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Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Kritik an Stiko-Empfehlung Lauterbach befürchtet Kinder-Infektionswelle im Herbst

Der SPD-Gesundheitsexperte pocht auf mehr Tempo bei Kinder-Impfungen. Er findet es nicht richtig zu sagen, „Kinder schützen wir, indem sie sich infizieren.“

Der sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fürchtet eine Infektionswelle bei Kindern im Herbst – und mahnt daher zu schnellen Impfungen auch bei Kindern. „Bei normalem Regelbetrieb werden wir ohne Impfung in den Schulen sehr viele infizierte Kinder sehen“, sagte er am Donnerstagabend in der TV-Sendung „Maybrit Illner“.

Er hält es demnach zwar nicht für zu gefährlich, Kinder nach den Sommerferien auch ungeimpft wieder in die Schule zu lassen. Aber er mahnt auch: „Ich finde es nicht richtig, dass wir sagen, Erwachsene schützen wir durch Impfung, aber Kinder schützen wir, indem sie sich infizieren.“

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Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte am Donnerstag keine generelle Impfempfehlung für gesunde Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen gegen das Coronavirus aber für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen. Nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und der Risikoakzeptanz von Kindern, Jugendlichen oder ihren Eltern sei eine Impfung aber auch bei gesunden jungen Leuten möglich, heißt es im jüngsten Bulletin des Robert Koch-Instituts.

Lauterbach verwies bei „Maybrit Illner“ darauf, die Stiko habe in den Vordergrund gestellt, dass man die langfristigen Schäden kennen müsse- und erst dann die Impfung empfehlen könne. „Aber diese Schäden sehe ich erst in anderthalb Jahren“, fügte Lauterbach hinzu. Dadurch werde es dann „auf absehbare Zeit, wahrscheinlich für das ganze Jahr“ keine Impfungen für Kinder geben. Und das halte er für „falsch“.

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Die Ansichten der Deutschen zur Impfung von Kinder ab 12 Jahren gehen auseinander. Im neuen ARD-Deutschlandtrend äußerten 43 Prozent den Wunsch, dass auch Kinder ab 12 Jahren möglichst schnell eine Corona-Impfung erhalten. 48 Prozent stimmen dem nicht zu. Die EU-Arzneimittelbehörde hatte den Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.

Seit Montag ist die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben, das Meinungsbild der Bürger ist auch hier geteilt. 53 Prozent finden dies richtig, 43 Prozent hingegen nicht. Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie halten 61 Prozent für angemessen. 24 Prozent finden, sie gingen zu weit, 13 Prozent sagen hingegen, die Maßnahmen gingen nicht weit genug. Gerecht behandelt beim Impfen fühlen sich 71 Prozent, 23 Prozent verneinen dies. (Tsp/dpa)

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