Li Rui im September 2006 Foto: AFP/Goh Chai Hin
© AFP/Goh Chai Hin

Li Rui Maos Bürochef und späterer Kritiker stirbt 101-jährig

Er war ein Weggefährte Mao Zedongs - und wurde dann zum Kritiker der Kommunistischen Partei Chinas. Nun ist Li Rui in Peking gestorben.

Der ehemalige Privatsekretär von Mao Zedong und spätere Kritiker der Kommunistischen Partei Chinas, Li Rui, ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Wie seine Tochter der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, starb Li am Samstag in Peking an multiplem Organversagen aufgrund einer Lungenentzündung, die er sich bereits im vergangenen Jahr zugezogen hatte. Bis zuletzt setzte er sich für demokratische Reformen in China ein.

Li beschäftigte sich unter Mao in den 50er Jahren vor allem mit der industriellen Entwicklung Chinas nach der Revolution. Nach seiner deutlichen Kritik an der verheerenden Bilanz von Maos "Großer Sprung"-Kampagne fiel er jedoch in Ungnade und wurde aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Während der Kulturrevolution verbrachte er acht Jahre im berüchtigten Qincheng-Gefängnis für politische Häftlinge.

Erst nach dem Tod Maos und im Zuge der vorsichtigen Öffnung Chinas unter dem Reformer Deng Xiaoping wurde Li 1979 rehabilitiert. Er übernahm eine Schlüsselrolle in der einflussreichen Organisationsabteilung der Partei, verlor diese aber schon wenige Jahre später wieder.

Über die Jahre entwickelte sich Li zunehmend zu einem unerschrockenen Befürworter demokratischer Reformen. In mehreren Artikeln rief er die KP 2007 auf, sich in eine sozialistische Partei nach europäischem Vorbild zu verwandeln. Drei Jahre später sorgte er international für Aufsehen, als er sich gemeinsam mit anderen früheren ranghohen KP-Mitgliedern und Medienvertretern für politische Reformen und ein Ende der Zensur einsetzte.

Noch im vergangenen Jahr sprach sich Li öffentlich gegen eine Änderung der chinesischen Verfassung aus, die es dem derzeitigen Präsidenten Xi Jinping ermöglichte, unbegrenzt an der Macht zu bleiben. Er verfasste darüber hinaus eine Reihe von Büchern über Mao, von denen einige nach seinen eigenen Angaben in China verboten wurden.

Nach Angaben seiner Tochter Li Nanyang schrieb Li bis zuletzt. Seine Worte hätten sie angeregt, in seine Fußstapfen zu treten, schrieb sie nun in einer E-Mail an AFP. (AFP)

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