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Israels Premier Naftali Bennett begleitet seine Mutter Myrna Bennett bei der Auffrischungsimpfung. Foto: AFP
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Kaum noch Corona-Infektionen Israel boostert sich zum Impfvorbild

Noch im September hat der jüdische Staat so viele Covid-Infektionen wie nie zuvor gemeldet. Jetzt infizieren sich nur noch sehr wenige. Wie ist das gelungen?

Als erstes Land der Welt führte Israel schon im August die Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 ein, zunächst nur für ältere Bürger, inzwischen für alle ab zwölf Jahren. Knapp vier Millionen Menschen haben sich inzwischen die dritte Dosis abgeholt, fast die Hälfte der Bevölkerung.

Experten sehen darin den wichtigsten Grund dafür, dass sich die Lage innerhalb weniger Monate drastisch verbessert hat: Noch im September registrierte Israels Gesundheitsministerium über 11.000 Neuinfektionen an einem einzigen Tag, mehr als je zuvor seit Beginn der Pandemie. Zuletzt dagegen lag die Zahl der Neuinfektionen nur noch bei ein paar Hundert am Tag.

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Zu Beginn dieses Jahres galt Israels Impfaktion gegen Covid-19 als Erfolgsgeschichte. Dann breitete sich die besonders ansteckende Delta-Variante aus, zum anderen ließ die Schutzwirkung der Pfizer/Biontech-Impfung nach einigen Monaten stark nach, wie Gesundheitsexperten feststellten.

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Deshalb entschloss Israels Regierung unter dem Ministerpräsidenten Naftali Bennett dafür, die Bürger zum Boostern aufzurufen. Inzwischen gelten in Israel nur noch jene Menschen als vollständig geimpft, die sich die dritte Dosis abgeholt haben – oder deren zweite Impfung weniger als ein halbes Jahr zurück liegt.

Nur diese Bürger können den sogenannten Grünen Pass, der seinen Trägern Zugang zu Cafés, Kinos, Fitnessstudios und Museen gewährt, erneuern. Wer dies nicht tut, wird von vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.

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Die Erfassung des Impfstatus jedes einzelnen Bürgers erfolgt automatisch: Für die Impfaktion sind die vier großen Krankenkassen des Landes zuständig, die den israelischen Markt unter sich aufteilen und schon seit Jahrzehnten digitale Gesundheitsakten ihrer Kunden führen.

Geimpfte dürfen wieder einreisen

Die Impfdaten leiten sie an das Gesundheitsministerium weiter, welches den Grünen Pass ausgibt, ein Online-Zertifikat, das sich über die Webseite des Ministeriums herunterladen lässt.

Um die Menschen zur Auffrischungsimpfung zu ermutigen, gehen manche Kassen sogar recht robust vor und lassen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anrufen: „Hallo, ich rufe an, um Ihren Termin für Ihre dritte Impfung zu vereinbaren.“

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Derart unter Kontrolle scheint die Lage, dass das Land seine Grenzen wieder für Individualreisende geöffnet hat, sofern diese ihren Impfstatus nachweisen können. Über anderthalb Jahre lang hatte Israel sich nahezu komplett abgeschottet.

Eine kleine, aber lautstarke Minderheit wehrt sich indes gegen den wachsenden Druck auf Ungeimpfte. Sie demonstrieren regelmäßig samstagabends in Tel Aviv und anderen Städten gegen die Impfpolitik der Regierung, die sie als Diskriminierung Ungeimpfter beschreiben.

Ministerpräsident Naftali Bennett zeigt sich unbeeindruckt und appellierte an die Bürger: „Ignoriert die Fake-News. Lasst euch impfen.“

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