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Die Bundesregierung und die Länder wagen eine vorsichtige Öffnung der Schulen. Foto: imago images/Jochen Tack
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„Lange keine Rückkehr zum gewohnten Unterricht“ Die neuen Corona-Beschlüsse für Schulen im Überblick

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten wollen den Schulbetrieb ab dem 4. Mai langsam wieder starten. Doch die Länder handhaben das unterschiedlich.

Trotz der prinzipiellen Übereinkunft von Bund und Ländern über eine behutsame Wiederöffnung der Schulen geht die SPD-Vorsitzende Saskia Esken von einem langen coronabedingten Notbetrieb aus. „Es wird auf lange Sicht keine Rückkehr zum gewohnten Unterrichtsgeschehen geben“, sagte die frühere baden-württembergische Landeselternvertreterin dem „Handelsblatt“.

„Das Gebot der Stunde heißt also weiterhin digital gestütztes Lernen.“ An diesem Donnerstag befassen sich mehrere Landeskabinette mit der praktischen Umsetzung der Beschlüsse.

Für die Wiederöffnung der Schulen sind nach Einschätzung der Lehrer-Gewerkschaft GEW zwei Wochen Vorlauf nötig. „Dafür braucht es eine sorgfältige Vorbereitung“, erklärte die Vorsitzende Marlis Tepe in der „Passauer Neuen Presse“. Die Schulen müssten Unterricht in Kleingruppen organisieren, damit der Abstand eingehalten werden könne.

Die Gesundheitsämter müssten Gesundheitschecks vornehmen: „Es braucht ausreichend Seife und Einmalhandtücher. Die Toiletten müssen mehrmals am Tag gereinigt, Türgriffe desinfiziert werden.“

[Mehr zum Thema: Was ändert sich, was bleibt wie es ist? Das haben Bund und Länder beschlossen]

Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, zweifelt an der Umsetzbarkeit in so kurzer Zeit. „Es ist ausgeschlossen, dass die Schulen ihre oft maroden sanitären Einrichtungen bis zum 4. Mai so in Ordnung bringen, wie es in dieser Pandemie-Situation nötig wäre“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Es fehlt oft schon an warmem Wasser in den Toilettenräumen - von Waschbecken in den Klassenräumen möchte ich gar nicht sprechen.“

Eher mit Unterricht für die Jüngeren starten?

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte dem RND: „Es sind viele komplexe Fragen zu lösen, ohne eine Erhöhung der Infektionsrate zu riskieren.“

Pädagogisch hätte GEW-Chefin Teape ein altersmäßig umgekehrtes Vorgehen als nun geplant empfohlen: „Wir sollten eher mit dem Unterricht der Kleinen in Teilgruppen beginnen und mit den Grundschulen und den Klassen fünf und sechs starten. Die älteren Schüler können schon mehr im Fernunterricht daheim leisten.“

Vorgesehen ist jedoch etwas anderes.

Die Beschlüsse für Schulen im Überblick:

  • Der Schulbetrieb soll ab dem 4. Mai schrittweise beginnen.
  • Zuerst sollen Abschlussklassen, die Jahrgänge davor und die obersten Grundschulklassen wieder in die Schulen kommen.
  • Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen können schon vorher stattfinden. So will Nordrhein-Westfalen damit bereits nach einer kurzen Vorbereitungszeit nach dem 20. April beginnen, also wohl nächste Woche; andere Länder planen das in der Woche darauf.
  • Andere beginnen später: Das von der Pandemie besonders betroffene Bayern will den Schulbetrieb erst ab 11. Mai schrittweise wieder aufnehmen. Allerdings dauert dort wegen des späten Sommerferienbeginns das Schuljahr auch noch länger, so dass der Zeitdruck weniger groß ist.
  • Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) soll bis 29. April ein Konzept vorlegen, „wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere unter Berücksichtigung des Abstandsgebots durch reduzierte Lerngruppengrößen, insgesamt wieder aufgenommen werden kann“.

Die Bildungsminister einigten sich am Abend auf ein prinzipiell einheitliches Vorgehen. „Es gibt ein großes Bestreben, dass wir gleiche Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs der Deutschen Presse-Agentur. „Dafür haben wir jetzt zwei Wochen Zeit“.

Die Beschlüsse in Berlin

Im Berliner Senat gab es am Donnerstag eine Verständigung auf einen Stufenplan für Schulen und Kitas, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ihn vorgelegt hatte. Demnach sollen an diesem Montag, 20. April, in Berlin die Abiturprüfungen starten. Los geht es zunächst mit dem Fach Latein, zwei weitere Prüfungen folgten dann im Lauf der Woche. Berlins Schulen sollen dann schrittweise ab der Woche darauf öffnen: am 27. April für die 10. Klassen zur Vorbereitung auf den Mittleren Schulabschluss, am 4. Mai für die 11. Klassen an Gymnasien, die 9. und 12. Klassen an Integrierten Sekundarschulen sowie die 6. Klassen an Grundschulen.

Die Kitas sollen erst ab dem 1. August zum Regelbetrieb zurückkehren. Bis dahin ist eine schrittweise Erweiterung der Notbetreuung ab dem 27. April vorgesehen. Zunächst sollen mehr Berufsgruppen unter die Ein-Eltern-Regelung fallen. Es müssen dann also nicht mehr beide Elternteile in systemrelevanten Berufen arbeiten. Außerdem gibt es eine Öffnung für Kinder aus Familien beziehungsweise von Alleinerziehenden in besonders herausfordernden Situationen. Später sollen zusätzliche Berufsgruppen benannt werden, künftige Schulanfänger zurückkehren, die Eingewöhnung von neuen Kindern beginnen. Wie schnell diese Schritte umgesetzt werden können, hängt vom weiteren Verlauf der Epidemie ab. (Tsp/dpa)

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