Künftig nicht mehr kostenlos: Der Discounter Aldi verlangt ab diesem Sommer einen Cent pro Plastiktüte. Foto: Marcel Kusch/dpa
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Matthies meint Knoten im Hemdchen

Aldi hat beschlossen, dass die dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse bald einen Cent kosten sollen. Reine Symbolpolitik, meint unser Kolumnist. Eine Glosse.

Das Thema ist im Grunde erledigt. Greta Thunberg ist Favoritin für den diesjährigen Friedensnobelpreis, Rezo kriegt bestimmt den Grimme-Preis oder doch zumindest den Orden wider den tierischen Ernst – und Aldi hat nun dem Mini-Plastikbeutel den finalen Kampf angesagt. Geht noch mehr?

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zunächst die genaue Bezeichnung. Die Verantwortlichen sprechen von „Hemdchenbeutel“, aber auch das Wort „Knotenbeutel“ kommt öfter vor. Es handelt sich nicht um die alte Plastiktüte, deren Beliebtheit sich ja langsam dem von AKW-Brennelementen nähert, sondern dieses ultraleichte Knisterding, das gern mal vier Äpfel zusammenhält, sofern der Kunde es schafft, den Eingang zwischen den Hemdchenträgern frei zu pfriemeln. Es ist normalerweise in Rollen zwischen dem Gemüse zu finden, hält Ordnung zwischen den Dingen, schützt auch mal notdürftig lose Erdbeeren und ist im Grunde sonst zu nichts zu gebrauchen; auch erneute Verwendung dürfte kaum üblich sein.

Aldi macht das nun so, dass der Beutel nicht abgeschafft, sondern aus wiederverwertbarem Material hergestellt und verkauft wird: Für, taaaadam, einen Cent. Nun gilt es als ökonomisches Basiswissen, dass der Aldi-Kunde sparsam einkauft – aber wird er sich den Hemdchenbeutel verleiden lassen, nur um zwei oder drei Cent weniger auszugeben? Es ist ein bisschen so wie mit der verfemten Tüte im Bekleidungshandel, die zehn Cent kostet, damit der Kunde Einkäufe im Wert von mehreren hundert Euro heil nach Hause bekommt. Ja, er kann einen Mehrweg-Einkaufsbeutel aus mundgeblasener Jute von zuhause mitbringen, aber wie passt da ein ganzer Mantel nebst Hosen und T-Shirts...?

Ich schweife ab. Man wird kaum umhin kommen, die Aldi–Aktion als rein symbolpolitisch zu qualifizieren. An der Kasse gibt es den Pflichthinweis auf den Cent, der Kunde wird ihn bezahlen und sich vielleicht fragen, weshalb praktisch alles, was er sonst so im Einkaufswagen hat, mehr oder weniger dick in Plastik eingeschlagen oder abgefüllt ist. Das ist gerade für Aldi, wo kaum etwas lose verkauft wird, ziemlich typisch.

Wir werden halt wieder ein wenig pädagogisch angeschubst und lösen wohlmeinend Probleme, die andere haben. Okay! Das sind die Leute draußen von Deutschland gewöhnt, das erwarten sie, da soll man nicht meckern. Mein Vorschlag: Einfach zum nächsten Einkauf ein paar Hemdchenbeutel mitbringen. Dann ärgern sie sich bei Aldi.

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