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Die erste, die mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft wird: Margaret Keenan Foto: AFP/Jacob King
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Update Massenimpfung in Großbritannien gestartet 90-Jährige bekommt als erste den Impfstoff von Biontech und Pfizer

In britischen Krankenhäusern ist das Impfprogramm für die Bevölkerung angelaufen. Die Regierung hat neun Gruppen festgelegt, die zunächst die Spritzen bekommen.

In Großbritannien haben die Massenimpfungen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech-Pfizer begonnen. Als erster Mensch der Welt seit der Zulassung des Impfstoffs sei die 90-jährige Britin Margaret Keenan geimpft worden, berichtete die BBC am Dienstag. Sie bekam die Spritze in einem Krankenhaus in Coventry.

„Das ist das beste vorzeitige Geburtstagsgeschenk“, sagte Keenan, die kommende Woche 91 Jahre alt wird, nach der Impfung. Nun könne sie sich darauf freuen, im neuen Jahr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, „nachdem ich fast das ganze laufende Jahr über alleine war.“

Ihre Landsleute rief Keenan dazu auf, sich ebenfalls impfen zu lassen. „Wenn ich sie mit 90 bekommen kann, können Sie es auch“, sagte sie.

Großbritannien zählt in der Corona-Pandemie zu den am stärksten betroffenen Ländern Europas. Mehr als 61.300 Menschen sind bislang an oder in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Die Gesamtzahl der nachweislich Infizierten hat die Zahl von 1,7 Millionen überschritten.

Den Impfstoff von Biontech und Pfizer hatten die britischen Behörden im Eiltempo zugelassen. 

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Die Organisation der Impfungen für Millionen von Briten ist eine Herausforderung. Ein Überblick in Fragen und Antworten.

Warum ist Großbritannien so schnell mit der Impfung?

Der britische Premier Boris Johnson, der selbst mit dem Coronavirus infiziert war und auf der Intensivstation einer Klinik behandelt wurde, ist immer wieder heftig kritisiert worden für sein Krisenmanagement. Bei der Zulassung eines Impfstoffs nun waren die britischen Behörden schneller als die Europäische Union und die USA.

Am 2. Dezember bekam der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer die Notfallzulassung durch die zuständige Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) – gerade einmal zwei Tage nach der Antragstellung. 

Der zeitgleich bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) gestellte Antrag auf Zulassung in der EU braucht länger in der Bearbeitung, weil zur Prüfung des Impfstoffs etwa auch eine öffentliche Anhörung gehört.

So fielen für die Zulassung in Großbritannien Prüfschritte weg, zudem bedurfte es keiner Abstimmung mit vielen anderen Staaten, wie es in der EU nötig ist. Deren Mitglieder haben darüber hinaus auch verabredet, auf Alleingänge beim Impfstoff zu verzichten.

Die Ema hat eine Entscheidung über den Impfstoff, der nach Angaben von Biontech und Pfizer eine Wirksamkeit von 95 Prozent erzielt, bis Ende Dezember angekündigt. Trotz des so viel schnelleren Prüfverfahrens sei der Impfstoff aber absolut sicher, betonten Vertreter der britischen Gesundheitsbehörden immer wieder.

Wie ist die Impfung in Großbritannien organisiert?

Die Impfung der Bevölkerung sei „der Anfang vom Ende“ der Corona-Pandemie im Vereinigten Königreich, sagt Stephen Powis, der Medizinische Direktor des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS). Doch die Aufgabe, den Impfstoff an die Bevölkerung zu bringen, sei „ein Marathon und kein Sprint“, zitiert die BBC Powis. Es werde Monate dauern, all diejenigen zu impfen, die es nötig haben.

Rund 800.000 Corona-Impfstoffdosen sollen in Großbritannien zum Start der Impfung zur Verfügung stehen. 40 Millionen Dosen hat Großbritannien insgesamt bestellt. Das reicht erst einmal, um 20 Millionen Menschen zu impfen – denn das Mittel muss im Abstand von 21 Tagen zweimal verabreicht werden.

Eine Herausforderung bei der Verteilung im Land: Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad transportiert und gelagert werden. Das Mittel wird in Belgien hergestellt. In Kühlcontainern wurden die ersten Lieferungen des Impfstoffs an geheim gehaltene Orte in Großbritannien gebracht und von dort an Krankenhäuser verteilt. Später könnte beim Transport auch das Militär helfen, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums der BBC.

In England wurden zunächst 50 Kliniken als Impfzentren ausgewählt, später soll auch in Arztpraxen oder etwa in Sportstadien geimpft werden. In Schottland, Wales und Nordirland beginnen die Impfungen ebenfalls am Dienstag.

Der NHS hat nach Angaben der BBC 30.000 Freiwillige geschult, die dann auch Impfungen verabreichen können.

Gut gekühlt: Lagerung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer in einem Krankenhaus in Croydon im Süden Londons Foto: AFP/Gareth Fuller/Pool Vergrößern
Gut gekühlt: Lagerung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer in einem Krankenhaus in Croydon im Süden Londons © AFP/Gareth Fuller/Pool

In welche Reihenfolge wird in Großbritannien geimpft?

Zuerst werden in Großbritannien Covid-19-Patienten in Krankenhäusern geimpft sowie Genesene, die die Kliniken verlassen können. Die Behörden haben dann neun Gruppen festgelegt, die in dieser Reihenfolge dann geimpft werden sollen.

  • Bewohner von Heimen für Ältere, Pflegpersonal sowie medizinisches Personal;
  • Alle Menschen ab 80 und mehr Lebensjahren, medizinisches Personal sowie Sozialarbeiter;
  • Alle Menschen ab 75 und mehr Lebensjahren;
  • Alle Menschen ab 70 und mehr Lebensjahren sowie besonders Gefährdete;
  • Alle Menschen ab 65 und mehr Lebensjahren;
  • Alle Menschen zwischen 16 und 64 Lebensjahren mit gesundheitlicher Vorbelastung;
  • Dann folgen Gruppen der Menschen ab 60, ab 55 und 50 Lebensjahren.

Wer an der Reihe ist, wird vom NHS kontaktiert. Zu den ersten, die sich impfen lassen wollen, zählt auch Queen Elizabeth. Die 94 Jahre alte Monarchin und ihr fünf Jahre älterer Gatte Prinz Philip seien wegen ihres hohen Alters Teil der Corona-Hochrisikogruppe und hätten deshalb Anspruch darauf, sich frühzeitig immunisieren zu lassen, berichtete die Zeitung „Mail on Sunday“.

Ranghohe Mitglieder des Königshauses wollen demnach ihre eigene Impfung öffentlich bekanntgeben, um auf diese Weise mehr Menschen zu ermutigen, sich die „lebenswichtige Spritze“ ebenfalls geben zu lassen.

Queen Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philip an ihrem 73. Hochzeitstag am 20. November Foto: dpa/PA Media/Chris Jackson/Buckingham Palace Vergrößern
Queen Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philip an ihrem 73. Hochzeitstag am 20. November © dpa/PA Media/Chris Jackson/Buckingham Palace

Und was kommt nach der ersten Impfung?

In Großbritannien sollen alle Menschen ab dem 16 Lebensjahr geimpft werden, insgesamt etwa 50 Millionen Menschen, was Monate dauern wird. Dass drei Wochen nach der ersten Impfung eine zweite Spritze folgen muss, macht die Aufgabe noch gewaltiger. Eine der größten Herausforderungen des Impfprogramms – nicht nur in Großbritannien – ist also sicherzustellen, dass die Geimpften tatsächlich die zweite Dosis bekommen, sagen Mediziner.

Und immer wieder betonen die Behörden, dass mit der Impfung die Pandemie nicht einfach verschwinden wird. „Es ist weiter wichtig, die Abstandsregeln und andere Beschränkungen zu beachten, damit wir uns gegenseitig schützen“, mahnt der NHS.

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