Männer wählen mehrheitlich AfD - zumindest in Sachsen. Anhänger von Pegida vor der Frauenkirche in Dresden. Foto: Arno Burgi/dpa
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Update Landtagswahl in Sachsen Hätten nur die Männer gewählt, wäre die AfD stärkste Partei geworden

Die AfD liegt bei Männern und den Jungwählern in Sachsen vorn. Die CDU punktet vor allem bei den Über-60-Jährigen.

Die CDU hat die Landtagswahl in Sachsen trotz deutlicher Verluste gewonnen. Die Partei von Ministerpräsident Michael Kretschmer kommt nach Auszählung aller Wahlkreise am Sonntagabend auf 32,1 Prozent der Zweitstimmen - vor der AfD mit 27,5 Prozent. Die Linken erreichen 10,4 Prozent, die Grünen gewinnen mit 8,6 Prozent hinzu. Die SPD stürzt auf ein historisches Tief von 7,7 Prozent, die FDP verpasst den Einzug in den Landtag mit 4,5 Prozent. Die AfD konnte vor allem bei den männlichen und den jungen Wählern punkten. Bei beiden Gruppen wurde die AfD stärkste Partei.

Damit ist die bisherige Koalition von CDU und SPD unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) abgewählt. Er kann aber hoffen, weiter zu regieren, wenn er dafür mindestens einen weiteren Partner findet: In den Fokus rücken hier – ebenso wie in Brandenburg – die Grünen. Sie können ihren bundesweiten Höhenflug nun auch in Sachsen fortsetzen und ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Eine Koalition mit den Rechtspopulisten schließen alle Parteien aus. Regierungschef Kretschmer hat seinerseits eine Minderheitsregierung unter seiner Führung bereits eine Absage erteilt.

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Beim Wahlverhalten von Männern und Frauen gibt es in Sachsen deutliche Unterschiede. Während bei den Frauen auch die CDU mit 37 Prozent der Stimmen stärkste Partei geworden wäre, hätte bei den Männern die AfD mit zwei Prozentpunkten Vorsprung gewonnen.

Auch in den Altersgruppen gibt es starke Unterschiede. Während die CDU bei den Über-60-Jährigen auf 43 Prozent der Stimmen kam, wurde die AfD bei den Wählern unter 30 Jahren stärkste Partei. 22 Prozent der Jungwähler stimmten für die Rechtspopulisten. Die Grünen holten in dieser Altersgruppe 19 Prozent der Stimmen.

Interessant im Vergleich der beiden Bundesländer, die am Sonntag wählten, in Bezug auf die AfD: Die AfD-Wähler in Sachsen sind weitaus überzeugtere Wähler der Rechtspopulisten als die AfD-Wähler in Brandenburg. In der Mark stimmten die Bürger eher aus Protest für die AfD. In Sachsen scheint die Partei schon über den Status einer Protestpartei hinaus.

Die einschneidenden Ergebnisse dürften die große Koalition von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch stärkeren Fliehkräften aussetzen. Allerdings wird eine Entscheidung über ein vorzeitiges Ende erst im Dezember erwartet. Erst dann dürfte nach dem Bundesparteitag der SPD feststehen, wer künftig die Partei führen soll und ob man in der Koalition bleiben will.

Aber schon jetzt wird sich die innerparteiliche Debatte über den richtigen Kurs und über den Verbleib in der ungeliebten, zu schmerzhaften Kompromissen zwingenden, Großen Koalition verschärfen. Auch für FDP-Chef Christian Lindner und seine neue Generalsekretärin sind die Ergebnisse eine Hypothek, zuletzt konnten die Liberalen auch im Bund nur bedingt mit eigenen Themen durchdringen.

Zudem wächst 80 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Sorge, dass Deutschland gerade im Osten weiter nach rechts rückt - und die Koalitionsbildung immer komplizierter wird. Die AfD selbst sieht sich auf dem Weg zur neuen Volkspartei - allerdings ist sie im Westen wesentlich schwächer. Die Ergebnisse gelten auch als Ausdruck einer erheblichen Frustration über Strukturbrüche, Abwanderungen, Absterben gesellschaftlicher Strukturen und fehlende Anerkennung von Lebensleistungen.

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