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Heinrich Bedford-Strohm, evangelischer Landesbischof hat sich erneut für die Zusammenarbeit mit Sea-Watch stark gemacht und weiterhin die Glaubensprüfung von konvertierten Flüchtlingen kritisiert. Foto: Andreas Gebert/dpa
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Kooperation mit „Sea-Watch“ Bedford-Strohm verteidigt Seenotrettung

Im Juni hatte der Kirchentag gefordert, ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken. Der bayerische Landesbischof verteidigte dieses Vorhaben.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat das Engagement der evangelischen Kirche für die Seenotrettung von Flüchtlingen entschieden verteidigt. Es sei eine Pflicht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren, sagte er am Montag vor der bayerischen Landessynode in Bamberg. Der Vorwurf, durch die Seenotrettung entstehe ein „Pull-Effekt“, der immer mehr Menschen zur Flucht über das Mittelmeer animiere, treffe nicht zu, betonte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Wie Studien übereinstimmend belegten, habe es keine Auswirkungen, ob Rettungsschiffe auf See seien oder nicht, sagte Bedford-Strohm. Auch der Vorwurf, die Kirche solle sich mehr um die Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge kümmern, greife zu kurz. Die Kirche stehe nämlich schon seit vielen Jahren bei Hilfeleistungen für afrikanische Staaten in der ersten Reihe, sagte er. In Nigeria etwa warne ein Programm des Lutherischen Weltbundes ausdrücklich vor den Gefahren, die eine Flucht vor allem für Frauen mit sich bringe.

Die EKD hatte im September bekanntgegeben, dass sie zusammen mit einem Verein die Seenotrettungsorganisation „Sea-Watch“ beauftragen möchte, ein Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Der Beschluss geht auf eine Initiative des evangelischen Kirchentags im Juni zurück.

Bedford-Strohm kritisierte weiterhin die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BamF) durchgeführte Glaubensprüfung bei zum Christentum konvertierten Flüchtlingen. Der ernst gemeinte Wechsel zum christlichen Glauben werde von Gerichten häufig bezweifelt, sagte Bedford-Strohm. „Das können wir nicht akzeptieren.“ Denn diese Unterstellung impliziere einen „Generalverdacht, dass sie das Sakrament der Taufe politisch nutzen wollten“.

Während der Landesbischof spontanen Beifall bekam, sorgte die Personalplanung der Kirche für Diskussion. Zehn Prozent aller Stellen werden gestrichen, kündigte Personalleiter Stefan Reimers an. Auf diese Weise sollen die Stellen von Pfarrern, Diakonen, Religions- und Sozialpädagogen sowie Kirchenmusikern den sinkenden Mitgliederzahlen angepasst werden.

Neben dieser „Realität der Zahlen“ ziele die Landesstellenplanung auf Möglichkeiten der Gestaltung ab, betonte Reimers. Die Dekanate dürften entscheiden, welche Aufgaben die Kirche vor Ort übernehmen soll und dementsprechend die Stellen verteilen. So könnte beispielsweise auch eine Diakonen-Planstelle mit einer Kirchenmusikerin besetzt werden. Der endgültige Beschluss zur Landesstellenplanung soll in einem Jahr fallen.

Dann soll auch entschieden werden, ob in Nürnberg ein evangelischer Campus entsteht. Mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg, den Fachakademien Rummelsberg und weiteren christlichen Trägern könnte dort ein „neuer Ort für Bildung, Begegnung und Beratung“ werden, sagte Finanzleiter Erich Theodor Barzen. Rund 155 Millionen Euro würde ein solcher Campus kosten. Noch bis Donnerstag tagt die Kirchenleitung in Bamberg. (EPD, dpa, Tsp)

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