Der Hagelberggipfel - nicht mehr als eine flunderflache Erhebung

Der Kutschenberg im Osten Brandenburgs gilt jetzt als höchster Berg. Foto: Torsten Hampel
Märker, die auf Hügel steigen Ringen um Rekord: Wer hat den höchsten Berg in Brandenburg?

Uschner las nach seiner Entdeckung im „Heimatkalender“ seines Heimatvereins: „In unseren Köpfen entwickelten sich Ideen von der touristischen Nutzung des Berges und von einem grandiosen Bergfest. Es bleibt zu hoffen, dass recht viele Besucher aus nah und fern in unser schönes Elbe-Elster-Land kommen, um den höchsten Berg Brandenburgs zu besuchen.“ Den neuen, echten, wahren höchsten. Wer Aufmerksamkeit und Hoffnung haben will, der braucht Superlative. Rekorde, berühmtes Personal.

Wer Goethe hat, hat gewonnen

Die Zugspitze. Den Bodensee. Caspar David Friedrich. Vielleicht Fontane. Den bayerischen König Ludwig. Goethe. Wer Goethe hat – und nicht nur als Durchreisenden und bestenfalls mit Schiller noch dazu –, der hat gewonnen. Die kleine Stadt Weimar ist weltbekannt. Potsdam hat Sanssouci, und die Uckermark hat Lieblichkeit und ein paar Störche und damit das Wohlwollen der Berliner.

Brandenburgs Südosten hat dank Uschner den Kutschenberg, den Landesrekordhalter in der Disziplin Gipfelhöhe. Uschners großer Coup und Schmöhls Niederlage sind jetzt 15 Jahre her. Eine Neuvermessung brachte damals an den Tag, dass nicht, wie bis dahin angenommen, der Hagelberg bei Bad Belzig der landeshöchste ist, sondern jener Kutschenberg im Südosten, nahe der Ortschaft Großkmehlen. Ausweislich des Statistischen Jahrbuchs ist er 201 Meter hoch. Der Hagelberg hat einen Meter weniger.

Gelegentlich ist aus diesem Umstand eine Rivalität zwischen den beiden Landschaften konstruiert worden. Eingeweihte aus dem Elbe-Elster-Land erinnern sich noch an Werbeaufsteller für die „Bild“-Zeitung im vergangenen Winter, da war sogar von einem „Krieg“ die Rede.

„Den gab es nie“, sagt Uschner. Gab es denn den Besucheransturm? „Auch eher nicht“, sagt er. „Der Berg ist ja abgelegen, man findet den ja nicht so leicht. Eine Aussicht gibt es auch nicht.“

Und wie ist das bei Ihnen, Herr Schmöhl? Besuchen den Hagelberg, seit er nur noch Brandenburgs Nummer zwei ist, weniger Menschen als zuvor? Schmöhl ist rausgefahren aus seiner Burg, er geht gerade einen sanft ansteigenden Grasweg hinauf, so sanft, dass im Winter nicht mal Schlittenfahrten infrage kommen. Links und rechts Gärten, dann junge Eichen, alte Eichen, ein Kirschbaum, Birken, eine kleine Kiefer kommt auf. 250 Schritte macht Schmöhl, und schließlich steht er auf einer offenen Wiese. Der Hagelberggipfel. Endmoräne, Saale-Eiszeit, 150 000 Jahre alt und nicht mehr als eine flunderflache Erhebung in der Landschaft.

Das erste Gipfelkreuz Brandenburgs

Wie um das wettzumachen, steht hier seit 2006 tatsächlich ein Gipfelkreuz. Brandenburgs erstes Gipfelkreuz! Versehen mit der großzügig und falsch aufgerundeten Höhenangabe „201 m ü.N.N.“ und einem rotlackierten Blechkasten. Schmöhl greift hinein und holt einen Plastikhefter heraus, das Gipfelbuch. Er blättert es durch. Jede Seite darin ist beschrieben.

„Egon, Erich, Joachim und Dieter haben mit Fahrrädern den Gipfel erklommen. Männertag, Aussicht sehr gut, alles grün, super.“

„Erfolgreich bezwungen von Ali, Christoph, Elli und Oli.“

„Auch ohne Steigeisen und Trekkingstöcke haben wir, ein einsamer Mann mit zwei Frauen, diesen Gipfel erfolgreich bestiegen. Obwohl noch unter der Baumgrenze, ist es saukalt.“

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