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Michael Roth und Christina Kampmann wollen SPD-Vorsitzende werden. Foto: imago images / photothek
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Kampmann und Roth wollen SPD-Chefs werden "Vielleicht brauchen die jetzt so einen Typen wie Dich"

Das erste offizielle Duo für die neue SPD-Doppelspitze stellt sich vor - bisher sind die beiden in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt.

Die Zustandsbeschreibung ist einigermaßen düster: Die SPD, sagt Michael Roth, leide an sich selbst und, habe ein Haltungsproblem und der Umgang miteinander sei unterirdisch. „Damit muss jetzt Schluss sein.“

Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, sitzt am Freitag mit der ehemaligen NRW–Familienministerin Christina Kampmann in einem Berliner Restaurant. Sie wollen SPD-Chefs werden, gemeinsam. Die Bewerbung des Duos wurde jetzt vom SPD–Wahlvorstand offiziell zugelassen. Zeit, sich vorzustellen – denn in der breiten Öffentlichkeit ist sie kaum bekannt, er nur ein bisschen.

Noch haben Kampmann und Roth einen Vorteil: Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht sehr schleppend voran. „Der SPD-Vorsitz wird fast schon wie ein infektuöses Kleidungsstück behandelt“, beklagte Ex-Parteichef Sigmar Gabriel. Das einzige andere Duo, das sich schon hervorgewagt hat, besteht aus Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Umweltpolitikerin Nina Scheer. Sie stellten sich am Donnerstagabend vor und sprachen sich für einen Ausstieg aus der Groko aus. Offiziell zugelassen sind sie aber noch nicht.

„Vielleicht brauchen die jetzt so einen Typen wie dich“

Kampmann und Roth gehen also optimistisch an die Sache ran. Sie wollen sich als Tandem präsentieren, das den landes- und den bundespolitischen Blick vereint. Die 39-Jährige Kampmann sitzt im Landtag in NRW, war Ministerin im Kabinett von Hannelore Kraft und eine Weile auch im Bundestag. Sie ist auf einem Biobauernhof aufgewachsen, ihr Vater war Kfz-Mechaniker, sie studierte als erste in ihrer Familie und bekam danach in ihrem Job im Sozialamt mit, „was Armut bedeutet“. Roth, der aus Nordhessen kommt, ist in seinem Job im Auswärtigen Amt viel unterwegs, seit anderthalb Jahren sitzt er im Parteivorstand.

Aber wie kommt man dazu, sich als eher unbekanntes Duo als erstes in dieses Rennen zu werfen? Roth erzählt die Geschichte so: Er ist gerade auf Radtour mit Freunden und seinem Mann, als ihn die Nachricht vom Rücktritt der Parteichefin Andrea Nahles erreicht. Roth ist erschüttert. Sein Mann, der mit der SPD nichts zu tun hat, sagt: „Vielleicht brauchen die jetzt so einen Typen wie dich.“ Roth denkt: Er alleine an der Parteispitze – niemals.

Doch als dann die Debatte über eine Doppelspitze beginnt, denkt er doch darüber nach. Und kommt ziemlich bald auf Kampmann, mit der er seit den Bundestagszeiten in Kontakt geblieben ist. „Im Bundestag haben sich damals alle SPD-Arbeitsgruppen um sie gerissen“, erzählt er. Roth ruft Kampmann an. Die ist überrascht, sagt aber schließlich Ja. Mit den Reaktionen bislang sind sie zufrieden. „Viele haben gesagt: Das sind mal neue, frische, jüngere Gesichter“, erzählt Kampmann.

Endlich wieder große Zukunftsdebatten

Fraglich ist trotzdem, ob die beiden eine Chance haben. Denn bis September werden sich noch weitere, prominentere SPD-Politiker aus der Deckung wagen. Dann müssen Roth und Kampmann zeigen, was neben „frisch und voller Zuversicht“, wie Kampmann es nennt, ihr Alleinstellungsmerkmal ist. Im Restaurant sagen sie Sätze wie „Wir möchten, dass die SPD der Ort ist, wo die großen Zukunftsdebatten stattfinden“, oder „Die SPD muss sich profilieren im Kampf gegen den Nationalismus.“ Die beiden wollen auf Europa setzen, auf Digitalisierung, Klimaschutz, auf Zusammenhalt in der Gesellschaft, den Kampf gegen Kinderarmut und auf eine neue Form der Führung innerhalb der SPD. Beim Thema Groko legen sie sich nicht endgültig fest und plädieren für einen Mitgliederentscheid. Zum Konzept gehört nämlich auch, nicht immer alle Antworten gleich parat zu haben.

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