Der US-Konzern Blackrock ist an 17.000 Unternehmen beteiligt. Foto: Brendan McDermid/Reuters
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Mächtige Finanzkonzerne Der Einfluss der globalen Geldverwalter ist brandgefährlich

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Unglaubliche sechs Billionen Dollar kontrolliert der Vermögensverwalter Blackrock. Das sichert Einfluss und verhindert Wettbewerb. Die Politik muss dem Einhalt gebieten. Ein Kommentar.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Red Bull führte nicht nur den RB Leipzig, sondern übernähme auch Anteile des FC Bayern München, von Hertha BSC, Schalke 04 und Hoffenheim. In der Bundesliga spielten plötzlich Mannschaften gegeneinander, deren Miteigentümer ein und derselbe ist.

Wer würde sich nicht Sorgen machen um Kampfgeist, Ticketpreise, Transfers? Nicht zuletzt um die Qualität der Spiele? Schließlich hätte ein solcher Großaktionär wenig Verständnis, wenn sich seine teuer eingekauften Stars gegenseitig kaputtgrätschen, um ein nicht ganz so wichtiges Tor zu verhindern.

Wenn Anbieter dem selben Anteilseigner gehören

Abwegig? In anderen Branchen ist etwas Vergleichbares längst Alltag. Luftfahrt, IT, Pharma, Elektrogeräte: In vielen Sektoren stehen heute hinter allen wichtigen Anbietern dieselben Anteilseigner. Keine Einzelpersonen, sondern gewaltige Vermögensverwalter wie Blackrock, Vanguard oder State Street.

Allein Blackrock kontrolliert 6,3 Billionen Dollar – mehr als das Achtfache der deutschen Steuereinnahmen 2017. Der US-Konzern ist beteiligt an rund 17.000 Unternehmen und einflussreicher Großaktionär bei fast allen börsennotierten Weltkonzernen in den USA und Europa.

Das hat Folgen. 2016 zeigte eine Studie der Universität von Michigan, dass Flugreisende bis zu zehn Prozent mehr zahlen müssen, als es bei einem Wettbewerb zwischen klassischen Konkurrenten anzunehmen gewesen wäre.

Das Gleiche bei den fünf US-Großbanken, die ebenfalls unter der Kontrolle weniger Vermögensverwalter stehen: Je weniger Eigentümer, desto höher fielen die Kontoführungsgebühren aus, und desto weniger Zinsen bekamen die Kunden für ihr Geld.

Machtkonzentration angeprangert

Für solche Effekte bedarf es nicht mal finsterer Strippenzieherei. Es reicht, wenn die Großaktionäre nichts tun. Ohne Druck kein Wettbewerb. Deutsche Monopolkommission, OECD und EU- Kartellaufsicht reagierten prompt und prangerten die Machtkonzentration zu Recht an.

Doch was tut die Politik? Statt die Verstrickungen aufzuklären und die Folgen für die Bürger offenzulegen, hat bislang keine Regierung eines EU-Staates den Mut gehabt, gegen die Oligarchie der Geldverwalter vorzugehen. Das Bundeswirtschaftsministerium kniff 2017 gleich ganz und degradierte die Arbeit der Forscher aus Michigan zur „theoretischen Vermutung“ – nachdem der Deutschland-Chef von Blackrock beim Ministerium Beschwerde eingereicht hatte.

Grenzen zwischen Wirtschaft und Politik verschwimmen

Es kommt noch ärger. Das Problem wurde nicht nur kleingeredet – Politik und Wirtschaft vermischen sich zunehmend auf bedenkliche Weise.

Schon während der Griechenland-Krise war Blackrock an der Prüfung der dortigen Geldinstitute beteiligt, später engagierten die Notenbanken von Frankreich, Spanien und den Niederlanden die Amerikaner. Die EZB ließ 2014 Blackrock den Stresstest für 39 Europäische Banken organisieren. Wohlgemerkt ein Unternehmen, das selbst in etlichen Banken investiert ist.

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Spätestens hier wird aus dem wirtschaftlichen Problem ein gesellschaftliches. Die Politik scheint mit der ihr übertragenen Regulierung transnationaler Wirtschaftsverflechtungen überfordert. Oder sie ist schlicht nicht willig, zu sehen, welche Gefahren darin liegen, Großkonzernen Zugang zu staatsrelevanten Wirtschaftsdaten zu gewähren. Doch egal ob inkompetent oder grob fahrlässig: Dass so Vertrauen zerstört wird, darf niemanden wundern.

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