Gerard Depardieu als Gast in Nordkorea. Foto: Sebastien BERGER/AFP
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Matthies meint Maskottchen für Autokraten

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Gerard Depardieu ist zum Werbeträger verkommen: Auftritte in Moskau, Minsk oder Pjöngjang sind keine Glanzrolle. Vielleicht ist alles aber ein Missverständnis. Eine Glosse.

Werbung gilt dann als besonders erfolgversprechend, wenn es gelingt, einen Prominenten zum „Testimonial“ zu verpflichten. George Clooney wirbt für Kaffeekapseln, Veronica Ferres musste vor der Kamera gegen Geld Babynahrung schlecken, und selbst Verona Feldbuschs Einsatz für eine heute vergessene Telefonauskunft hat mit dem Satz „Da werden Sie geholfen“ doch wenigstens die deutsche Sprache bereichert.

Nun sind das alles mehr oder weniger vertraute Produkte. Aber wie läuft es, wenn die Werbung einem mittelprächtig bis komplett vermurksten Staatsgebilde zu Anerkennung verhelfen soll? Einfach nur Anzeigen schalten und Dieter Bohlen oder der Fußball-Nationalmannschaft irgendeinen Spruch abringen, das reicht nicht aus; der einzige Deutsche, der so etwas könnte, Günter Jauch, hat nach Jahren intensiver Werbetätigkeit für nahezu jeden Kram dem Thema längst komplett abgeschworen.

Kommt Depardieu zum Fest der deutschen Einheit?

Ein enorm wichtiger und aktiver Werbeträger für die ganz großen Sachen ist hingegen Gerard Depardieu: Nicht mehr sehr schön, sondern eher birnenförmig und stark dem Dämon Alkohol zugeneigt – aber immer noch einer, den wir beachten, zumal, wenn er Ländergrenzen überschreitet. Einst brachte er Belgien viel Lob, als er auf der Flucht vor französischen Steuerbehörden ins Nachbarland umzog, dann nahm er die russische Staatsangehörigkeit an und pries das Land als lupenreine… nein, falsch, „große Demokratie“. Viele erinnerte das auch an seine Glanzrolle als Obelix und brachte seinem neuen Staatsoberhaupt Putin zumindest einen kleinen Asterix-Bonus ein. Den weißrussischen Autokraten Lukaschenko findet Depardieu ohnehin voll super.

Klar, dass das auch im isolierten Nordkorea auffällt. Könnte nicht jemand von draußen, international bekannt, die Militärparade zum 70.Staatsjubiläum aufwerten? Der Geheimdienst des Landes hat sicher in ein paar Minuten herausgefunden, dass nach dem Tod von Mao und Honecker unter allen lebenden Prominenten allein Gerard Depardieu für den Job in Frage kommt. So geschah es: Der große, populäre Mime nahm auf der Ehrentribüne Platz und glotzte die Panzer drunten an. Und das lief sicher nicht so, dass er einfach landete und fragte, ob er mal rein darf. Hält er auch Nordkorea für eine große Demokratie? Kostet vermutlich extra.

Aber vielleicht ist das alles auch ein Missverständnis, vielleicht kommt er auf jedes Fest, wenn nur die Getränkeversorgung garantiert ist. Vielleicht zum Fest der deutschen Einheit? Da würde er dann zumindest mal eine wirklich große Demokratie feiern.

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