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Schwere Last auf jungen Schultern. Mykhailo Fedorov. Foto: imago images/Ukrinform
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Krieg gegen die Ukraine General an der Cyber-Front

Mykhailo Fedorov leitet das ukrainische Digitalministerium. Ein Porträt.

Der ukrainische Digitalminister Mykhailo Fedorov prägt seit einigen Tagen eine ganz neue Art der Cyberdiplomatie. Während sein Land unter russischem Beschuss steht, organisiert der Vize-Regierungschef an der digitalen Front den Dialog mit internationalen Tech-Konzernen. „@ElonMusk, while you try to colonize Mars — Russia to occupy Ukraine! (...) We ask you to provide Ukraine with Starlink stations and to address sane Russians to stand“, schrieb Fedorov am Samstag auf Twitter. Einen Tag später aktivierte Musk die Satelliteninternetverbindung für die Ukraine. Das Netz war insbesondere im Süden und Osten beeinträchtigt.

Dabei ist Fedorov nicht um drastische Worte verlegen: „Kein Platz für Kriegsverbrecher im Metaverse“, forderte er etwa in Richtung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Fedorov hoffte, dass der Meta-Konzern seine Dienste in Russland abstellt. Facebooks „Außenminister“ Nick Clegg erklärte jedoch, der Bitte Fedorovs könne man nicht nachkommen. Denn auch die russische Opposition organisiere sich über die Netzwerke.

Doch der Minister wird gehört. Auf dem Messenger Telegram bespielt er einen Kanal mit über 100 000 Followern, über 60 000 Follower kann er auf Instagram zählen und über 100 000 auf Twitter.

Vor der Invasion war der 31-Jährige – bei seiner Benennung im Jahr 2019 war er der jüngste Minister in der ukrainischen Geschichte – eigentlich für die Digitalisierung der Verwaltung verantwortlich. Sein wichtigstes Projekt war, die mobilen E-Services des Staates auf das Smartphone zu bringen. In seinem ersten Jahr im Amt wurde dafür die zentrale Plattform „Diia“ als Smartphone-App gestartet. Ziel der Regierung ist es, 100 Prozent aller Verwaltungsdienstleistungen bis 2024 online anzubieten.

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Nebenbei ruft Fedorov auch eine globale „IT-Armee“ ein. Die freiwilligen Cyber-Söldner sollen gegen russische Cyberattacken vorgehen. Und Fedorovs Engagement reicht bis in die Krypto-Community. Er appelliert an die Krypto-Tech-Branche, Russland zu blockieren.

Die Befürchtung: Die dortige Regierung könnte die Sanktionen gegen seine Finanzinstitutionen über Krypto-Zahlungen umgehen. Deswegen sollten alle Accounts in Russland gesperrt werden. Den kalifornischen NFT- und Krypto-Marktplatz „DMarket“ nannte Fedorov am Montag anerkennend einen „modernen Robin Hood“: Er hatte russische Accounts vorerst eingefroren.

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