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Ursula von der Leyen auf einem Flug in den Kosovo im Jahr 2014. Foto: imago/photothek
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„Kostet viel Glaubwürdigkeit“ Von der Leyen fliegt 50 Kilometer im Privatjet

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert mehr Engagement im Klimaschutz. Sie selbst aber nutzt Ultra-Kurzflüge.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hat eine Strecke von nur 50 Kilometern im Privatjet zurückgelegt. Die Flugdauer für den ihren Weg im Juni von Wien ins nahe gelegene Bratislava betrug damit gerade einmal 19 Minuten.

Der Generalsekretär des Europäischen Steuerzahlerbundes, Michael Jäger, bezeichnete den Kurzstreckenflug im Gespräch mit „Bild“ als „ökologische Sünde“. „Er kostete viel Steuergeld, viel Zeit für die Wege von und zu den Flughäfen und vor allem: viel Glaubwürdigkeit.“

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Laut „Bild“ ist die Strecke kürzer als die Entfernung zwischen Köln und Wuppertal oder Hamburg und Lübeck. Der Flug habe über 1000 kg CO2 verursacht. Von der Leyens öffentliches Bild ist von dem European Green Deal geprägt, mit dem sie die EU bis 2050 klimaneutral machen will. Zuletzt sagte sie Anfang der Woche bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow: „Wir alle, weltweit, müssen viel mehr Tempo machen“.

Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Jana Schimke ermahnte die frühere Verteidigungsministerin: „Wenn man Wandel will, dann muss man ihn auch vorleben. Ansonsten wird man unglaubwürdig.“ In Deutschland war in den vergangenen Monaten immer wieder über ein Verbot von Kurzstreckenflügen diskutiert worden.

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Ein Sprecher der EU-Kommission rechtfertigte von der Leyens Flug: „Mit Abflug und Ankunft in Belgien waren es bei dieser Reise der Präsidentin sieben Länder in zwei Tagen. Alternativen wurden geprüft, doch es gab logistisch keine andere Möglichkeit“. Eine Zugfahrt für diese Strecke dauert im Schnitt eine Stunde.

Auch der britische Premierminister Boris Johnson musste sich diese Woche wegen ähnlicher Vorwürfe verantworten. Er war am Sonntagabend vom G20-Gipfel in Rom mit einer gecharterten Airbus-Maschine nach Glasgow geflogen. Das selbe Flugzeug werde ihn am Dienstag zurück nach London bringen, erklärte sein Büro. „Der Kraftstoff, den wir verwenden, ist nachhaltig und die Emissionen werden auch ausgeglichen“, sagte sein Sprecher.

Einem Bericht des „Daily Mirror“ zufolge setzte sich Johnson allerdings direkt danach in einen Privatjet und flog zu einem Dinner in einem exklusiven Club in London, dessen Mitgliedschaft Männern vorbehalten ist. Er soll dort den früheren Chefredakteur des „Daily Telegraph“ und bekennenden Klimawandelskeptiker Charles Moore getroffen haben.

Noch am selben Abend sei von der Leyen mit dem Privatflugzeug nach Riga geflogen. „Hinzu kommt, dass es wegen Corona Bedenken gab, Linienflüge oder Züge zu nutzen“, so von der Leyens Sprecher. Zudem seien die Reisen in die Mitgliedstaaten auch unabdingbar, um den Bürgern in der EU zu zeigen, dass die EU bei der Bewältigung der Corona-Krise eine wichtige Rolle spiele.

Den deutschen Europaabgeordneten Martin Schirdewan überzeugte das allerdings nicht. „Schöne Worte und echte Taten klafften bei Kommissionspräsidentin von der Leyen schon immer weit auseinander“, kommentierte der Co-Chef der Linken im Parlament. Die europäische Spitzenpolitik habe aufgehört, Vorbild zu sein. So gehe die Glaubwürdigkeit europäischer Politik nachhaltig verloren. (Tsp, AFP, dpa)

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