Wagenknecht: Menschlich kann ich Gerhard Schröder verstehen

Altkanzler Gerhard Schröder sagt, die Familie Lafontaine wolle die SPD nur vorführen. Sahra Wagenknecht, hier mit Ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, sagt, sie könne menschlich verstehen, dass Schröder angefasst sei. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht "SPD springt über jedes Stöckchen, das ihr hingehalten wird"

Die Außenpolitik wird immer als Argument genannt, warum Rot-Rot-Grün nicht funktionieren kann.

Das stimmt, solange SPD und Grüne Interventionskriege befürworten und die aktuelle Aufrüstung mittragen. Mit Zustimmung der SPD steigen die Rüstungsausgaben in diesem Jahr um acht Prozent. Das ist tatsächlich mit unseren Positionen unvereinbar.

Ist Rot-Rot-Grün tot?

Es sieht so aus, aber der Killer wurde nicht von der Linken beauftragt. Wir wünschen uns eine andere, eine sozialere und friedlichere Politik. Aber die Grünen und auch die SPD signalisieren doch jeden Tag, dass sie eigentlich gar nichts Wesentliches ändern wollen.

Schuld sind immer die anderen?

Die Präferenz der grünen Spitzenkandidaten für Schwarz-Grün ist bekannt. Die SPD unter Martin Schulz redet zwar gern von sozialer Gerechtigkeit. Aber sie hat ein mutloses Wahlprogramm vorgelegt, das selbst hinter ihren Forderungen aus dem Wahlkampf von 2013 zurückbleibt. Wer an Hartz-IV, Niedriglöhnen und Armutsrenten nichts ändern will, kann sich allerdings auch das Gerechtigkeitsgerede sparen. Im privaten wie im politischen Leben ist es nicht ratsam, jemanden als Partner zu umwerben, der erkennbar gar kein Interesse zeigt. Ich höre nur Stimmen, die Rot-Rot-Grün ausschließen und zwar von Seiten der SPD und der Grünen. Stalking ist nicht meine Sache.

Sie sind beleidigt?

Es geht um Politik und nicht um Eitelkeiten. Die Linke ist in Opposition zum Sozialabbau der Agenda 2010 gegründet worden. Diese Tradition schließt aus, sich Parteien als Partner anzudienen, die die Kernelemente der Agenda 2010 unverändert verteidigen.

Sehen Sie sich von Schulz getäuscht?

Herr Schulz gehörte nie zur SPD-Linken. Trotzdem haben seine ersten Ankündigungen die Hoffnung geweckt, er würde die SPD wieder zu einem sozialeren Kurs führen. Das fanden wir gut. Aber nach kurzer Zeit ist er leider schon wieder eingeknickt, seither lässt sich die SPD von der Union treiben und springt über jedes Stöckchen, das ihr hingehalten wird.

Warum?

Nach der Saarland-Wahl ist der Druck auf Schulz größer geworden, dem hat er nicht standgehalten. Dabei war diese Wahl, bei der die SPD offen für Rot-Rot war, die einzige in diesem Jahr, bei der sie keine katastrophalen Verluste verbuchen musste.

Gerhard Schröder sagt, dass Sie und Oskar Lafontaine die SPD nur vorführen wollen.

Ach was. Schröder steht für die Politik, gegen die die Linke sich gegründet hat. Ist doch klar, dass das nicht miteinander kompatibel ist. Politisch sind die Sozialdemokraten immer noch auf Schröder-Kurs, vielleicht nicht in Bezug auf Russland, aber in Bezug auf prekäre Jobs oder die ungerechte Steuerpolitik. Ihr früherer Vorsitzender Lafontaine erinnert sie daran, dass die SPD auch mal etwas anderes war als eine Sozialabbau-Partei. Das schmerzt.


Jetzt drehen Sie den Spieß nur um.

Dass Schröder angefasst ist, kann ich menschlich verstehen, immerhin hat es ihn die Kanzlerschaft gekostet, dass Lafontaine 2005 zur Wahl angetreten ist.

Willy Brandt würden Sie zum Kanzler wählen, oder?

Klar. Ich wünschte, wir hätten einmal wieder die Chance auf einen Kanzler mit dieser politischen Ausrichtung.

Ist eine Wiedervereinigung von SPD und Linken noch Utopie oder schon unmöglich?

Das ist eine abwegige Frage. So wie die SPD sich entwickelt, könnte sie sich aktuell eher mit Merkels CDU vereinigen.

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