Der Lehrberuf muss wieder an Attraktivität gewinnen. Foto: Marijan Murat/dpa
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Lehrermangel Der Lehrberuf braucht mehr gesellschaftliche Anerkennung

Kleinere Klassen, mehr Geld - aber kaum noch Studenten. Der Lehrberuf muss auch für Quereinstiger attraktiver werden. Eine Kolumne.

Guten Tag, ich bin die Lehrerschwemme! Seid ihr der Pillenknick? – So begrüßt ein Herr im schwarzen Anzug eine riesige Zahl von Schülern, die in zweier Bänken vor ihm sitzt. Diese Karikatur erschien im Jahr 1975 im Spiegel. Es war die Zeit als noch jeder vierte Abiturient Lehrämter studierte, aber auch eine Zeit, in der die Bundesländer, zuständig für Bildung, zum Sparen verdammt waren. Die Bundesrepublik war in die zweite Wirtschaftsflaute geraten mit einer steigenden Zahl an Arbeitslosen und abnehmenden Investitionen. Statt endlich die zu hohen Schülerzahlen von 35, gar 40 Schülern pro Klasse senken zu können, wurden die zahlreich zur Verfügung stehenden Lehramtskandidaten in die Arbeitslosigkeit geschickt. Hoher Stundenausfall wurde zur Regel, selbst in Bayern. In Hamburg schlossen sich Elternvertretungen zusammen und wüteten öffentlich mit dem Slogan: „Haut den Senatoren den Rotstift um die Ohren“.

44 Jahre später scheint alles besser - aber es herrscht Lehrermangel

44 Jahre später ist fast alles besser: kleinere Klassen, viel Geld, Bildung als gefragtes Gut. „Zukunft Bildung“ heißt die Themenwoche bei der ARD im kommenden November. Doch es herrscht Lehrermangel. Eine aktuelle Bertelsmann-Studie prognostiziert, dass bis 2025 mehr als 26.000 Grundschullehrer fehlen. Liegt das daran, dass die zuständigen Ministerien den Bedarf, einschließlich der Studienplätze falsch kalkuliert haben? Wäre es das allein, ließe es sich ja noch den Realitäten anpassen. Doch der Lehrerberuf hat an Attraktivität verloren. Im Jahr 2018 begannen nur sieben Prozent der Studienanfänger, etwa 30.000 Frauen und Männer, ein Lehramtsstudium. Wirklich überraschend ist es deshalb nicht, wenn beispielsweise eine Schülerin als einzige von 25 im Deutschkurs erklärt, Lehrerin werden zu wollen und sich mitleidige Blicke einfängt, statt anerkennende.

Was es jetzt braucht, ist hohe gesellschaftliche Anerkennung, Aufstiegschancen auch außerhalb von Schule und mehr für diejenigen, die auf andere wertgeschätzte akademische Berufe verzichtend, heute und künftig Kinder und Jugendliche erziehen und bilden.

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