Kohl ist der Hauptverursacher des Klimawandels, sagt die kanadische Umweltministerin Catherine McKenna. Foto: Patrick Pleul, dpa
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Klimakonferenz in Bonn Internationale Allianz gegen Kohle - ohne Deutschland

Nora Marie Zaremba
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Kanada will vom Blockierer zum Vorreiter des Klimaschutzes werden und setzte sich daher für eine Allianz gegen Kohle ein. Deutschland wollte nicht mitmachen, sagt die kanadische Umweltministerin.

„Die Verbrennung von Kohle ist eine Gefahr für die menschliche Gesundheit und der Hauptverursacher des Klimawandels. Deswegen wollen wir aus der Kohle aussteigen“, verkündete die kanadische Umweltministerin Catherine McKenna am Donnerstag auf der Weltklimakonferenz in Bonn. Sie stellte im Beisein ihrer Amtskollegin aus Großbritannien ein neues Anti-Kohle-Bündnis vor. Der „Global Alliance to Power Past Coal“ gehören neben Staaten wie Mexiko und Frankreich auch Unternehmen und Verbände an, die für einen zügigen Ausstieg aus der Kohleverstromung plädieren. Bis zum nächsten UN-Klimagipfel 2018 sollen weitere 50 Länder an Bord kommen.

Auch Deutschland habe sie gefragt, ob es der Allianz beitreten wolle, erzählte McKenna im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Die Antwort sei Nein gewesen. Aber im Dezember ergebe sich für die Bundesrepublik ja eine neue Gelegenheit, dem Anti-Kohle-Bündnis beizutreten. Dann lädt der französische Staatschef Emmanuel Macron nach Paris zu einer Klimakonferenz ein. Die kanadische Regierung kündigte bereits vor einiger Zeit an, man werde sich bis 2030 vollständig von der Kohle verabschieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in Bonn nicht konkret zum Kohleausstieg geäußert. Sie betonte aber die Abwägung zwischen Interessen von Wirtschaft und Klimaschutz. McKenna sagte, sie könne das nachvollziehen. „Wir stehen in Kanada vor ähnlichen Fragen.“

Trudeau verkündete Kehrtwende

Dass Kanada sich überhaupt als Klimaschützer engagiert, ist der Agenda von Premierminister Justin Trudeau zu verdanken. 2015 kündigte er in Paris an, sein Land wolle vom Blockierer zum Vorreiter werden. Das Land hat sich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Kanada 210 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Die Kohle hat einen Anteil von 75 Prozent aller Emissionen im Stromsektor.

„Der Kohleausstieg funktioniert aber nur, wenn alle Menschen mit ins Boot geholt werden“, sagte die Umweltministerin. In Kanada gelte es, die Interessen der Indigenen genauso zu beachten wie die der Arbeiter eines Ölkonzerns. Laut offiziellen Statistiken arbeiten etwas 2500 Kanadier direkt im Bereich der Kohleförderung zur Energieerzeugung. Hinzu kommen diejenigen, die in den Kraftwerken arbeiten. Dagegen sollen im Bereich der erneuerbaren Energien bereits mehr als 30000 Menschen beschäftigt sein, vor allem in der Windkraft.

Keinerlei Ausstiegsversprechen gibt Kanada jedoch für die Förderung von Ölsanden in der Provinz Alberta. Sie tragen mehr als 60 Prozent zur Ölproduktion des Landes bei. „Ja, es stimmt, dort gibt es noch viel zu tun“, sagte McKenna. Positiv sei jedoch, dass die Regierung in Alberta erstmals eine Obergrenze für die Emissionen aus den Ölsanden eingeführt. Zudem hätten sich 40 Firmen für die Einführung eines landesweiten CO2-Preises ausgesprochen. Aber ohne Frage, sagte McKenna, sei die Energiewende sehr harte Arbeit. „Und da hat jedes Land eben seine ganz eigenen Herausforderungen.“

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