Oskar Lafontaine (Archivbild von 2017) Foto: dpa/Oliver Dietze
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Lafontaine über linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ sieht in Coronakrise Chance für einen Neustart

Mit dem Rückzug von Sahra Wagenknecht galt „Aufstehen“ als gescheitert. Mitinitiator Oskar Lafontaine kündigt nun eine Wiederbelebung an.

Die ausgebremste linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ könnte nach Ansicht des Linke-Politikers Oskar Lafontaine jetzt neu an Fahrt gewinnen. „Durch die Coronakrise und die vorher sich abzeichnende Wirtschaftskrise werden die sozialen Verwerfungen in Deutschland stärker“, sagte der frühere Linke-Chef, der als Mit-Initiator der Bewegung gilt, der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. „Aufstehen“ bringe soziale Themen nach vorne: Daher sei es nun Zeit für die Bewegung, „noch einmal einen neuen Anlauf zu machen“. Die Bewegung war Anfang September 2018 gegründet worden.

Im Zeichen eines Neustarts werde der Trägerverein von „Aufstehen“ an diesem Mittwoch (17. Juni) in einer Online-Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand wählen. Es gebe zudem Planungen, wieder Veranstaltungen zu machen, sagte Lafontaine. „Entscheidend ist, dass man die Leute mal wieder für soziale Dinge auf die Straße bringt.“

Die Bewegung zählte Ende 2019 rund 150.000 registrierte Mitglieder. Nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht im März 2019, die die Bewegung maßgeblich gegründet hatte, war es deutlich ruhiger um „Aufstehen“ geworden. „Das hat die Bewegung zurückgeworfen.“

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Ziel sei weiter, im Bund wieder eine Mehrheit zu schaffen, die sich für bessere soziale Leistungen, höhere Löhne und Renten sowie eine friedliche Außenpolitik einsetze: „Das besondere Anliegen von „Aufstehen“ wird jedes Jahr dringender“, sagte Lafontaine. Die jetzige Wirtschaftskrise infolge von Corona erfasse nicht nur Menschen mit ungesicherten und schlecht bezahlten Arbeitsplätzen, sondern auch besser bezahlte Arbeitnehmer und Selbstständige.

Lafontaine bedauerte erneut, dass das Kooperationsangebot von „Aufstehen“ an SPD, Linke und Grüne von diesen Parteien bislang nicht angenommen worden sei. „Aufstehen“ wolle auch Menschen erreichen, die sich von keiner Partei angesprochen fühlten - ohne selbst eine Partei zu werden. „Das wollten wir nicht, obwohl viele Unterstützer das forderten und immer noch fordern“, sagte Lafontaine. Man werde aber nicht müde, „auf die fortgesetzte Ungerechtigkeit der Politik hinzuweisen“. Lafontaine ist Linke-Fraktionsvorsitzender im saarländischen Landtag. (dpa)

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