Präsident wird, wer die Wahl am 3. November gewinnt. Alle Umfragen in den Wochen davor sind dann hinfällig. Foto: Saul Loeb, Ronda Churchill, AFP
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Kann Trump die Präsidentschaftswahl noch gewinnen? Was die Geschichte über Umfragen lehrt

Wir erinnern an Nixon vs Humphrey, Bush vs Dukakis, Bush vs Clinton - das und sehr viel mehr in "Twenty/Twenty", dem Newsletter zur US-Präsidentschaftswahl.

In der Politik können vier Monate eine verdammt lange Zeit sein. Im Moment führt in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl der Herausforderer Joe Biden mit einem deutlichen Abstand vor Amtsinhaber Donald Trump. Das reicht für einen fulminanten Sieg des Demokraten. Doch die Geschichte mahnt zur Vorsicht. Hier ein paar Beispiele: 

Im Juli 1968 lag die Zustimmung für den Republikaner Richard Nixon bei 35 Prozent, der Demokrat Hubert Humphrey kam auf 40 Prozent (mit George Wallace, 16 Prozent, kandidierte noch ein Unabhängiger). Doch dann kam der Parteitag der Demokraten in Chicago, überschattet von gewaltsamen Vietnamkriegs-Protesten. Am Ende gewann Nixon knapp vor Humphrey (43 zu 42). 

[Mit dem Newsletter „Twenty/Twenty“ begleiten unsere US-Experten Sie jeden Donnerstag auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl. Die 20. Ausgabe ist soeben erschienen. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung: tagesspiegel.de/twentytwenty.]

Im Juli 1976 führte der Demokrat Jimmy Carter klar vor Gerald Ford (62 zu 29 Prozent). Doch durch gute Auftritte in den Fernsehdebatten holte Ford kontinuierlich auf. Carter gewann nur knapp mit 50 zu 48 Prozent. 

Ende Juli 1988 lag der Republikaner George H.W. Bush in den Umfragen 17 Prozentpunkte hinter dem Demokraten Michael Dukakis (37 zu 54 Prozent). Doch Bush half eine gute Wirtschaft. Außerdem gelang es ihm, Dukakis als einen Politiker zu charakterisieren, der bei der Inneren und Äußeren Sicherheit zu weich ist. Das verfing beim Wähler. Bush gewann deutlich mit 53 zu 45.

 Anfang Juli 1992 schien der Vorsprung von Amtsinhaber George H.W. Bush gegenüber seinem Herausforderer von den Demokraten, Bill Clinton, ausreichend groß zu sein (48 zu 40 Prozent). Dann machte sich Clinton die schlechten Wirtschaftsdaten für seine Kampagne zunutze („It’s the economy, stupid“) und gewann klar mit 43 zu 37 Prozent.

  Also, aufgepasst! Biden kann sich in der Fernsehdebatte verhaspeln oder Trumps aggressiver Kampagne erliegen. Die Wirtschaft kann rechtzeitig wieder anziehen oder ein Corona-Impfstoff auf dem Markt sein. Wer heute sagt, die Wahl sei bereits gelaufen, dem fehlt schlicht Phantasie.

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