vergessen“. Aber noch heute läuft die Musik ständig, nicht nur auf Onkel Hardys Geburtstag.

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Merkel selbst zeigt sich mit der Wahl als Ostdeutsche. Hier ist das regimekritische Lied vielen mehr als ein bloßer Mitgröl-Schlager. Lange wurde der Bundeskanzlerin vorgeworfen, ihre Herkunft lieber versteckt zu haben. Eben keine „von 16 Millionen“ zu sein, wie sie es zum Tag der Deutschen Einheit sagte.

Mit der Auswahl eines Songs, der zwar in Ost und West bekannt, aber für die einen dezidiert Kulturgut ist, beweist sie das Gegenteil. Vielleicht wippt sie dazu so leicht im Takt. Hoffentlich schießt jemand ein schönes Foto.

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